St. Paulus

Die Pfarrei St. Paulus gehört zu den uralten Pfarreien in Trier und existiert mindenstens schon seit dem 8. Jahrhundert. Bis zur französischen Revolution war die Geschichte eng mit dem Benediktinerinnenkloster St. Irminen verknüpft, dessen Pfarrkirche St. Paulus war. Die alte Kirche stand auf dem Irminenfreihof. 1775 sollte sie noch einmal wiederhergestellt werden, doch der zuständige Konvent von St. Irminen hatte nach dem Neubau der eigenen Klosterkirche kein Geld mehr. So verfügte Kurfürst Clemens Wenzeslaus 1778 die Sperrung der alten Pauluskirche und wies der Pfarrei die neue Klosterkirche St. Irminen zur Mitbenutzung zu. 1790 wurde die alte Pauluskirche abgerissen, 1806 schließlich auch der Turm.

1794 wurde dann auch das Kloster St. Irminen aufgelöst, und die ehem. Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche, weshalb sie zeitweise den Namen "St. Paulus" bekam, was bei späteren Geschichtsforschern für entsprechende Verwirrung sorgte. Ab 1804 gab es wieder eine Doppelbelegung: als Pfarrkirche und als Kirche der neu gegründeten Vereinigten Hospitien. Dies führte aber zu Spannungen, die erst mit dem Neubau der Pauluskirche ihr Ende fanden.

Der Bau einer neuen, größeren Kirche war schon Ende des 19. Jahrhunderts im Gespräch, doch erst mit dem Verkauf der Irminenkirche an die Vereinigten Hospitien 1902 war das Kapital vorhanden, ein geeignetes Grundstück zu kaufen. Am Architektenwettbewerb nahmen bedeutende Architekten ihrer Zeit teil, so u.a. Ludwig Becker aus Mainz, August Menken aus Berlin sowie die Trierer Dombaumeister Wilhelm Schmitz und Julius Wirtz. Letztere gingen als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Der erste Spatenstich erfolgte am 31. Mai 1905, die Grundsteinlegung am 24. September 1905. Am 1. September 1907 weihte Bischof Michael Felix Korum das neue Gotteshaus.

Die Pauluskirche ist ein typisches Kind ihrer Zeit. Das kurze, dafür breite Langhaus zeigt zusammen mit dem Querhaus schon eine gewisse Zentralbautendenz. Drei Apsiden schließen den Bau nach Süden ab, während die aufwändig gestaltete Fassade mit einem ans Eck gestellten Turm akzentuiert wird. Der gesamte Bau entstand in romanischen Formen, die sich am 12. Jahrhundert orientieren.

1937 erhielt St. Paulus eine erste Ausmalung. Nach Kriegsbeschädigungen wurde die Kirche in mehreren Schritten bis 1959 wiederhergestellt. Die tiefgreifendste Veränderung brachte die große Renovierung von 1967 bis 1968 unter Leitung des Architekten Günter Kleinjohann. Dabei entstand die neue Altainsel, und statt des alten Hochaltares, der auf die Westempore wanderte (!), wurde dort die 1498 vor dem Martinskloster errichtete Kreuzigungsgruppe aufgestellt.

Das Geläut umfasst drei Glocken mit den Schlagtönen des'-es'-f'. Die drei Glocken wurden 1837 von den Gebrüdern J.N.B. und F.A. Gaulard in Trier gegossen. Die große Glocke kam nach dem Krieg beschädigt zurück und musste 1953 von Mabilon in Saarburg neugegossen werden.

Am 5. November 2017 wurde die Kirche profaniert. Über das weiter Schicksal dieses wunderbaren neuromanischen Bauwerks ist noch nicht entschieden (Stand 2019). Die Orgel kam nach Aach, die zwei siebenarmigen Leuchter wurden der Trierer Synagoge geschenkt. Das wertvolle Geläut sucht auch ein neues Zuhause.

Literatur in Auswahl

  • Anton Josef Grünewald: Geschichte der Pfarrei St. Paulus in Trier. Festschrift zur Weihe der neuen Kirche. Trier 1907.
  • Peter Funk: St. Paulus - neue Kirche in alter Pfarrei. Gedenkblätter zum 50jährigen Weihejubiläum der neuen St.-Paulus-Kirche in Trier. Trier 1957.
  • Hans-Walter Storck: Geschichte der Pfarrei und Kirche St. Paulus zu Trier. Trier 1987.

Sebastian Schritt

Die Orgel der alten - abgerissenen - Pauluskirche, erbaut 1745/48 von Nollet, kam 1792 nach Ürzig, wo einige historische Register (Bourdon 16', Hohlflöte 8', Stillflöte 4' und Quinte 3') den dortigen Orgelneubau 1868 durch Voltmann überlebten und bis heute spielen. Höchstwahrscheinlich stammen sie noch aus der alten Pauluskirche!

Die heutige neuromanische Kirche bekam 1925 eine Orgel der württembergischen Firma Späth aus Ennetach-Mengen an der Donau (op. 326). Das opulente Werk mit pneumatisch gesteuerten Kegelladen verfügte über 2 Manuale und Pedal und hatte 35 Register. 1944 wurden Kirche und Orgel beschädigt. Die Restaurierung der Orgel machte 1950 der Trierer Orgelbauer Eduard Sebald.

Kegelladen, pneumatische Traktur, Orgelprospekt im Art-Deco-Stil, Super- und Subkoppeln, Normallage ab im SW, Transponierapparat

Disposition der Späth-Orgel (1925; abgebaut 1973, Op. 326)

Hauptwerk (I)
Principal 8'
Flauto major 8'
Gedackt 8'
Gamba 8'
Dulciana 8'
Gemshorn 8'
Salicional 8'
Octav 4'
Rohrflöte 4'
Mixtur 22/3'
Horn 8'

 

Schwellwerk (II)
Bordun 16'
Hornprincipal 8'
Konzertflöte 8'
Nachthorn 8'
Viola 8'
Quintatön 8'
Labialoboe 8'
Aeoline 8'
Vox coelestis 8'
Praestant 4'
Zartflöte 4'
Nasard 22/3'
Cornett 22/3'
Piccolo 2'
Terz 13/5'
Fagott 16'
Trompete 8'
Clairon 4'

Pedalwerk
Principalbaß 16'
Subbaß 16'
Gedacktbaß 16'
Flötenbaß 8'
Cellobaß 8'
Posaune 16'

 

Kegelladen, pneumatische Traktur,
Orgelprospekt im Art-Deco-Stil,
Super- und Subkoppeln,
Normallage ab im SW,
Transponierapparat

Aus der Predigt von Dr. Paul Schuh zur Wiedereinweihung 1950

Eine schöne Orgel im Herzen unserer Stadt

Die Orgel der Pfarrkirche St. Paulus in Trier ist wieder zu neuem tönenden Leben erweckt, instandgesetzt durch die meisterliche Hand des bekannten Trierer Orgelbaumeisters Eduard Sebald. Infolge der schweren unheilvollen Bombenangriffe auf unsere Stadt in der Weihnachtswoche 1944 war das 1925 erstellte Werk ein Wrack geworden: Das in den  mächtigen architektonischen Bögen der Nordseite eingebettete Schwellwerk - sinnvolle Einrichtung zur Beseelung der Orgelmelodie - zersplittert... unbrauchbar geworden... unbrauchbar auch das Gebläse, die "Lunge der Orgel", verwüstet durch vom explosiven Luftdruck geschleuderte Steine.... gesprengt und zerrissen auch die feinen Lederteile, Membrane und Verdichtungen....

Aber der Meister Eduard Sebald hat alle Teile wieder gefügt.... mit einer Einfühlsamkeit, wie sie ihm eigen ist, ihm, dem Sohne Süddeutschlands, der die Innigkeit, Lieblichkeit und zugleich die Pracht der heimatlichen Barock-Gotteshäuser und der in ihnen singenden und klingenden Orgeln kennt, ihren Ton mit feinem Ohr erlauscht und lautren Herzens bewahrt hat.

Aus der Beschreibung der Orgel von Wolfgang Valerius, Himmerod

Erbaut wurde die Orgel 1925 von der Firma Gebrüder Späth aus Ennetach-Mengen als Opus 326 und war bestimmt für die neoromanische Pfarrkirche St. Paulus. Noch immer ist die Disposition sehr grundtönig, wenngleich mit Nazard 2 2/3’ und Terz 1 3/5’ im zweiten Manual erstmals wieder Einzelaliquote in Erscheinung treten. Des weiteren aber scheint hier auch ein gewisser französischer Einfluss gegeben zu sein, denn das Schwellwerk, das mit 18 Registern außerordentlich üppig dimensioniert erscheint, verfügt über drei vollbechrige Zungen in der 16’-, 8’- und 4’-Lage. Neben insgesamt acht Normal- und Octavkoppeln verfügt das Instrument über diverse Spielhilfen, so etwa drei feste und zwei freie Kombinationen, ein automatisches Pedal, einen in Trier einmalig in Erscheinung tretenden Transponierapparat, mit dem man bis zu einer großen Terz nach oben und einer kleinen Terz nach unten transponieren konnte, sowie einen Tritt für “II. Manual Normallage ab”, eine Vorrichtung, die im anglo-amerikanischen Orgelbau als “Unison Off” bis heute zum Standard gehört. Die Weihe dieses Instrumentes erfolgte am 20. Dezember 1925, nachmittags um 5:30 Uhr, wobei Dr. Karl Späth höchstpersönlich die klangliche Vorstellung seiner Orgel übernahm. 

Zu Beginn der 70er Jahre musste diese Orgel dann den in St. Paulus radikal umgesetzten Erneuerungsbestrebungen, die vom II. Vaticanum ausgingen, ebenso weichen wie sämtliche andere Einrichtungsgegenstände aus der Erbauungszeit dieser Kirche. Ironischerweise ist die Späth-Orgel der Pauluskirche, die bis zuletzt wohl mehr oder weniger tadellos funktionierte, nicht Opfer der neobarocken Orgelideologie geworden, sondern eines wahrhaft progressiven Pfarrers, der mit der Vergangenheit gründlich “aufgeräumt” hat.  

Wolfgang Valerius

Mit der Absicht, eine Hauptorgel in Altarnähe zu errichten, wurde die Späth-Orgel leider 1973 abgebaut. Aus der Wand ragende Stahlträger zeugten noch lange von diesem Plan. Zunächst aber ersetzte man die stattliche Späth-Orgel durch eine kleine vollmechanische Orgel mit 11 Registern, erbaut von Orgelbau Hugo Mayer im saarländischen Heusweiler. OBM Reinhart Tzschöckel renovierte 1997 diese Orgel und versah sie mit einem schöneren Prospekt. Zum Bau einer neuen Hauptorgel kam es nie.

2017 schließlich wurde die Kirche St. Paulus profaniert. Die Mayer-Orgel wurde 2018 nach Aach umgesetzt.