St. Martin

Seit 1803 gehörte das heutige Pfarrgebiet von St. Martin, zu dem hauptsächlich die ehemals selbständigen Dörfer Zurlauben und Maar zählten, zur Pfarrei St. Paulin. Das alte Fischerdorf Zurlauben besaß seit 1727 eine eigene Kapelle St. Nikolaus, die als Filialkirche von St. Paulin abhängig war. Die Bewohner der Gemeinde Maar erbauten in den Jahren 1888 bis 1890 ebenfalls eine kleine Filialkirche, die dem hl. Sebastian geweiht war.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung in diesen beiden Dörfern schnell an. Der Bau einer neuen Pfarrkirche sollte die beiden Filialkirchen ersetzen. Möglich wurde dieser Wunsch vor allem durch den damaligen Pfarrer von St. Paulin, Friedrich von Kloschinsky, der anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums im Jahre 1900 eine Stiftung über 200.000 Mark zum Bau der Kirche gründete. 

Mit den Planungen wurde der Trierer Architekt Peter Marx beauftragt, nach dessen Plänen im Bistum Trier damals bereits einige interessante Kirchen wie etwa der Saardom in Dillingen, St. Paulinus in Völklingen-Lauterbach, St. Laurentius in Waldrach, St. Rochus in Hatzenport, St. Dionysius in Kruft oder St. Jakobus in Trier-Biewer erbaut worden waren. Im Frühsommer 1912 wurde mit dem Bau begonnen, die Grundsteinlegung erfolgte im August 1912. Infolge des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges verzögerten sich die Bauarbeiten; Bischof Korum konsekrierte die neue Kirche am 14. April 1915. Knapp zwei Jahre später wurde St. Martin zur selbständigen Pfarrei erhoben. In Dehios Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler liest man über St. Martin: „Große Säulenbasilika in romanischen, verschiedenste Quellen verarbeitenden Formen. ... Durch französische Kirchenfassaden angeregte Westfront... Reich skulptierte Portalanlage mit Säulen nach dem Vorbild von St. Gilles du Gard. Der Innenraum erinnert in seiner Weiträumigkeit an frühchristliche Basiliken.“ Die Wahl des Baustils ist auf die ehemalige Benediktinerabtei St. Martin zurückzuführen, an die auch das Patrozinium der Kirche erinnert.

Die Ausstattung der Erbauungszeit ist in großen Teilen erhalten. Zu nennen sind hier vor allem die Fenster und die Chortribüne, aber auch der Kapitellschmuck. 1925 erhielt die Kirche ein neues Geläute, das die Glockengießerei Mabilon in Saarburg hergestellt hatte. Die vier Glocken mit den Schlagtönen h°-dis’-fis’-gis’ zählen heute zu den „Glocken-Schätzen“ des Bistums Trier. Nur ein weiteres Geläute der Zwischenkriegszeit (Herz Jesu in Elversberg) hat neben dem von St. Martin den Zweiten Weltkrieg komplett überstanden. 1931 wurde die bis heute unverändert erhaltene Orgel der Firma Klais aus Bonn erbaut. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Martinskirche nur gering beschädigt. 1969 bis 1971 erfolgte eine Umgestaltung des Chorraumes im Sinne nachkonziliarer Vorstellungen nach Plänen des Trierer Architekten G. Kleinjohann. Der von Bildhauer Theo Heiermann aus Sürth geschaffene Zelebrationsaltar wurde am 15. November 1970 konsekriert. 

Sebastian Schritt

Die Klais-Orgel mit dem typischen Freipfeifenprospekt der Hans-Klais-Ära wurde 1998 von H.G. Vleugels renoviert.

Disposition der Klais-Orgel von St. Martin

I. Hauptwerk
1. Manual
C - g3

Nachthorngedackt 16'
Principal 8'
Holzflöte 8'
Salicional 8'
Praestant 4'
Blockflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Gemshorn 2'
Mixtur IV 2'

II. Schwellwerk
2. Manual
C - g3

Geigenprincipal 8'
Fernflöte 8'
Unda maris 8'
Octave 4'
Traversflöte 4'
Schweizerpfeife 2'
Nachthorn 1'
Sesquialter II
Oboe 8'
Tremulant

III. Brustwerk
3. Manual
C - g3

Rohrflöte 8'
Quintadena 8'
Singendprincipal 4'
Spitzflöte 4'
Flageolett 2'
Terz 1 3/5'
Superquinte1 1/3'
Cymbel III-IV 1 1/3'
Krummhorn 8'

IV. Bombardwerk
(auf III spielbar)

Rohrgedackt 8'
Großcornett III-V 2 2/3
Bombarde 16'
Trompete 8'
Clairon 4'

Pedal
C - f1

Principalbaß 16'
Subbaß 16'
Zartbaß 16'
Octavbaß 8'
Baßflöte 8'
Choralbaß 4'
Rauschpfeife III-IV 2 2/3'
Posaune 16'
Bombarde 16'
Baßtrompete 8'

Spielhilfen
9 Normalkoppeln
9 Sub- und Superkoppeln

Elektr. Kegelladen

zweiter pneumatischer Spieltisch für III. Manual

mechanische Windschöpfvorrichtung

Manualumfang C - g3, Pedalumfang C - f1