St. Gangolf am Hauptmarkt

St. Gangolf am Hauptmarkt ist seit Jahhunderten der Stolz der Trierer Bürgerschaft und neben Dom und Liebfrauen eines der Wahrzeichen der Altstadt. Die Gründung der Marktkirche steht wohl in Zusammenhang mit der Errichtung des Marktkreuzes im Jahre 958. Von dieser ersten Kirche haben sich keine Reste gefunden. Von einem Neubau der Gangolfskirche erfahren wir erstmals durch einen Ablassbrief des Trierer Erzbischofs Heinrich II. von Finstingen aus dem Jahre 1284. Die bestehende Kirche wird als uralt bezeichnet und ein Neubau als sinnvoll erklärt. Wann dieser Bau ferig war, ist unbekannt. 1344 wird vor der ehemligen Westfassade ein Turm errichtet, der ursprünglich frei stand. Die heutige Kirche ist schließlich das Ergebnis eines Neubaus aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, bei dem jedoch Teile des frühgotischen Baues übernommen wurden. Stiftungen sind aus den Jahren 1402 und 1409 überliefert. Die Weihe wird für 1459 durch Erzbischof Johann II. von Baden angenommen. Schließlich stiftet Adelheid von Besselich Geld für die Aufstockung des Turmes, die 1507 vollendet war und seitdem das Bild der Kirche bestimmt. Nach schweren Kriegszerstörungen wurde die Kirche unter der Leitung von Baurat Heinrich Otto Vogel bis 1958 wiederaufgebaut. Das heutige Innere präsentiert sich seit der letzten Renovierung zwischen 1979 und 1987 als zweischiffige "Basilika" mit einem breiten Mittelschiff und einem nördlich angebauten Seitenschiff mit stuckierten Gewölben aus der Barockzeit. Dominiert wird das Innere durch die weiß-gelbe Ausmalung, die in der Ausmalung des Chores gipfelt. Das Fresco wurde 1850 vom Trierer Maler August Gustav Lasinsky geschaffen.

Bemerkenswert ist auch das Geläut der Kirche. Insgesamt neun Glocken hängen im Turm: fünf Läuteglocken, drei Uhrschlagglocken sowie die Wandlungsglocke in der Turmspitze. Bedeutendste Glocke ist die Gangolfsglocke. Sie wurde 1475 vom Trier Glockengießer Clais von Enen gegossen und erklingt in cis'. Sie ist in Trier besser bekannt unter dem Namen "Lumpenglocke", denn von Anfang an diente sie auch als Stadtglocke, die jeden Abend das Schließen der Stadttore bekannt gab und noch heute täglich um 22 Uhr für einige Minuten zu hören ist. Die vier anderen Läuteglocken h°, e', fis' und gis' wurden 1995 angeschafft und bei Mabilon in Saarburg gegossen. Die drei Schlagglocken wurden mitten im Zweiten Weltkrieg (1942) gegossen, als alle übrigen Glocken abgeliefert waren. Bei der Wandlungsglocke handelt es sich um die alte städtische Brandglocke, die in Trier "Zündel" genannt wird. Sie wurde 1549 von Dederich Wolf von Prüm, dem letzten bedeutenden Trierer Glockengießer, gegossen.

Literatur in Auswahl

  • Tausendjahrfeier der Kirche und Kirchengemeinde St. Gangolf zu Trier. Trier 1967.
  • Stork, Hans-Walter: Kath. Stadtpfarrkirche St. Gangolf Trier (= Schnell & Steiner Kunstführer Nr. 1805). München 1990.
  • Hans Wilhelm Ehlen (Hrsg.): 500 Jahre Kirchturm St. Gangolf in Trier. Trier 2007.

Sebastian Schritt

 

Die ehemalige Markt- und jetzige St. Gangolfskirche besaß spätestens 1492 eine Orgel. aus diesem Jahr wissen wir von einer Stimmung. Als nächste Orgelnachricht lesen wir in der Orgelakte St. Gangolf im Bistumsarchiv Trier, dass 1609/10 ein Meister Nicolas und 1626 die „Orgelmacher von Nancy“ eine Orgel gereinigt und gestimmt haben. Der Erbauer dieses Werkes ist unbekannt, jedoch ist uns die ursprüngliche Disposition in einem Revisionsbericht von Orgelbauer Claus aus dem Jahre 1754 überliefert. Danach war es ein Instrument französisch – niederländischer Prägung. Disposition in separater Spalte.

Nachdem man am 6. März 1827 mit Franz Heinrich und Carl Stumm einen Neubauvertrag geschlossen hatte, brachen diese das alte Werk ab und bauten es in Neunkirchen (Kreis Birkenfeld) wieder auf, wo es nicht erhalten ist. Die neue Stumm-Orgel, ein zweimanualiges Instrument mit Hauptwerk, Positiv und Pedal im Barockstil, wurde am 8. Mai 1829 abgenommen. Die Disposition finden Sie rechts in der Spalte.

1897 bot die Pfarrgemeinde die Stumm-Orgel zum Verkauf an und schloss am 18. Februar 1898 einen Neubauvertrag mit der Firma Breidenfeld. Auch von dieser 1899 vollendeten Orgel kennen wir die Disposition. Sie finden sie ebenfalls rechts in der Spalte.

Da man in den 1950er Jahre eine neue Empore baute, wurde ein Teil der Breidenfeld-Orgel - und zwar die Register des I. Manuals und ein Pedalregister - hinter dem Pfeiler zwischen Hoch- und Marienaltar aufgestellt

Diese Nachkriegsorgel hatte folgende 13 Register, wobei für das Manual wohl lediglich die alte Hauptwerkslade verwendet wurde, die für 12 Register Platz hatte:
Bordun 16’
Prinzipal 8’
Rohrflöte 8‘
Gedackt 8‘
Salicional 8‘
Viola di Gamba 8’
Prinzipal 4’
Traversflöte 4‘
Rohrquinte 2 2/3‘
Prinzipal 2’
Mixtur 4-fach
Trompete 8’
Subbaß 16´ im Pedal, der nicht abschaltbar war.

Die Pfeifen der übrigen Register waren im Turmraum des 1. Stocks gelagert. Nachdem die Empore 1958/1959 wieder aufgebaut war, wurde die Teilorgel in diesem Turmraum aufgestellt. Über den Verbleib der Orgel, nachdem sie durch den Klais-Neubau abgelöst wurde, ist nichts bekannt. Die Firma Breidenfeld hatte in ihrer Firmengeschichte fast ausschließlich mechanische Orgeln gebaut. Möglicherweise war die Orgel in St. Gangolf eine von nur zwei pneumatischen Orgeln, die Breidenfeld errichtete. Die andere in dieser – damals modernen – Technik spielt heute noch im Originalzustand in Kirf bei Saarburg (1897, op. 91).

Die Hinweise auf die Breidenfeld-Orgel von St. Gangolf in der Nachkriegszeit verdanken wir Herrn Franz-Josef Rudolf aus Köln. Von 1953 bis 1962 war sein Vater Küster, Organist und Chorleiter an St. Gangolf; er selbst machte dort seine ersten Schritte im Orgelspiel. Der TRIERER ORGELPUNKT bedankt sich für die wertvollen Hinweise und für die beiden historischen Fotos.

Der Orgelneubau von 1972

1972 schließlich stellte die Firma Johannes Klais in St. Gangolf ein klanglich ausgezeichnetes Werk mit drei Manualen und Pedal auf der Westempore auf. Die 35 Register dieser am 22. Mai 1972 geweihten Orgel verteilen sich auf ein Rückpositiv im I. Manual, das Hauptwerk im II. Manual und ein als Schwellwerk konzipiertes Echowerk im III. Manual. Die in schlichten Holzschreinen untergebrachten Teilwerke zeichnen sich in der äußeren Prospektgliederung deutlich ab: rechts die großfüßigen Pfeifen des Pedalwerkes, links davon, übereinander angeordnet, Schwell- und Hauptwerk sowie das Rückpositiv auf der Emporenbrüstung.

Disposition der Klais-Orgel von 1972

I. Rückpositiv
1. Manual
C - g3

Holzgedackt 8’
Quintade 8’
Principal 4’
Spillflöte 4’
Flageolett 2’
Larigot 1 1/3’
Scharff 4f
Rankett 16’
Krummhorn 8’
-Tremulant-

II. Hauptwerk
2. Manual
C - g3

Bordun 16’
Principal 8’
Gemshorn 8’
Oktav 4’
Nachthorn 4’
Nasard 2 2/3’
Superoktav 2’
Terz 1 3/5’
Sifflet 1’
Mixtur 4f
Trompete 8’
Clairon 4’

III. Schwellwerk
3. Manual
C - g3
 
Rohrflöte 8’
Fernflöte 8’
Blockflöte 4’
Principal 2’
Cornett ab g, 3f
Vox humana 8’
-Tremulant-

Pedal
C - f1

Principal 16’
Subbaß 16’
Oktav 8’
Koppelflöte 8’
Superoktav 4’
Rauschpfeife 3f
Posaune 16’
Holztrompete 8’

 


Normalkoppeln,
sechs mechanische Setzerkombinationen.
Manualumfang: C - g’’’;
Pedalumfang: C - f.
Mechanische Spiel- und
elektrische Registertraktur.
Schleifladen.