St. Antonius am Viehmarkt

Spätestens seit dem 14. Jahrhundert besaß die heute untergegangene Pfarrkirche St. Marien zur Brücke innerhalb der Stadtmauern am Viehmarkt eine Kapelle, die den hl. Antonius und Hubertus geweiht war: die Keimzelle der heutigen Antoniuskirche. Urkundlich taucht diese Antoniuskirche erstmals im Jahre 1458 auf. Vermutlich stammt das quadratische östliche Joch des niedriegeren Schiffes aus dieser Zeit. 1476/77 wurde die Kapelle vergrößert: Drei Joche und der Turm wurden im Westen angefügt. Mit dieser Vergrößerung war vermutlich auch die Erhebung zur Pfarrkirche einhergegangen. Das heutige Hauptschiff entstand in einer zweiten Bauperiode ab etwa 1500. Weder Baubeginn noch Vollendung sind urkundlich faßbar. Zu vermuten ist jedoch, daß der Ausbau mit der Ersten Wallfahrt zum Heiligen Rock im Jahre 1512 zusammenhängt. In diesem asymetrischen zweischiffigen Zustand blieb die Kirche bis zum heutigen Tage erhalten. 1674 zerstörten die Franzosen das Innere der Kirche. Ab 1892 bis 1912 wurde die Kirche restauriert: Sie erhielt eine neugotische Ausstattung, eine neue Raumfassung und neue Fenster. Ein Luftangriff am 21. Dezember 1944 zerstörte all dies. Der Trierer Architekt Heinrich Otto Vogel übernahm die Leitung des Wiederaufbaus, der mit der Konsekration der Kirche am 22. Januar 1950 abgeschlossen war. Letztmals restauriert wurde die Kirche in den Jahren 1974/75. Von der Ausstattung besonders hervorzuheben sind das Epitaph des Bürgermeisters Schott (1607), der Maria-Himmelfahrt-Altar (1617) und die Kanzel von 1762, die aus der ehemaligen Trierer Dominikanerkirche stammt. Im Zuge der letzten Restaurierung schuf der Trierer Glasmaler Jakob Schwarzkopf die Verglasung der Kirche. Das Geläute der Kirche besteht aus vier Glocken mit der Schlagtonfolge b°-d'-f'-g'. Die drei großen wurden 1992 von der Eifeler Glockengießerei Hans August Mark in Brockscheid gegossen, die kleinste ist Rest des 1928 von Mabilon in Saarburg geschaffenen Geläutes.

Literatur:

- Hans-Walter Stork: Kath. Pfarrkirche St. Antonius Trier (Schnell, Kunstführer Nr. 1772). München 1989.
- Die Kirchlichen Denkmäler der Stadt Trier (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 13,III). Düsseldorf 1938; insbesondere S. 31-41.

Sebastian Schritt

Die Pfarrkirche St. Antonius zu Trier im Spiegel ihrer Orgeln

von Josef Steinruck und Christian Braun

Eine Urkunde über die Erhebung der Kirche St.Antonius zur Pfarrkirche hat es offenbar nie gegeben. Die Ursprünge der Pfarrei St. Antonius zu Trier liegen im Bereich der Barbara-Thermen südlich der Stadtmauern von Trier mit der Pfarrkirche St. Marien zur Brücke. 1368 wird eine Filialkirche „am Judenfriedhofe“ (in der Nähe der Jüdemer Straße) innerhalb der Stadtmauern erwähnt, die dem heiligen Einsiedler Antonius (S. Antonius Abbas oder Eremita) geweiht war und offenbar vor allem in Kriegszeiten als Rückzugskirche für die Pfarrei diente. Als um 1457 die Pfarrkirche St. Marien baufällig war, entschloss man sich, St. Antonius zur Pfarrkirche auszubauen. Seit 1476 nennen sich die Kirchenmeister [Kirchenrechner] nach der Antoniuskirche; seit 1480 wurde der größere Teil der Pfarrgottesdienste in St. Antonius gehalten. St. Marien zur Brücke sank zur Filialkirche der Pfarrei St. Antonius herab. Die geschehene Verlegung der Pfarrei von St. Marien nach St. Antonius wurde 1519 amtlich bestätigt (F. Pauly, S. 230).

Im Verlauf des Krieges zwischen Frankreich und den Spanischen Niederlanden (Belgien-Luxemburg) war Trier zwei Jahre von französischem Militär besetzt. General Vignory ließ 1674 die nördlichen und südlichen Vorstädte Triers sprengen und einebnen. Dabei wurde mit dem Vorort Barbeln auch die Kirche St. Marien zur Brücke dem Erdboden gleichgemacht; der Innenraum der Pfarrkirche St. Antonius wurde in diesem Krieg von französischem Militär verwüstet.
90 Jahre später wurden erneut umfassende Instandsetzungsarbeiten an und in der Pfarrkirche nötig. Im Zuge dieser Arbeiten ließ Pfarrer Johann Theodor Oehmbs (1764–1793) in seinen ersten Jahren die Orgel restaurieren. Die Anschaffung von fünf neuen Glocken im Jahre 1772 dürfte der krönende Abschluss der äußeren Erneuerung der Pfarrkirche gewesen sein.

Von einer Orgel ist in den Kirchenrechnungen der Pfarrei St. Antonius erstmals 1609 die Rede. 1610 wird die Orgel dann „auf dem neuen Chor“, vermutlich einer dafür erbauten Empore, von Meister Florens aufgebaut, der dafür 100 Gulden erhielt. Auch ein „Orgelist“ wird schon für 1609 erwähnt. Bei besonderen Gelegenheiten wurden aber eigens bestellte Organisten auch eigens entlohnt. Auch die Kosten für Pflege, Stimmen und Renovieren der Orgel tauchen im 17. Jahrhundert in den Kirchenrechnungen der Pfarrei auf.
Am 5. März 1711 wurde mit Zustimmung des Kirchenrats die Orgel von St. Martin – gemeint ist vermutlich die Trierer Benediktinerabtei St. Martin – für 130 Reichstaler (etwa 300 Gulden) gekauft, die wohl die bisherige Orgel ersetzte. Die Gesamtkosten dieser Orgel und ihrer Aufstellung beliefen sich für die Pfarrei auf 742 Gulden.
Die zahlreichen Quittungen über Arbeiten an der Orgel aus den Jahren 1764 und 1765 lassen wohl den Schluss zu, dass 1764 / 65 eine so umfassende Erneuerung und Veränderung der Orgel vorgenommen wurde, dass man fast von einer neuen Orgel sprechen kann. Der bisherige „Orgelkasten“, d. h. das Orgelgehäuse, wurde für 20 Reichstaler an die Jesuitenkirche verkauft. Die Beschaffung von Zinn, Blei und anderen Materialien deutet darauf hin, dass die Orgel um einige Register erweitert wurde. Für die so umgestaltete Orgel musste ein entsprechendes Orgelgehäuse angefertigt werden. Als Orgelbauer ist Roman Benedikt Nollet aus Trier angegeben, der für mehr als zwei Jahrzehnte auch die Pflege der Orgel übernahm. Pfarrer Johann Theodor Oehmbs bescheinigte dem „Orgelmacher“ Nollet sowohl 1765 als auch 1770 seine besondere Zufriedenheit mit der an der Orgel vorgenommenen Arbeit. Disposition der Orgel in der rechten Spalte

Als Organisten lassen sich für die Zeit um 1770 folgende Namen ermitteln: Peter Daniel Renner von 1763 bis 1764, der dann offenbar als Organist an den Trierer Dom wechselte, Konrad Arens von 1769 bis 1776 und Anton Glasner, der 1776 die Nachfolge des verstorbenen Arens antrat. Als jährliches Gehalt erhielt der Organist an St. Antonius damals 14 Reichstaler, zuzüglich 2 Reichstaler für das Stimmen der Orgelpfeifen.
Nachdem dem Orgelbauer Nollet am 19. Mai 1787 noch einmal 5 Reichstaler für die Reparatur der Orgel bewilligt worden waren, schweigen die Quellen über Zustand und Pflege der Orgel in den schwierigen Jahren der Besetzung des Trierer Landes durch die französischen Truppen und der Eingliederung in das revolutionäre und später napoleonische Frankreich. Erst in einem Vertrag vom 30. August 1827 zwischen dem Pfarrsend (Verwaltungsrat) von St. Antonius in Trier und Franz Heinrich Stumm, Orgelbauer zu Rhaunen-Sulzbach, ist wieder von der Orgel die Rede. Für 65 Taler und freie Kost und Logis während der Zeit der Arbeiten sollte die bekannte Orgelbaufirma aus dem Hunsrück die Orgel ausputzen, die Bälge neu einledern, die Pfeifen neu einstellen und insgesamt „die Orgel in einen brauchbaren Stand setzen“.
Als man sich 1859 in der Pfarrei St. Antonius zur Anschaffung einer neuen Orgel entschloss, sollte der Verkauf der bisherigen Orgel zur Deckung der Ausgaben für die neue Orgel beitragen. Pfarrer Georg Remlinger (1846–1861) entwarf im März 1861 folgenden Text für eine Anzeige zum Verkauf der Orgel:
„Die Orgel der Pfarrkirche St.Antonius ist käuflich zu haben. Sie hat 17 Züge, 14 Stimmen, worunter einige sehr gut und wohltönend, andere brauchbar. Das Gehäuse ist gut und elegant gebaut  – und ist die Orgel mit wenig Kosten selbst für eine größere Landkirche gut hinzustellen.“ (BATr, Abt. 71, Nr. 210, S. 51)
Nach dem Protokoll des Kirchenrates von St Antonius vom 15.Juli 1861 scheiterten alle Bemühungen, die alte Orgel zu einem angemessenen Preis zu verkaufen. Daher wurde sie mit Zustimmung des Generalvikariats vom 23. Juli 1861 für lediglich 200 Reichstaler an die Pfarrei St.Georg in Trier-Irsch verkauft, wo 1834 die Propsteischeune zur Pfarrkirche umgebaut worden war. Dort versieht diese barocke Orgel, deren Wert inzwischen von den Orgelsachverständigen wiederentdeckt wurde, noch immer ihren Dienst.

Die Prospektpfeifen aus Zinn mussten zwar 1917 an die Kriegsmetallsammelstelle abgegeben werden, wurden jedoch 1935 von Orgelbaumeister Peter Klein, Obersteinebach im Westerwald, erneuert. Der Orgelmeldebogen von 1944 beschreibt sie als Orgel aus dem 18. Jahrhundert mit einem Manual und Pedal. In den 1980er Jahren wurde das Instrument in Irsch von der Fa. Oberlinger restauriert.

Ob die 1840 geplante "Hauptreparatur" der Orgel von St. Antonius realisiert wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. Seit 1859 hatten Pfarrer und Verwaltungsrat sich offenbar zum Erwerb einer neuen Orgel entschlossen, zu deren Finanzierung eine Hauskollekte durchgeführt werden sollte. Dafür musste beim Oberpräsidenten der preußischen Rheinprovinz in Koblenz die Genehmigung eingeholt werden. Im Mai 1859 wurde diese mit dem Hinweis auf drohende Kriegsgefahr - vermutlich sind Befürchtungen wegen eines Einmarsches französischer Truppen im Zusammenhang mit der Luxemburgischen Frage bzw. im Vorfeld des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866 gemeint - und die damit auf die Bevölkerung zukommende Belastung zunächst verweigert, gegen Ende des Jahres dann aber doch erteilt. Die Spendenlisten liegen noch vor; die Hauskollekte brachte den stattlichen Betrag von 2.530 Reichstaler ein.

Der Orgelbauvertrag der Pfarrei St. Antonius mit der Firma Heinrich Wilhelm Breidenfeld in Trier vom 15. November 1860 wurde vom Generalvikariat Trier am 4. Januar 1861 genehmigt. Die neue Orgel sollte 14 Register im Manual und 6 Register im Pedal haben. Im Vertrag wird der Preis von 1.510 Taler genannt, der sich nur auf die Arbeit des Orgelbauers bezog. Anfang Oktober 1861 sollte die neue Orgel aufgestellt sein. Das Orgelgehäuse sollte laut Vertrag von der Pfarrgemeinde auf ihre Kosten geliefert werden. Für die Gestaltung des Orgelgehäuses und einer Emporenbühne gab Domkapitular Wilmowsky am 3. Februar 1861 seine Zustimmung. Nach Verkauf und Abbau der alten Orgel waren offensichtlich noch umfangreiche Maurer-, Steinmetz- und Schreinerarbeiten zu erledigen. Der von Pfarrer Remlinger, Baumeister Koenig und Schreinermeister Koch am 16. März 1861 unterschriebene Vertrag über die Errichtung der Orgelempore und den Bau des Orgelgehäuses benannte als Termin für die Fertigstellung den 15. September 1861. Der Kostenvoranschlag sah für die Maurer- und Steinmetzarbeiten 1.262 Reichstaler, für die Schreinerarbeiten 1.481 (Empore 522, Orgelgehäuse 959 Reichstaler) vor. Die Gesamtkosten der neuen Orgel mussten sich also auf über 4.250 Reichstaler belaufen. Pfarrer Remlinger sollte jedoch den Erfolg seiner Bemühungen nicht mehr erleben, er starb am 24. Mai 1861. In der Sitzung des Kirchenrats von St.Antonius am 28. Oktober 1861 unter dem Vorsitz des neuen Pfarrers Johann Graf (1861-1902) wurde zunächst festgestellt, dass die Hauskollekte und der Verkauf der alten Orgel zusammen einen Betrag von 2730 Reichstaler erbracht hatten. Daher wurde beschlossen, unabhängig von den Erträgen weiterer Sammlungen für die Orgel ein Darlehen von 1200 Reichstalern aufzunehmen, um die Gesamtkosten von über 4.000 Reichstalern begleichen zu können. Das Generalvikariat Trier gab am 12. November 1861 dazu die erbetene Zustimmung (BATr, Abt. 70, Nr. 6242). Die knapp bemessenen Termine für die Fertigstellung der Orgelempore und des Orgelgehäuses sowie der Aufstellung der neuen Orgel wurden offenbar eingehalten. Disposition der Orgel in der rechten Spalte

 

Die Firma Breidenfeld übernahm natürlich die Pflege und die turnusgemäße Reinigung der Orgel sowie das Stimmen der Zungenregister, zunächst unentgeltlich, ab Januar 1867 dann zu den Konditionen, die die Firma auch für die Domorgel und die Orgel in der Jesuitenkirche vereinbart hatte. Im September 1876 wurde von der Orgelbaufirma Gebrüder Breidenfeld der Kostenvoranschlag für eine Überholung der Orgel eingereicht. Das Pfeifenwerk sollte gereinigt, die Mechanik neu eingestellt und eine reichliche und konstante Luftzufuhr zu den Pfeifen geschaffen werden. Dadurch sollte der Klang der Orgel verbessert und zugleich die Ablagerung von Staub in der Orgel vermindert werden. Zur leichteren Bedienung des Gebläses sollten die bisher gebräuchlichen "Trittschuhe" durch neue Kalkantentritte am Blasebalg ("Balgclaves") ersetzt werden. Für die gesamten Arbeiten veranschlagte die Firma 225 Reichsmark. Ob diese Orgelreparatur durchgeführt wurde, ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Immerhin befand sich das Bistum Trier noch mitten im Kulturkampf. Viele Geistliche waren in Haft oder aus dem Bistum ausgewiesen; Bischof Matthias Eberhard, der 1874 fast zehn Monate im Trierer Gefängnis verbracht hatte, und dem nun seitens der preußischen Regierung die Amtsenthebung drohte, war am 30. Mai 1876 verstorben. Pfarrer Johann Graf von St. Antonius war zwar selbst nicht von staatlichen Sanktionen im Zusammenhang mit dem Kulturkampf betroffen, aber das kirchliche Leben war sicher auch in den Pfarreien der Stadt Trier beeinträchtigt.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert herrschten innenpolitisch wieder friedlichere Zeiten. Der wirtschaftliche Aufschwung im Kaiserreich ermöglichte auch den Pfarrgemeinden die Erfüllung mancher Wünsche. Vermutlich waren aber nicht nur der natürliche Verschleiß und technische Mängel, sondern veränderte Stil- und Geschmacksvorstellungen die eigentlichen Motive für die Pfarrei, durch einen gründlichen Umbau der Orgel an den Weiterentwicklungen im Orgelbau teilhaben zu wollen. Im Verlauf des Jahres 1900 wurde die Breidenfeld-Orgel von 1861 durch die Straßburger Orgelbaufirma Koulen erheblich verändert. Die Gesamtzahl der Register wurde nicht verändert; aber die Orgel erhielt nun ein zweites Manual mit sechs zum Teil neuen Registern. Die Pedalregister wurden fast völlig neu konzipiert. Zwei Register gestalte Koulen nach dem sog. Pariser System, das eine Pedalregister (Posaune 16') nach dem von ihm selbst entwickelten System. Es wurden zusätzliche Koppeln und zwei Schweller eingebaut. Vor allem aber dürfte durch die Umstellung auf die pneumatische Traktur der Klangcharakter der Orgel erheblich verändert worden sein. Die Kosten für diese "Modernisierung" der Orgel beliefen sich auf 5.015 Reichsmark.
Nicht nur die Kirchenglocken waren in den beiden Weltkriegen begehrte Objekte der Rüstungsindustrie. 1941 hatten die Pfarrer alle Metallgeräte (z. B. Leuchter) aufzulisten und zu melden. Im Mai 1944 wurde darüber hinaus eine Auflistung sämtlicher Orgeln angeordnet. Auf den Formularen der sog. Orgelmeldebögen wurde eine präzise Beschreibung der Ausstattung der Orgeln und ihres Zustandes gefordert. Zu einer kriegsbedingten Abgabe von Orgelpfeifen scheint es jedoch nicht mehr gekommen zu sein. Das Kriegsgeschehen selbst brachte das Ende für die Breidenfeld-Koulen-Orgel. Bei den schweren Angriffen der Alliierten auf Trier in den Tagen vom 21. bis 24. Dezember 1944 wurde auch die Pfarrkirche St. Antonius schwer getroffen. Die Orgel ist dabei völlig zerstört worden. Da alle Abbildungen des Inneren der Pfarrkirche St. Antonius aus der Zeit vor 1945 leider die Orgel ignorieren, kann über den Orgelprospekt und seine Wirkung im Kirchenraum keine Aussage gemacht werden. Disposition der Orgel in der rechten Spalte

 

Die Nachkriegszeit musste in St. Antonius mit Provisorien überbrückt werden, bis 1956 endlich eine neue Orgel angeschafft werden konnte. Die von der Firma Rohlfing in Natbergen bei Osnabrück für den Preis von 26.200 DM aufgestellte Orgel mit dem damals beliebten Freipfeifenprospekt umfasste 19 Register auf zwei Manualen und Pedal, dem Trend der Zeit entsprechend mit elektrischer Spiel- und Registertraktur. Disposition der Orgel in der rechten Spalte

Die Tzschöckel-Orgel von 1995

Aber diese am 8. Dezember 1956 eingeweihte Orgel war keine Lösung, die auf Dauer befriedigen konnte. Im Laufe der Jahre machten sich dann die Minderwertigkeit der Materialien und technische Mängel bemerkbar. Im Dezember 1989 empfahl daher Wolfgang Oehms, Trierer Domorganist und Orgelsachverständiger des Bistums, keine Gelder mehr "in die Renovation des minderwertigen Orgelwerkes" zu investieren, sondern den Bau einer völlig neuen Orgel anzustreben.

Pfarrer Ludwig Gödert und der Verwaltungsrat der Pfarrei folgten dieser Empfehlung. Die Konzeption der neuen Orgel wurde dem am 16.12.1991 neu angestellten Organisten Christian Braun übertragen; die neue Orgel sollte bewusst in die Neugestaltung des Innenraumes der Pfarrkirche St. Antonius eingebunden werden. Mit der Gründung des "Förderkreises Orgelbau" im Juni 1992 (Vorsitzender: Christian Braun) und den Aktionen dieses Vereins wurde das Interesse der Pfarreimitglieder und von Freunden der Kirchenmusik gewonnen. Mit dem Bau der neuen Orgel wurde der Orgelbauer Reinhart Tzschöckel in Althütte-Fautspach (Württemberg) beauftragt, der im Bistum Trier schon die Orgeln in der Stiftskirche in Kyllburg und in der Pfarrkirche von Reinsfeld gebaut hatte und nun mit der Orgel von St. Antonius sein Opus 300 ablieferte. Die intensive Zusammenarbeit zwischen dem Verwaltungsrat, dem Organisten, dem Orgelbauer und dem Architekten Peter van Stipelen erbrachte eine Lösung, die sowohl den architektonischen Besonderheiten der Kirche St. Antonius als auch den Leitlinien der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils gerecht wird.

Im Februar 1995 wurde die Rohlfing-Orgel abgebaut. Die Tzschöckel-Orgel, die am 3. Adventssonntag (17. Dezember) 1995 eingeweiht wurde, verfügt über 38 klingende Register auf drei Manualen und Pedal. Die Größe und Klanggestalt der Orgel war sowohl an den inzwischen veränderten Aufgaben in der Liturgie als auch an den den Anforderungen eines modernen Konzertinstruments ausgerichtet. Die Kosten der neuen Orgel beliefen sich auf 815.000 DM.

I. Hauptwerk
1. Manual
C - g3

Boudun 16'
Principal 8'
Spitzgambe 8'
Rohrgedeckt 8'
Oktave 4'
Gemshorn 4'
Quinte 2 2/3'
Superoktave 2'
Mixtur 4-fach 1 1/3'
Trompete 8'
Tremulant

 

II. Positiv
2. Manual
C - g3

Gedackt 8'
Principal 4'
Rohrflöte 4'
Blockflöte 2'
Nasat 2 2/3'
Terz 1 3/5'
Larigot 1 1/3'
Sifflöte 1'
Krummhorn 8'
Tremulant

 

III. Schwellwerk
3. Manual
C - g3

Geigenprincipal 8'
Holzflöte 8'
Salicional 8'
Vox coelestis 8'
Traversflöte 4'
Fugara 4'
Doublett 2'
Mixtur 4-fach 2 2/3'
Basson 16'
Hautbois 8'
Clairon 4'
Tremulant

 

Pedak
C - f'

Principal 16'
Oktave 8'
Subbaß 16'
Gedecktbaß 8'
Choralbaß 4'
Rauschpfeife 2'-1 1/3'
Posaune 16'
Trompete 8'

 

Spielhilfen

SW-HW, Pos-HW, SW-Pos, HW-P, Pos-P, SW-P, SW-P 4'
 

Quellen: Bistumsarchiv Trier: Abt. 70, Nr. 6242; Abt. 71, Nr. 210; Abt. 71,2  Nr. 539; Abt. 71,2, Nr. 0733; B III, 10,12  Bd. 4 und 5 (Orgelmeldebögen 1944).

Literatur: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 13 / III: Stadt Trier, Düsseldorf 1938 (ND Trier 1981), S. 31-41; Bd. 15 / II: Landkreis Trier, Düsseldorf 1936 (ND Trier 1981), S. 175. - Jakob Marx (Junior) und M. Schuler, Geschichte der Pfarreien in der Diözese Trier, Bd. II, Trier 1932, S. 119 ff. - Ferdinand Pauly, Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier, Bd. 16: Das Landkapitel Perl. Das Burdekanat Trier, Trier 1968. - Wolfgang Oehms, Eine alte Orgel wurde im Trierer Land neu entdeckt (Trier-Irsch), in: Kreis Trier-Saarburg, Jahrbuch 1979, S. 108-111. - (Festschrift) Orgeleinweihung in St. Antonius - Trier, 3. Advent 1995. - Franz Bösken, Hermann Fischer, Matthias Thömmes, Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins, Bd. 4 / II, Mainz-London 2005, S. 1028-1032.