Baugeschichte

Die Konstantin-Basilika Trier

Von der Kaiserresidenz zur Erlöserkirche

Blickt man von den Höhen auf Trier, bestimmt auch heute noch die ziegelrote kubische Form der römische Basilika, ehemals Herzstück des kaiserlichen Palastes das Stadtbild.

Tritt man an den Bau heran, erschließt sich einem die ganze Strenge und Wucht des Gebäudes. Eine mächtige Lisenengliederung in Kolossalordnung fasst die beiden Fenstergeschosse zusammen. Fassade und Eingangsseite liegen im Süden, der Bau endet im Norden in einer grossen Apside. Ein flachgeneigtes Satteldach deckt den nach strenger Geometrie entworfenen Baukörper.

Der konstantinische Palast überstand die Wirren der Jahrhunderte nicht unbeschadet, dennoch vermittelt der Bau einen Eindruck von der Monumentalität und Pracht der römischen Anlage. Über die Jahrhunderte als Trutzburg, erzbischöfliche Residenz und Militärdepot genutzt, dient die Basilika heute dem Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde.

Die römische Kaiserresidenz

Nachdem Trier Ende des 3. Jahrhunderts zur Residenzstadt der römischen Westkaiser wurde, begann man um 305 mit dem Bau einer umfangreichen Palastanlage. Kernstück der Anlage war eine einschiffige, rechteckige Halle mit einer halbkreisförmigen Apsis an der nördlichen Stirnwand. Die Aula war durch eine querliegende, etwa 67 Meter breite Vorhalle zu betreten. An die Längsseiten schlossen gepflasterte Höfe an, die durch Säulenhallen eingefaßt waren. Reste einer Wandelhalle, die einen vor der Querbau liegenden Platz flankierte, wurden ergraben, ebenso ein vorkonstantinischer Kryptoportikus.

Die Aula mißt in der Länge 71 Meter und in der Breite 32 Meter bei einer Höhe von mindestens 30 Metern. Die stellenweise über drei Meter starken Wände aus Ziegelmauerwerk waren außen mit einem weißen Verputz versehen. Zwei Reihen von Rundbogenfenstern gliedern den Bau. Unterhalb der Fenster verliefen in der Antike hölzerne Galerien, die durch Treppentürme beidseitig der Apsis zu erreichen waren. Im Inneren waren Fußböden und Wände bis zum oberen Fenstergeschoß mit Marmor ausgekleidet, Apsis und Nischen mit Mosaiken versehen. Den Bau überspannte eine stützenlose hölzerne Flachdecke. Der riesige Raum wurde mittels einer Hypokaustenheizung geheizt, die den gesamten Fußboden und die Wände bis zu einer Höhe von acht Metern erwärmte.

Bereits Ende des 4. Jahrhunderts nahm Triers Bedeutung als römische Regierungszentrum ab. Im 5. Jahrhundert fiel die Stadt den Franken in die Hände, das Palatium wurde Sitz der fränkischen Gaugrafen. Die in den kriegerischen Auseinandersetzungen schwer beschädigte Aula wurde zu einem burgähnlichen Bau umgebaut. Die Fenster wurden vermauert, das Innere gestaltete man als Hof mit entsprechenden Einbauten.

Das Palatium als mittelalterliche Pfalz

Im 10. Jahrhundert ging das Palatium in den Besitz des Trierer Erzbischofs über, aber erst unter Johann I. (1190-1210) wohnte der Bischof auch dort. Eine Zeichnung Alexander Wiltheims zeigt den baulichen Zustand der Basilika um 1610: eine gewaltige, zinnenbewehrte Trutzburg. 

Kurfürst Lothar von Metternich (1599-1623) erbaute eine neue vierflügelige Residenz nach den Entwürfen des Straßburgers Georg Riedlinger. Teile der römischen Aula sollten in den Bau einbezogen werden. Dazu riß man die Ostwand und den größten Teil der Südwand ab, wie auch alle mittelalterlichen Einbauten. Um 1649 wurde durch Matthias Staudt ein Archiv- und Kanzleigebäude an der nordwestlichen Ecke der Schloßanlage gebaut, der sogenannte Rote Turm, der heute der evangelischen Gemeinde als Glockenturm dient. 

Johann Philipp von Walderdorf (1756-1768) beauftragte den Hofbaumeister Johannes Seitz mit dem Neubau des Südflügels des kurfürstlichen Schlosses. Die bis dahin noch erhaltenen Teile des römischen Baus blieben von den Umbaumaßnahmen weitgehend unberührt.


Umbau der Palastaula zur evangelische Kirche

Nach Plünderungen durch französische Revolutionstruppen 1794 wurde die Palastaula als Militärlazarett genutzt und später als Kaserne eingerichtet. 1835 schenkte die Stadt Trier die Reste des antiken Baus dem preußischen Kronprinzen und späterem König Friedrich Wilhelm IV. Auf Anregung des Trierer Architekten Christoph Wilhelm Schmidt verfügte Friedrich Wilhelm1844, daß die "Basilika" in ihrer ursprünglichen Form und Stilreinheit wieder aufzubauen sei, um der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus zu dienen. Ost- und Südwand wurden rekonstruiert, nichtrömische Einbauten entfernt. Die Innenwände wurden mit schlichtem, den "antiken" Marmorinkrustationen nachgebildeten Stuck getäfelt. Der offene Dachstuhl ließ den Blick auf den Giebel frei. Eine Empore an der Südseite trug die Orgel der Firma Adolph Ibach & Söhne, Barmen. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Nischen mit überlebensgroßen Marmorfiguren bestückt. Die feierliche Einweihung der "Constantinischen Basilika zum Erlöser" fand nach zwölfjähriger Bautätigkeit am 28. September 1856 statt.

Wiederaufbau nach 1945

Durch einen Luftangriff der Alliierten am 14. August 1944 wurde die Basilika schwer beschädigt. Die Kirche brannte vollständig aus. Nach längeren Diskussionen entschied man sich für den - 1956 weitgehend abgeschlossenen - Wiederaufbau der Ruine im Stil der römischen Palastaula. Fenster und Nischen wurden - soweit rekonstruierbar - auf die römischen Ausmaße abgeändert. Die Wände beließ man im Rohzustand, so daß heute das römische (und spätere) Mauerwerk zu sehen ist. Das Glas der Fenster ist dem antiken, diffuses Licht spendenden Glas nachempfunden. Der Fußboden ist mit gelben Sandsteinplatten ausgelegt. Raumbestimmend ist die monumentale Kasettendecke. Die Kasetten aus Fichtenholz, an einer Spannbetonkonstruktion aufgehängt, tragen wesentlich zur Gliederung und Erfaßbarkeit des monumentalen Raumes bei. 

Der Taufort ist nahe dem südlichen Eingang. Ein antikes Kapitell trägt eine bronzene Schale des Künstlers Eugen Keller, der ebenfalls das den Jordan symbolisierende Mosaik rund um den Taufstein gestaltet hat. Auf dem Tischaltar in der Apsis steht ein Kruzifix, ein Werk des Baseler Bildhauers Albert Schilling. Links neben dem Altar befindet sich die mit Mosaiken von Keller geschmückte Kanzel. Die Orgel, 1962 von der Berliner Firma Schuke erbaut, erhielt ihren Platz in einer römischen Fensteröffnung der Südwand. 

Der Basilika-Vorplatz wurde um einige Meter abgesenkt, so daß der heutige Betrachter die antike Palastaula von römischem Niveau aus betrachten kann.

Edith Hein

Das Geläut der Basilika hängt im benachbarten sog. Roten Turm, dem ehem. Archivgebäude der erzbischöflichen Verwaltung. Dort wurde nach dem Krieg in der Laterne eine Glockenstube eingerichtet, die heute ein sechsstimmiges Geläut beherbergt. Die Schlagtonfolge ist dabei einzigartig in Deutschland. Sie lautet e'-gis'-a'-h'-d''-e''. Bei der zweitgrößten Glocke in gis' handelt es sich um eine der beiden ursprünglichen Glocken, die 1931 von Schilling in Apolda gegossen worden waren und die den Krieg überlebt hat. Die übrigen fünf wurden 1965 von der Glockengießerei Rincker im hessischen Sinn gegossen.

Sebastian Schritt

Literatur: Zahn, Eberhard: Die Basilika in Trier, Trier 1990