Jesuitenkirche

Die heutige Jesuitenkirche, auch Seminar- oder Dreifaltigkeitskirche genannt, war ursprünglich die Kirche der Franziskaner-Minoriten. Kloster und Kirche werden 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Diese erste Kirche bestand aus einem einschiffigen Langhaus und einem vierjochigen Langchor (Mönchschor), der - im Gegensatz zum flachgedeckten Schiff - bereits eingewölbt war. Ein aufwendig gearbeites Portal mit darüber liegendem großen Maßwerkfenster zeichnen die Westfassade aus. Bereits vor 1320 wurden im Inneren Stützpfeiler eingezogen, die auf Pläne zur Einwölbung des Kirchenschiffes schließen lassen. Um 1320 wurde mit der Errichtung des nördlichen Seitenschiffes begonnen. Die alte Nordwand wurde abgebrochen, Rundpfeiler trennen seither Haupt- und Seitenschiff.

1570 wurde die Kirche den Jesuiten übergeben. Zeitnah mit der Errichtung des Kolleggebäudes in den Jahren 1610-1614 wurde eine Krypta gebaut, die den Jesuiten als Begräbnisstätte dienen sollte. Dort ist der 1635 verstorbene Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld beigesetzt.  Nach dem Abbruch des Kreuzgangs begann man 1739 mit dem Bau des südlichen Seitenschiffes. Pfeiler, Wandgliederung und Kreuzrippengewölbe wurden an das Bestehende angepasst, so dass ein architektonisch einheitlicher Raum entstand. Dieses südliche Seitenschiff zählt zu den ganz frühen quasi „neugotischen“ Architekturen. Nicht gotisch, sondern zeitgemäß barock sind hingegen die fast zeitgleich (1740-1743) errichteten beiden Seitenchöre. Damit hatte der Bau sein heutiges Format erhalten.

Nach Aufhebung des Jesuitenordens wurde die Kirche 1779 dem Priesterseminar übereignet. 1794 durch französische Revolutionstruppen stark beschädigt und später als Weinlager genutzt, kam es 1798 zur endgültigen Profanisierung des Gotteshauses. Bereits 1803 wurde die Dreifaltigkeitskirche wieder katholisches Gotteshaus und kam 1805 an das Priesterseminar zurück. 1819 wurde die Kirche den Protestanten, die bislang über kein eigenes Gotteshaus in Trier verfügten, zur Verfügung gestellt. Nach heftigen Debatten fiel sie 1857 an das Priesterseminar zurück.

Die letzte große Restaurierung erfolgte von 1988 bis 1993. Der Altarraum wurde umgestaltet, die liturgische Ausstattung erneuert. Die farbliche Gestaltung greift, soweit dies rekonstruierbar war, auf historische Vorbilder zurück. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Emporengeschoß des nördlichen Nebenchores wurde nicht wieder aufgebaut.

Literatur:
Michael Embach (Hrsg.): Kontinuität und Wandel. 750 Jahre Kirche des Bischöflichen Priesterseminars Trier. Trier 1993.

Klais-Orgel der Jesuitenkirche

I. Rückpositiv
1. Manual
C - g3

Hohlpfeife 8‘
Flaut travers (Disk.) 8'
Praestant 4'
Rohrflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Larigot 1 1/3'
Scharff 3-fach
Cromorne 8'
Tremulant

II. Hauptwerk
2. Manual
C - g3

Bordun 16'
Praestant 8'
Rohrflöte 8'
Salicional 8'
Octave 4'
Blockflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Superoctave 2'
Mixtur 4-fach
Cornet 4-fach
Trompette 8'

Pedal
C - f1

Subbaß 16'
Principalbaß 8'
Gemshorn 8'
Tenoroctave 4'
Posaune 16'
Trompete 8'


Normalkoppeln
elektronischer Setzer
Manualumfang C - g''',
Pedalumfang C - f'
Schleifladen
mechanische Spieltraktur,
elektrische Registertraktur