Kein Tach ohne Bach

Als großer Kirchenmusikliebhaber schrieb Dr. Reinhard Marx zu Beginn seines Trierer Episkopats für den Trierer Orgelpunkt den Artikel "Kein Tach ohne Bach":

„Zum ersten Mal habe ich mich intensiv mit Johann Sebastian Bach in der Schule beschäftigt. Seitdem gehört seine Musik zu den ganz wichtigen Bezugspunkten meines Lebens. Es begann mit dem Weihnachtsoratorium und der Arie „Bereite dich, Zion“, die mich unmittelbar berührt hat und die ich schon als Schüler für mich allein immer wieder gesungen habe.

Im Priesterseminar hatten wir natürlich zur damaligen Zeit keine Schallplattenspieler oder Tonbandgeräte auf unseren Zimmern, aber wir hatten großartige Organisten. Im Haus und im Dom begann die Adventszeit oft mit dem Choralvorspiel zu „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Sobald ich es mir als junger Vikar erlauben konnte, habe ich mir natürlich eine Plattensammlung zugelegt, die mittlerweile durch die Veränderung der Technik irgendwo in Kisten lagert. Ich habe mich zunächst immer wieder beschäftigt mit der Johannespassion, der Matthäuspassion und dem Weihnachtsoratorium und bin dann langsam vorgestoßen zum großen Kantatenwerk, das ich, nachdem die CD-Technik eingeführt war, in verschiedenen Interpretationen besitze: die immer noch „klassische“ Interpretation von Karl Richter, dann die für mich überraschende und begeisternde von Nikolaus Harnoncourt und schließlich die Gesamtausgabe von Helmut Rilling.
 

Ich bleibe neugierig auf neue Wege Bach zu interpretieren, die es ja immer wieder gibt. Es bestätigt meine Erfahrung, dass man von der Bach'schen Musik nie gelangweilt wird, sondern immer Neues entdeckt.
 

Ob man Bach den „fünften Evangelisten“ nennen darf, sei einmal dahingestellt, aber er schließt die Botschaft des Glaubens in einer musikalisch und geistlichen Weise auf wie kein anderer. Seine Musik bereichert mein Leben sehr. Als ich Weihbischof in Paderborn war, habe ich darin auf eigene Kosten sofort einen CD-Player ins Auto einbauen lassen, um bei den vielen Fahrten auf Bach nicht verzichten zu müssen. Und so ist es auch in Trier geblieben. Leider habe ich seit meiner Schulzeit die Geige, die ich einmal - nicht besonders gut - gespielt habe, nie wieder angefasst, so dass es beim Hören der Bach'schen Musik bleiben muss. Allerdings singe ich gerne mit. Es klappt nicht immer, aber prinzipiell bleibt es bei meiner Devise: Kein Tach ohne Bach!“

 

Dr. Reinhard Marx