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Trierer Kirchen: Welschnonnenirche
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Welschnonnenkirche
(Flanderstraße)
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ORGEL
Historische Stumm-Orgel aus
dem Jahr 1757.
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Die Welschnonnenkirche Maria
Himmelfahrt zu Trier hat ihren Namen nach den Augustinerinnen aus Lothringen,
den Welschen Nonnen, die vom hl. Pierre Fourier
gegründet wurden. Dem
Orden obliegt der Unterricht von Mädchen und jungen Frauen
und die Pflege sozialer
Aufgaben. Die Kirche liegt mitsamt den ehemaligen Schul-
und Klostergebäuden
an der Flanderstraße, am nördlichen Rand der Domimmunität.
Der einfache, durch Strebepfeiler
gegliederte Baukörper mit seinem steilen, zur
Straße gewendeten
Giebel, dem mächtigen Schiefersatteldach und dem zierlichen
Dachreiter mit welscher
Haube bestimmen das Viertel. Die Windfahne hat den Umriß
eines Mädels, das seine
Arme ausstreckt. - Nachdem bereits 1640 die
lothringischen Schulschwestern
nach Trier gekommen waren und man 1713 mit dem Bau eines Schul- und Pensionatsgebäudes
begonnen hatte, konnte 1714 der Grundstein zur Kirche gelegt werden. 1716
wurde sie konsekriert. - Die Welschen Nonnen überstanden die Klosterauflösungen
im Gefolge der französischen Revolution, da sie als Schulschwestern
einem nützlichen Zweck dienten. Erst die Preußen haben
sie 1875 im Kulturkampf
verjagt.

Die Welschnonnenkirche ist
in den schweren und einfachen Formen des Hochbarock
erbaut. Der entwerfende
Architekt ist nicht zu ermitteln. Es handelt sich um
einen einfachen fünfjochigen
Saalraum mit schmalen Wandpfeilern, Gurtbögen und
Kreuzgratgewölben und
geradem Chorschluss. Eine von Säulen getragene Nonnenempore nimmt
fast die westliche Hälfte des Schiffes ein. Auf ihr befindet sich
hinter der Orgel der Nonnenchor mit seinen Stallien.
Die reiche Ausstattung ist
erhalten. Die Seitenaltäre des 17. Jahrhunderts
entstammen einer älteren
Kirche. Das barocke Hochaltarretabel bedeckt fast die
ganze Fläche der Stirnwand.
Es ist eine vorzügliche Arbeit in furniertem Holz.
Das Altarblatt von Counet
stellt die Aufnahme Marias in den Himmel dar. Zwischen
den Säulen rechts und
links stehen lebensgroße und qualitätvolle Figuren des hl.
Pierre Fourier und des hl.
Augustinus.
Hinter dem Hochaltar steigt
man über eine Wendeltreppe zum reich mit Stallien
ausgestatteten Kapitelsaal
empor; die Sakristeien befinden sich im Erdgeschoß.
Besonderes Schmuckstück
der Kirche ist die Orgel der Gebrüder Stumm von 1757. Es ist die einzige
in Trier erhaltene Stumm-Orgel. Nach Aufhebung von Kloster und
Klosterschule in Folge der
Säkularisation diente die Kirche nach dem Zweiten
Weltkrieg der Pfarrgemeinde
Unserer Lieben Frauen und St. Laurentius (Liebfrauen)
als Ausweichkirche.
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Manualumfang
C-c3 ohne Cs
Pedalumfang C-d° ohne
Cs
angehängtes Pedal ohne
eigene Register
Principal 4’ (alle
Pfeifen im Prospekt)
Hohlpfeif 8’
Flöt 4’ B/D
Octav 2’ B/D
Quint 3’ B/D
Terz 1 3/5’
Mixtur 3f.
Cornet 4f. D
Flöt travers 8’
D
Trompete 8’ B/D
Vox humana 8’ B/D
(Tremulant)
Originalzustand
vermutlich bis zum Umbau im 19. Jahrhundert
Disposition
lt. Vertrag 1754
11
Register; 17 Züge |
| Disposition
19. Jahrhundert bis 1957 |
Umfänge
Manual C-c3, Pedal C-d°, aber jeweils mit Zusatzlade für Töne
Cs.
Die Orgel ist an die Seite
versetzt.
Als Urheber des Umbaus vermutet
Dr. Bösken den Trierer Orgelbauer Breidenfeld.
(Principal 4’ vakant, wahrscheinlich
1917 zwangsabgeliefert)
Hohlpfeif 8’ alt;
neuer Name „Gedackt“
Flöt 4’ alt;
B/D
Octav 2’ alt; B/D
Quint 3’ alt; B/D
(Terz 1 3/5’ vakant)
Mixtur 3f. teilweise
alt
(Cornet 4f. vakant; Pfeifen
teilweise bei Mixtur verwendet)
Bordun 16‘ neu
(Trompete 8’ vakant,
vermutlich im 19. Jh. eingebautes „Clarino“ ist 1955 wieder entfernt)
Salizional 8‘
Principal 8‘
(Tremulant)
Umbau
im 19. Jahrhundert bis Restaurierung 1957.
Untersuchung
Dr. Bösken 1955
8
Register; 11 Züge |
| Disposition
seit Restaurierung 1957/58 |
|
Nach Plänen von Domkapellmeister Dr. Paul Schuh und dem Orgelsachverständigen Prof. Bösken machte die Orgelbaufirma Oberlinger in den Jahren 1957/58 einen erheblichen Umbau der Orgel.
I.
Manual
Manualumfang C-g3
Principal 4’ (rekonstruiert;
Prospekt + 5 Innenpfeifen)
Hohlpfeif 8’ (Stumm)
Flöt 4’ B/D
(Stumm)
Octav 2’ B/D (Stumm)
Quint 3’ (Stumm;
Keine B/D- Teilung mehr)
Terz 1 3/5’ rekonstruiert
aus alten Pfeifen
Mixtur rekonstruiert,
nun 4f.
Cornet 4f. D rekonstruiert;
4‘-Chor und 2 2/3‘-Chor
Stumm
Flöt travers 8’
D
rekonstruiert
Trompete 8’ B/D
rekonstruiert
Vox humana 8’ B/D
rekonstruiert
Principal 8‘
(Tremulant)
II. Manual
Gedackt 8'
Rohrflöte 4'
Principal 2'
Quinte 1 1/3'
Cymbel 4f.
Krummhorn 8'
(Tremulant)
PEDAL
Subbaß 16'
Gedacktbaß 8'
Oktavbaß 8'
Choralbaß 4'
Mixturbaß 4f.
Posaune 16'
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Quellen:
Bösken, Untersuchung Still 1996/97
24
Register; 30 Züge, 3 Koppeltritte |
Durch den Umbau ergab sich ein unschönes Missverhältnis zwischen dem zierlichen, reich verzierten Prospekt und der nun entstandenen Gehäusetiefe von 3,78 Metern. Der einzigartige Emporenraum mit seinem wertvollen Chorgestühl wurde dadurch so gut wie unbenutzbar. Damit die mehr als doppelt so groß gewordene Orgel den Raum durch ihre Lautstärke nicht erdrückte, setzte man den Winddruck herab und intonierte alle Register leiser. Der typische Stumm-Klang war dahin.
Die Rekonstruktion im Jahre 2006
Heute sieht die Trierer Orgellandschaft völlig anders aus als 1958. Damals hatte man in der Welschnonnenkirche eine mechanische Orgel zu Unterrichtszwecken geschaffen; die praktische Verwendungsmöglichkeit als Konzert-, Unterrichts- und Übungsinstrument überwog gegenüber dem Denkmalcharakter.
Seither sind große Universalorgeln, wertvolle neobarocke mechanische Werke und französisch-symphonische Instrumente entstanden, die gute Möglichkeiten bieten, die Musik aller Epochen stilrichtig aufführen zu können. Orgeln des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden mittlerweile gut restauriert.
Die Auffassung, dass die Welschnonnenorgel in ihrer ursprünglichen kleinen Gestalt die Trierer Orgellandschaft mehr bereichern könne als in ihrem spieltechnisch genormten und klanglich langweiligen Zustand von 1958, setzte sich allmählich durch. Neue Stumm-Restaurierungen etwa in Rhaunen, Bendorf-Sayn und Herrstein zeigen, dass der heutige Orgelbau, die Orgelforschung und die Orgeldenkmalpflege in der Lage sind, die barocken Bau- und Klangvorstellungen zu verstehen und den wertvollen Orgeln ihren eigentlichen Charakter zurückzugeben.
Die Orgel wurde 2006 durch die Meisterwerkstatt Rainer Müller wieder in ihre alte seitliche Position gebracht. Das zweite Manualwerk und das Pedalwerk wurden entfernt.
Die ursprüngliche rekonstruierte Disposition der Trierer Welschnonnenorgel lautet nun wieder:
| Disposition
seit Restaurierung 2007 |
Montre 4’
Bourdon 8’
Flute traversière 8’ Diskant
Flutte 4’ Bass/Diskant
Quinte 3’ Bass/Diskant
Octave 2’ Bass/Diskant
Tièrce 1 ½‘
Mixture 3f.
Cornet 4f. 4‘ Diskant
Trompette 8’ Bass/Diskant
Voix humaine 8’ Bass/Diskant
Tremblant
Bass-Diskantteilung zwischen h° und c’
Manualumfang C-c’’’ ohne Cs,
Pedalumfang C-d° ohne Cs.
Angehängtes Pedal ohne eigene Register.
Temperatur „Neidhard für ein Dorf, 1732“.
Stumm’scher „Chorton“: 427 Hz bei 16°C.
Winddruck 73 mm Wassersäule
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Franz Ronig
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