Trierer Kirchen: Welschnonnenirche - Orgelpunkt Trier: Orgel - und Chor - Musik an Dom und weiteren Trierer Kirchen. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 09.03.2011 19:53:43

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Trierer Kirchen: Welschnonnenirche

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Welschnonnenkirche (Flanderstraße) 
  
Foto: Rita Heyen ORGEL

Historische Stumm-Orgel aus dem Jahr 1757.

Die Welschnonnenkirche Maria Himmelfahrt zu Trier hat ihren Namen nach den Augustinerinnen aus Lothringen, den Welschen Nonnen, die vom hl. Pierre Fourier 
gegründet wurden. Dem Orden obliegt der Unterricht von Mädchen und jungen Frauen
und die Pflege sozialer Aufgaben. Die Kirche liegt mitsamt den ehemaligen Schul- 
und Klostergebäuden an der Flanderstraße, am nördlichen Rand der Domimmunität. 
Der einfache, durch Strebepfeiler gegliederte Baukörper mit seinem steilen, zur 
Straße gewendeten Giebel, dem mächtigen Schiefersatteldach und dem zierlichen 
Dachreiter mit welscher Haube bestimmen das Viertel. Die Windfahne hat den Umriß 
eines Mädels, das seine Arme ausstreckt. - Nachdem bereits 1640 die 
lothringischen Schulschwestern nach Trier gekommen waren und man 1713 mit dem Bau eines Schul- und Pensionatsgebäudes begonnen hatte, konnte 1714 der Grundstein zur Kirche gelegt werden. 1716 wurde sie konsekriert. - Die Welschen Nonnen überstanden die Klosterauflösungen im Gefolge der französischen Revolution, da sie als Schulschwestern einem nützlichen Zweck dienten. Erst die Preußen haben
sie 1875 im Kulturkampf verjagt.

Die Welschnonnenkirche ist in den schweren und einfachen Formen des Hochbarock 
erbaut. Der entwerfende Architekt ist nicht zu ermitteln. Es handelt sich um 
einen einfachen fünfjochigen Saalraum mit schmalen Wandpfeilern, Gurtbögen und 
Kreuzgratgewölben und geradem Chorschluss. Eine von Säulen getragene Nonnenempore nimmt fast die westliche Hälfte des Schiffes ein. Auf ihr befindet sich hinter der Orgel der Nonnenchor mit seinen Stallien.

Die reiche Ausstattung ist erhalten. Die Seitenaltäre des 17. Jahrhunderts 
entstammen einer älteren Kirche. Das barocke Hochaltarretabel bedeckt fast die 
ganze Fläche der Stirnwand. Es ist eine vorzügliche Arbeit in furniertem Holz. 
Das Altarblatt von Counet stellt die Aufnahme Marias in den Himmel dar. Zwischen 
den Säulen rechts und links stehen lebensgroße und qualitätvolle Figuren des hl. 
Pierre Fourier und des hl. Augustinus.

Hinter dem Hochaltar steigt man über eine Wendeltreppe zum reich mit Stallien 
ausgestatteten Kapitelsaal empor; die Sakristeien befinden sich im Erdgeschoß.

Besonderes Schmuckstück der Kirche ist die Orgel der Gebrüder Stumm von 1757. Es ist die einzige in Trier erhaltene Stumm-Orgel. Nach Aufhebung von Kloster und 
Klosterschule in Folge der Säkularisation diente die Kirche nach dem Zweiten 
Weltkrieg der Pfarrgemeinde Unserer Lieben Frauen und St. Laurentius (Liebfrauen) 
als Ausweichkirche.


 
Disposition 1757
Manualumfang C-c3 ohne Cs
Pedalumfang C-d° ohne Cs 
angehängtes Pedal ohne eigene Register

Principal 4’ (alle Pfeifen im Prospekt)
Hohlpfeif 8’
Flöt 4’ B/D
Octav 2’ B/D
Quint 3’ B/D
Terz 1 3/5’
Mixtur 3f.
Cornet 4f. D
Flöt travers 8’ D
Trompete 8’ B/D
Vox humana 8’ B/D
(Tremulant)

Originalzustand vermutlich bis zum Umbau im 19. Jahrhundert
Disposition lt. Vertrag 1754
11 Register; 17 Züge


 
Disposition 19. Jahrhundert bis 1957
Umfänge Manual C-c3, Pedal C-d°, aber jeweils mit Zusatzlade für Töne Cs.
Die Orgel ist an die Seite versetzt.
Als Urheber des Umbaus vermutet Dr. Bösken den Trierer Orgelbauer Breidenfeld.

(Principal 4’ vakant, wahrscheinlich 1917 zwangsabgeliefert)
Hohlpfeif 8’ alt; neuer Name „Gedackt“
Flöt 4’ alt; B/D
Octav 2’ alt; B/D
Quint 3’ alt; B/D
(Terz 1 3/5’ vakant)
Mixtur 3f. teilweise alt
(Cornet 4f. vakant; Pfeifen teilweise bei Mixtur verwendet)
Bordun 16‘ neu
(Trompete 8’  vakant, vermutlich im 19. Jh. eingebautes „Clarino“ ist 1955 wieder entfernt)
Salizional 8‘
Principal 8‘
(Tremulant)

Umbau im 19. Jahrhundert bis Restaurierung 1957.
Untersuchung Dr. Bösken 1955
8 Register; 11 Züge


 
Disposition seit Restaurierung 1957/58

Nach Plänen von Domkapellmeister Dr. Paul Schuh und dem Orgelsachverständigen Prof. Bösken machte die Orgelbaufirma Oberlinger in den Jahren 1957/58 einen erheblichen Umbau der Orgel.

I. Manual
Manualumfang C-g3

Principal 4’ (rekonstruiert; Prospekt + 5 Innenpfeifen)
Hohlpfeif 8’ (Stumm)
Flöt 4’ B/D (Stumm)
Octav 2’ B/D (Stumm) 
Quint 3’ (Stumm; Keine B/D- Teilung mehr)
Terz 1 3/5’ rekonstruiert aus alten Pfeifen
Mixtur rekonstruiert, nun 4f.
Cornet 4f. D rekonstruiert; 
4‘-Chor und 2 2/3‘-Chor Stumm 
Flöt travers 8’ D  rekonstruiert
Trompete 8’ B/D      rekonstruiert
Vox humana 8’ B/D    rekonstruiert
Principal 8‘
(Tremulant)

II. Manual

Gedackt 8' 
Rohrflöte 4' 
Principal 2' 
Quinte 1 1/3' 
Cymbel 4f. 
Krummhorn 8' 
(Tremulant)

PEDAL

Subbaß 16' 
Gedacktbaß 8' 
Oktavbaß 8' 
Choralbaß 4' 
Mixturbaß 4f. 
Posaune 16' 
 

Quellen: Bösken, Untersuchung Still 1996/97
24 Register; 30 Züge, 3 Koppeltritte 

Durch den Umbau ergab sich ein unschönes Missverhältnis zwischen dem zierlichen, reich verzierten Prospekt und der nun entstandenen Gehäusetiefe von 3,78 Metern. Der einzigartige Emporenraum mit seinem wertvollen Chorgestühl wurde dadurch so gut wie unbenutzbar. Damit die mehr als doppelt so groß gewordene Orgel den Raum durch ihre Lautstärke nicht erdrückte, setzte man den Winddruck herab und intonierte alle Register leiser. Der typische Stumm-Klang war dahin.

Die Rekonstruktion im Jahre 2006

Heute sieht die Trierer Orgellandschaft völlig anders aus als 1958. Damals hatte man in der Welschnonnenkirche eine mechanische Orgel zu Unterrichtszwecken geschaffen; die praktische Verwendungsmöglichkeit als Konzert-, Unterrichts- und Übungsinstrument überwog gegenüber dem Denkmalcharakter. Seither sind große Universalorgeln, wertvolle neobarocke mechanische Werke und französisch-symphonische Instrumente entstanden, die gute Möglichkeiten bieten, die Musik aller Epochen stilrichtig aufführen zu können. Orgeln des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden mittlerweile gut restauriert.

Die Auffassung, dass die Welschnonnenorgel in ihrer ursprünglichen kleinen Gestalt die Trierer Orgellandschaft mehr bereichern könne als in ihrem spieltechnisch genormten und klanglich langweiligen Zustand von 1958, setzte sich allmählich durch. Neue Stumm-Restaurierungen etwa in Rhaunen, Bendorf-Sayn und Herrstein zeigen, dass der heutige Orgelbau, die Orgelforschung und die Orgeldenkmalpflege in der Lage sind, die barocken Bau- und Klangvorstellungen zu verstehen und den wertvollen Orgeln ihren eigentlichen Charakter zurückzugeben.

Die Orgel wurde 2006 durch die Meisterwerkstatt Rainer Müller wieder in ihre alte seitliche Position gebracht. Das zweite Manualwerk und das Pedalwerk wurden entfernt.

Die ursprüngliche rekonstruierte Disposition der Trierer Welschnonnenorgel lautet nun wieder:

Disposition seit Restaurierung 2007
Montre 4’
Bourdon 8’
Flute traversière 8’ Diskant
Flutte 4’ Bass/Diskant
Quinte 3’ Bass/Diskant
Octave 2’ Bass/Diskant
Tièrce 1 ½‘
Mixture 3f.
Cornet 4f. 4‘ Diskant
Trompette 8’ Bass/Diskant
Voix humaine 8’ Bass/Diskant
Tremblant

Bass-Diskantteilung zwischen h° und c’
Manualumfang C-c’’’ ohne Cs,
Pedalumfang C-d° ohne Cs.
Angehängtes Pedal ohne eigene Register.
Temperatur „Neidhard für ein Dorf, 1732“.
Stumm’scher „Chorton“: 427 Hz bei 16°C.
Winddruck 73 mm Wassersäule

 
Konzerte: siehe Kalender

Franz Ronig



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