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Dom | Kunstgeschichte | Domorgeln | Domorganist | Orgelhistorisches |
Frühere Domorganisten und -kapellmeister | UNESCO-Weltkulturerbe |
Moderne Fresken im Dom | Dombaumeister Wilhelm Peter Schmitz |
Niederländische Orgelbaumeister am Trierer Dom |
Fotogalerie Trierer Domorgel |
Wilhelm Schmitz (20.1.1864-4.6.1944) [Abb. 1] stammte aus dem niederrheinischen Ort Lüttelforst / Kr. Viersen. Nach einer zehnjährigen Lehr- und Volontariatszeit bei den rheinischen Architekten Hürth, Busch und Wiethase (1877-1887) arbeitete Schmitz von 1887-1890 als Assistent des Aachener Architekturprofessors G. Frentzen. Hier volontierte er u. a. beim Bau des neugotischen Empfangsgebäudes des Kölner Hauptbahnhofs.
1890 wechselte Schmitz dann nach Metz, wo er als 1. Assistent des dortigen Dombaumeisters P. Tornow bei der Restaurierung der dortigen Kathedrale Stellung fand. Zu seinen Aufgaben gehörte u. a. die zeichnerische Umsetzung und Detaillierung von Plänen für die Sanierung der Domdächer, die Rekonstruktion des Domhauptportals und für die Neuausstattung der Metzer Kathedrale.
Als der Trierer Dombaumeister Reinhold Wirtz im Frühjahr 1898 im Sterben lag, wurde Schmitz auf Bitten des dortigen Domkapitels an die Nachbardiözese ausgeliehen, um in Trier kommissarisch die Amtsgeschäfte des erkrankten Dombaumeisters weiterzuführen. Es ging hier hauptsächlich um den reibungslosen Abschluß der Sanierung des Domäußeren.
Nach R. Wirtz’ Tod ernannte das Trierer Domkapitel Schmitz am 8. 6. 1898 zu dessen Amtsnachfolger. Die Berufung war freilich an Bedingungen geknüpft. R. Wirtz hatte einen Sohn, Julius, der Architektur studierte. Dieser konnte das Studium nach dem Tode seines Vaters nicht fortsetzen. Und da R. Wirtz neben dem Dombaumeisteramt ein florierendes Architekturbüro betrieben hatte, das auf Sakralbau spezialisiert war, wollte das Domkapitel sicherstellen, dass alle laufenden Kirchbauprojekte des besagten Ateliers fachkundig zu Ende geführt wurden. Schmitz sollte deshalb neben dem Dombaumeisteramt als Kompagnon in das Wirtz’sche Atelier eintreten, um den noch unerfahrenen J. Wirtz bei der Fortführung des väterlichen Architekturbüros zu unterstützen.
Nachdem der Außenbau des Trierer Domes saniert worden war, ging es an die Wiederherstellung des Dominneren. Hierbei mußte Schmitz zwischen den purifizierenden Plänen des Domkapitels und den progressiveren Ansichten der rheinischen Denkmalpflege vermitteln, die auf den Erhalt des historisch gewachsenen Erscheinungsbildes der ältesten Kathedrale Deutschlands drängte.
Unter Schmitz’ Federführung wurde zwischen 1898 und 1911 u. a. die verschüttete Mittelkrypta des Trierer Doms freigelegt und rekonstruiert [Abb. 2-3], Ostchor, Wände, Fenster und Gewölbe der Kathedrale saniert [Abb.4-6], ihre Bodenbeläge und Seitenaltäre erneuert bzw. instand gesetzt [Abb. 7-9], die Ost- und Westkrypta wiederhergestellt [Abb. 10], eine neue Sakristei zwischen Dom und Liebfrauen [Abb. 11] errichtet, und ein Konzept für die Umgestaltung des barocken Domwestchores ausgearbeitet [Abb. 12]. Ferner ließ Schmitz den Trierer Dom mit einer neuen Hoch- u. Niederdruckorgel ausstatten, die als eines der leistungsstärksten Instrumente ihrer Zeit galt. Ihre beiden neoromanischen Prospekte [Abb. 13-17] fanden unter den Westarkaden des Ostchores Aufstellung.
In dem Zusammenhang sei ein kleiner Exkurs gestattet.
Bereits seit 1885 hegte das Trierer Domkapitel die Absicht, die klassizistische Orgelanlage des Westchores durch eine ‚stilgemäßere’ Anlage zu ersetzen (mehr zur Weigle-Orgel). Hierbei stieß man jedoch auf den erbitterten Widerstand der preußischen Denkmalpflege. Es wurde deshalb in Trier eine Orgelbaukommission ins Leben gerufen. 1897 rieten jene Experten, ein neues Instrument auf dem Flachdach der romanischen Domschatzkammer zu installieren.
Als sich der preußische Staatskonservator Persius im Rahmen eines Ortstermins äußerte, er habe –ungeachtet der Frage, was mit der alten Orgel geschehe- gegen einen Orgelneubau auf der Domschatzkammer nichts einzuwenden, handelte das Domkapitel. Ohne Genehmigung ließ man das klassizistische Instrument entfernen und beauftragte die Echterdinger Fa. Weigle mit den Planungen zum Bau einer neuen Domorgel.
Diese riet zur Aufstellung von zwei separaten, elektro-pneumatisch betriebenen Werken, die unter den beiden westlichen Chorarkaden Platz finden sollten. Für die Epistelseite hatte man eine 39 Register umfassende Normal- und für die Evangelienseite eine 16 Register umfassende Hochdruckorgel projektiert. W. Schmitz war gemäß Kapitelsbeschluß für die ‚stilgemäße’, d. h. neoromanische, Gestaltung der Prospekte verantwortlich. Kein leichtes Unterfangen, da aus der Romanik keine Orgelanlagen überliefert sind. Er entschloß sich deshalb, die Gehäuse im Geiste romanischer Holzarchitekturen auszuführen. Schmitz kombinierte bei seinen Entwürfen kurzerhand das Gliederungsschema mittelalterlicher Flügelaltäre, mit dem romanischer Reliquienschreine. Anschließend wurden die Gehäuseentwürfe farblich auf die neuen Chorböden und den Choranstrich abgestimmt.
Wegen der Intervention des Kultusministeriums gegen den widerrechtlichen Abbruch der klassizistischen Orgelanlage, stilistischer Bedenken der rheinischen Denkmalpflege und dem Konkurs der Fa. Weigle, zog sich die Realisierung der Pläne über Jahre hinweg. Erst 1908 konnte das Orgelprojekt von der Bonner Fa. Klais abgeschlossen werden.
Schon wenige Jahre später, während des Ersten Weltkriegs, wurden die beiden Orgelprospekte ihrer Zinnpfeifen beraubt. Der Ersatz war aus Zink. Zudem erlitten die elektropneumatischen Instrumente 1944 durch Bomben irreparable Schäden. Das Domkapitel entschied daher 1969, die historistischen Domorgeln durch die heutige Schwalbennestorgel zu ersetzen.
Gemeinsam mit J. Wirtz errichtet W. Schmitz während seiner Trierer Amtsjahre u. a. die katholischen Pfarrkirchen von Alsdorf, Badem, Bengel, Oberehe, Rengen, Wiltingen und Wintersdorf. Ferner bauten die beiden Kompagnons die Hospitalskapellen von Saarlouis (Canisianum) und Metz (Krankenhaus in der Gendarmenstraße); in Trier entstanden außerdem diverse Wohn- und Geschäftshäuser, die Pfarrkirche St. Paulus, eine neue Markusberg-Kapelle sowie Erweiterungsbauten für das bischöfliche Konvikt und das Mutterhaus der Borromäerinnen.
Schmitz übernahm bei diesen Kompaniegeschäften stets den künstlerischen, J. Wirtz den organisatorischen Teil der Planungen und das Rechnungswesen.
Darüber hinaus befaßte sich das Gemeinschaftsatelier mit einer ganzen Reihe kleinerer Restaurierungs- und Ausstattungsprojekte in der Diözese Trier sowie dem Bau von Orgeln für die ehemaligen Abtei- bzw. Stiftskirchen Maria Laach und Offenbach am Glan.
Als Schmitz’ einstiger Chef, P. Tornow, 1906 wegen einer Affäre zurücktreten mußte, übernahm Schmitz in Personalunion auch noch das Amt des Metzer Dombaumeisters. Diese Doppelbelastung führte freilich bald zum Konflikt mit seinem Trierer Arbeitgeber. Am 1.10.1908 kündigte ihm deshalb das Trierer Domkapitel. Auf Befehl Kaiser Wilhelms II. durfte Schmitz jedoch die Bauleitung bei der Sanierung und neobarocken Umgestaltung des Trierer Domwestchores behalten. Jene Arbeiten zogen sich bis April 1911 hin.
Wir danken Herrn Dr. Jörg Schmitz für diesen Auszug aus seiner Dissertation, den er für den Trierer Orgelpunkt erstellt hat.
Jörg Schmitz
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Der Trierer Dombaumeisters Wilhelm Peter Schmitz (1898-1911)
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