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Orgelpunkt durchsuchen:
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Bildhaft und präzise
Organist begleitet Stummfilmklassiker an der Springiersbacher Orgel
BENGEL(gkl). Zum zweiten Mal zeigten die Mosel Festwochen einen Klassiker der Stummfilmzeit, unterlegt mit Orgelmusik. Diesmal hatte sich das Kloster Springiersbach als Veranstaltungsort angeboten. Der musikalische Solist des Abends, Toni Weiser, zeigte auf beeindruckende Weise, wie sehr er sich mit der Materie der Stummfilmbegleitung auseinander gesetzt hat.
Erneut gestalteten die Mosel Festwochen einen Abend, an dem sie dem Publikum einen Klassiker der Stummfilmzeit zeigten, begleitet von live gespielter Orgelmusik. Diesmal stand ihnen die Klosterkirche in Springiersbach als kurzfristiges Filmtheater zur Verfügung.
Mit dem Streifen "Der Fuhrmann des Todes", im Original "Körkarlen", entstanden im Jahre 1921 unter der Regie von Victor Sjörström, hatte man einen sehr anspruchsvollen Film ausgewählt, der den Zuschauer fesselte und in seinen Bann zog.
Nicht vergleichbar mit modernen Kinoerlebnissen, bei denen oftmals die Handlung hinter den technischen Geschehnissen zurücktritt.
Die Veranstaltung war eine Kooperation zwischen den Mosel Festwochen, dem Landkreis Cochem-Zell und dem Karmelitenkloster, dessen Prior, Pater Rainer Fielenbach, das leider nicht sehr zahlreich erschienene Publikum auch begrüßte.
Mit Blick auf die nicht gerade sommerliche Witterung meinte er etwas scherzhaft: "Wir sind wohl heute die einzigen Veranstalter, die sich über das dunkle Wetter freuen. Bei strahlendem Sonnenschein wäre es mit der Filmvorführung hier in der Kirche etwas schwierig."
Filmerlebnisse musikalisch begleitet
An der Sandtner-Orgel der Klosterkirche saß Toni Weiser aus Dortmund, der auch schon im letzten Jahr die musikalische Begleitung des Filmerlebnisses übernommen hatte. Über die von ihm ausgewählten Werke der Orgelliteratur und die Qualität seiner Interpretationen kann man denken, was man will, die Tatsache, dass er knapp 90 Minuten lang die Ereignisse auf der Leinwand musikalisch kommentierte, ist eine große Anerkennung wert.
Mit großer, bewundernswerter Präzision unterlegte er das Filmgeschehen mit seiner Musik, brachte Themen, die er für bestimmte Szenenfolgen ausgewählt hatte, auf den Punkt, oder besser gesagt, auf den Schnitt genau, wodurch man sich durch die Musik leicht wieder in die Handlung einfinden konnte, wenn man einmal den Faden verloren hatte.
Die Auswahl der Literatur war teilweise etwas zweifelhaft und manchmal ein wenig plakativ. So etwa die Choralbearbeitung "Mitten in dem Leben sind wir vom Tod umfangen" vom Bachschüler Johann Ludwig Krebs immer dann, wenn der Todeskarren über die Leinwand rumpelte. Nicht ganz verständlich war, warum das "Prière a Notre Dame" (Gebet an die Gottesmutter) aus der Suite Gothique von Léon Boellmann erklang, wenn die Familiengeschichte der Hauptperson David Holm dargestellt wurde.
Mustergültig war die Einbindung von Louis Viernes "Carillon de Westminster" mit seinem Big-Ben Uhrschlagmotiv, das Weiser als Synonym für die Zeit verwendet hatte. In verschiedenen Schnittfolgen erschien im Film immer wieder eine Uhr, die das Fortschreiten der Zeit auf Mitternacht hin zeigte. Schon fast mit Schweizer Präzision erklang dann immer wieder das Carillonmotiv, teils nur mit wenigen Tönen, aber immer sofort erkennbar.
Dass die Interpretation der einzelnen Orgelwerke die Liste der vertretenen Komponisten reichte noch von Jan Pieterszoon Sweelinck (Variationen über "Mein junges Leben hat ein End") über Johann Sebastian Bach (Auszüge aus den Goldbergvariationen) bis hin zu Györgi Ligetis Passacaglia und Arvo Pärts "Spiegel im Spiegel" nicht immer dem entsprach, was man in einem Konzert erwarten kann, lag in der Natur der vorgegebenen Sache.
Organist hatte sich besten vorbereitet
Manchmal musste Weiser die Tempi deutlich zurücknehmen, um mit den Filmpassagen synchron zu bleiben.
An manchen Stellen, und da zeigte sich, wie gut sich Weiser auf seine Aufgabe vorbereitet hatte, trat sein Spiel völlig hinter der Filmhandlung zurück und war tatsächlich nur noch der akustische Rahmen.
Lang anhaltender Applaus am Ende des bemerkenswerten Abends war für den Solisten verdient, ging aber sicherlich auch an die Adresse des Regisseurs und der Schauspieler. Nicht nur für Freunde des historischen Films war der Abend ein ganz besonderes Erlebnis.
Gerhard Kluth
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