Orgelpunkt verliert Mitarbeiterin Ursula Binsfeld
Rechnen mussten wir alle damit, für möglich hat es eigentlich keiner gehalten. Ursula Binsfeld, eine der aktivsten Mitarbeiterinnen des Trierer Orgelpunktes ist tot. Nach langer Krankheit starb sie in diesem Sommer in einem Mainzer Krankenhaus. Obwohl alle, die mit Ursula näher zu tun hatten, von der Erkrankung wussten, kam die Nachricht überraschend, wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel.
In der Trierer Orgel- und Chorszene ist seitdem ein Loch entstanden. Kaum ein Konzert, bei dem Ursula nicht da war. Immer „bewaffnet“ mit ihrer Digitalkamera, versuchte sie die entscheidenden Momente auf ihren Chip zu bannen. Ihre musikalischen Interessen waren sehr vielfältig, ihre Fähigkeit, sich für etwas zu begeistern, gewaltig. Viel wichtiger aber für den menschlichen Umgang mit ihr war die Fröhlichkeit, der Humor, den sie ausstrahlte. Kaum einmal sah man sie schlecht gelaunt, niemand konnte ihr, wenn doch einmal etwas gewesen war, richtig böse sein. Gerne übernahm sie manche PR-Arbeit, insbesondere für ihren geliebten Bachchor oder für "Trier spielt... Orgel", damit das Publikum auf dem Laufenden war.
Unvergesslich wird mir die Zuversicht bleiben, die Ursula stets ausgestrahlt hat. Die übliche Frage nach dem „wie geht’s“, die in ihrem Fall nichts mit Rhetorik zu tun hatte, beantwortete sie fast immer mit einem überzeugenden „gut“. Natürlich weiß ich nicht, wird kaum jemand wissen, wie es in ihrem Innersten ausgesehen hat. Eines aber war immer deutlich – Ursula ließ sich von ihrer Krankheit nicht unter kriegen. Sie hat den Kampf aufgenommen, sich der Herausforderung gestellt.
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man vor einem Konzert durch die Reihen der Besucher schaut und unter den vielen bekannten Gesichtern ihres fehlt, wenn man nach dem Konzert noch zusammen sitzt und ihr fröhliches Lachen in der Runde fehlt. Der Tod mag uns den Körper von Ursula genommen haben. Eines aber ist sicher. In den Herzen und Gedanken von vielen ist sie nach wie vor präsent, so wie wir sie alle gekannt haben, fröhlich, agil, ein Wirbelwind, dessen Energie oftmals ansteckend war. Die Trierer Orgel- und Chorwelt ist ärmer geworden.
Gerhard W. Kluth