Kirche der Barmherzigen
Brüder von Maria-Hilf, Kirche der Weissen Väter, St. Helena (Euren),
Herz-Jesu
1926 wird eine nicht näher
bezeichnete Orgel aus dem Jahr 1890 in der Kirche der Barmherzigen Brüder
von der Firma Gerhardt aus Boppard umgebaut, wobei das Werk hierbei eine
pneumatische Traktur erhält. Wie aus dem Meldebogen ersichtlich, war
zumindest 1944, wahrscheinlich aber auch schon früher, die “Orgelbau-Firma
Klais, Bonn/Rh., Kölnstr.” mit der Pflege dieser Orgel betraut.
Scheinbar
unbeschadet hat auch diese Orgel den Zweiten Weltkrieg überlebt, denn
1957 wird lediglich die Traktur von einer Firma aus der Schweiz elektrifiziert.
1974 wird dieses Instrument jedoch abgebrochen und durch einen Neubau mit
mechanischer Schleiflade durch die Firma Klais ersetzt. Das dabei aufgestellte
neugotische Gehäuse stammt aus dem Dom zu Eichstätt.
1928 erhält die Kirche
des Missionshauses der Weissen Väter in der Dietrichstraße
eine neue pneumatische Stahlhuth-Orgel mit acht Registern, verteilt auf
zwei Manuale und Pedal, ähnlich der des Klosters der Ewigen Anbetung.
Über die Orgel der im
neugotischen Stil erbauten Pfarrkirche St. Helena in Trier-Euren heißt
es im Meldebogen vom 20. Juni 1944: “Die im Jahre 1874 für die neue
Kirche erbaute Orgel, mechanisch, Orgelb. Breidenbach (sic!) Trier, wurde
1929 durch Orgelb. Gerhardt, Boppard umgebaut unter Verwendung brauchbarer
Pfeifen. Prospekt war 1926 erneuert worden.” In den Pfarrakten erhalten
hat sich ein Schreiben des Pfarrers vom 11. April 1929 an das Bischöfliche
Generalvikariat , in dem es heißt: “... Nach eingehender Prüfung
hielt der Orgelbauer Gerhardt das Material für durchaus brauchbar.
Dies Urteil wird bestätigt durch Herrn Professor Biehle aus Bautzen,
der im Auftrage der Regierung ein Gutachten über unsere Orgel abzugeben
hatte, da ich mich dorthin gewendet hatte um einen Zuschuss für den
Umbau. Ob es Erfolg hat, steht noch aus. Ein Teil der Kosten ist bereits
gesammelt, alles soll durch freiwillige Beiträge gesammelt werden.
Eine Änderung ist unbedingt nötig, da sie in der jetzigen Verfassung
nur mehr von einem Kenner ihrer Eigenarten spielbar ist. Für eine
ganz neue Orgel, die nach bereits aus der Zeit meines Vorgängers vorliegenden
Plänen von Klais und Späth ungefähr das Doppelte kosten
würde, fehlen mir die Mittel.” Vier Monate später hat die “Orgelbaufirma
Chr. Gerhardt & Söhne in Boppard ... unter Beibehaltung des früheren,
stilvollen Gehäuses und teilweiser Benutzung vorhandenen, älteren
Pfeifenmaterials durch Einbau einiger neuer Register ... die frühere
Orgel rein pneumatisch umgebaut und damit ein Orgelwerk geschaffen, das
noch auf Jahrzehnte vollwertige Dienste leisten wird”, so das Ergebnis
der von Pfr. Schroeder aus St. Gervasius durchgeführten Revision der
Orgel. Auch enthält sein Bericht vom 16. August 1929 Informationen
über Registerzahl und technische Ausstattung, nach der das Werk im
Gegensatz zu den Angaben des Meldebogens “21 klingende Register und ein
Transmissionsregister (Echobass aus Bordun16’)”, weiterhin “Manual- u.
Suboctavkoppel II I”, eine “durchgeführte Superoctavkoppel” sowie
“Freie Kombination, feste Kombinationen (P. MF. F. Tutti), Zungenabsteller,
Rollschweller u. Pianopedal” hatte. Auch wenn in den Morgenstunden des
8. Dezember 1944 eine schwere Granate die Kirche traf und große Teile
des Dachstuhls und der Gewölbe im Mittel- und rechten Seitenschiff
zerstörte, so hatte die Orgel hierbei keinen Schaden erlitten. In
der Festschrift zum 75jährigen Jubiläum der Pfarrkirche St. Helena
(18./19.8.51) heißt es unter der Überschrift "Und neues Leben
blüht in den Ruinen, daß die Pfarrei “an Pfingsten 1945 und
noch einmal am Helenentag eine stimmungsvolle Erstkommunion halten” konnte.
“Bei günstigem Wetter wurden Hochamt und Spätmesse auf dem alten
Friedhof neben der Pfarrkirche an dem Friedhofskreuz unter den gewaltigen
Linden gefeiert. Dabei konnte sogar die Orgel der Pfarrkirche, die völlig
unversehrt erhalten geblieben, benutzt werden, und die Vögel in den
Linden gaben ihre Begleitung dazu” .
Ebenfalls im Jahre 1929 erhielt
die nach Plänen des damaligen Dombaumeisters Wirtz im neu-gotischen
Stil erbaute Kirche St. Barbara Herz Jesu
ein neues Orgelwerk der Firma Gebrüder Späth aus Ennetach-Mengen.
Ob es sich hierbei jedoch um die erste Orgel dieser 1896 geweihten Kirche
handelt ist fraglich, denn in einem Schreiben des Pfarrers von St. Gervasius
vom 16. April 1923 an einen Herrn Kastor heißt es: “In der Sitzung
vom 15. Oktober 21 wurde beschlossen: Der Küster von Herz-Jesu erhält
ein Fixum von jährlich 3600 M. und für den Organistendienst in
der Frühmesse und Christenlehre Sonntags pro Jahr 300 M. ... In der
gleichen Sitzung wurde beschlossen, dem Balgtreter Philippi von Herz Jesu
pro Jahr ein Honorar von 500 M. zu zahlen. Derselbe amtiert seit 1. September.”
Desweiteren sind im Lagerbuch von St. Gervasius für die Jahre 1901
und 1902 Ausgaben für den “Organist Rektor Leven” verzeichnet, sowie
am 28. November 1907 ein Betrag von 8,30 M., der an den Saarburger Schreiner
Hitzmann für eine Orgelbank gezahlt wurde. Höchstwahrscheinlich
besaß man aber nur ein größeres Harmonium, evtl. auch
eine Leihorgel, ähnlich wie etwa in St. Martin.
Eine Orgel aus der Erbauungszeit
der Kirche existierte jedenfalls nicht, denn das Angebot der Firma Späth
aus Ennetach-Mengen vom 9. Juni 1927 für eine neue Orgel mit 20 Registern
plus einer Transmission sieht weder eine Inzahlungnahme einer möglicherweise
vorhandenen Orgel noch die Übernahme brauchbarer Teile daraus vor.
Dieses maschinengeschriebene Angebot ist handschriftlich um die beiden
Register Waldflöte 2’ im I. Manual und Contrabass 16’ im Pedal ergänzt.
Hierauf beruft sich schließlich auch der Vertrag, der am 26. Oktober
1928 zwischen der Firma Späth und der Pfarrgemeinde St. Barbara Herz
Jesu Trier geschlossen wird. Der Anschaffungspreis betrug 18000 Goldmark.
Unter dem Punkt “Besondere Vereinbarungen” werden die Zahlungsmodalitäten
näher erläutert: “Zahlungsbedingungen: Bei Ablieferung der Orgel
wird dem Orgelbaumeister die Summe von 5000 Mark angezahlt; dabei ist nach
Erklärung der Orgelbaumeister z. Zeit G.M = R.M; die jährliche
Ratenzahlung der Kaufsumme wird auf 5000 Mark festgesetzt.” Vom Generalvikariat
wird die Anschaffung einer neuen Orgel jedoch erst am 5. November 1928
genehmigt. Im Schreiben an Pfarrer Cramer heißt es : “Die Anschaffung
einer neuen Orgel wird genehmigt in der Unterstellung, dass die Kostendeckung,
über die in Ihrer Eingeabe keinerlei Mitteilung gemacht ist, gesichert
ist. Mit der Disposition ist unser Sachverständiger einverstanden.
Er empfiehlt Ihnen, im II. Manual ein weiteres 4’-Register und eine gemischte
Stimme zu disponieren.” Wie aus dem Meldebogen von 1944 hervorgeht, blieb
es allerdings bei der Empfehlung des Sachverständigen, denn die darin
aufgeführte Disposition entspricht dem ursprünglichen Angebot,
wenngleich das Transmissionsegister Zartbass 16’ im Pedal nicht eigens
vermerkt ist. In einem Schreiben, das ebenfalls vom 9. Juni 1927 datiert,
schickt die Firma Späth ein weiteres Angebot, diesmal über “3
gotische Gehäuseentwürfe”, an Pfarrer Cramer, wovon aber scheinbar
keines davon zur Ausführung kam. Statt dessen plazierte man wohl das
gesamte Werk in dem ursprünglich vorgesehenen Schwellkasten im Turmraum.
Der Spieltisch stand in einer Entfernung von ca. vier Metern unmittelbar
an der Emporenbrüstung, wobei der Organist was damals wohl eher ungewöhnlich
war mit dem Rücken zum Altar saß. Die Weihe der Orgel fand statt
am Sonntag, dem 21. April 1929, um 18.00 Uhr. Laut Zeitungsbericht lauschten
an diesem Abend “wohl 1500 Menschen gespannt und gefesselt den Worten des
Festpredigers.” Nach der Weihe durch Domprobst Prälat Mause tat die
“Welt der Töne” sodann “ihre Tore auf” und die Klänge der Orgel
rauschten zum ersten Mal unter den Händen von Musiklehrer Rektor Johann
Caspers “durch den weiten Raum der Herz-Jesu-Kirche”. Abschließend
resümiert der Verfasser dieses Artikels: “Die Firma Späth hat
sich ein Denkmal gesetzt auch für spätere Zeiten. Der Pfarrei
St. Barbara aber gereicht es zur Ehre und besonders dem arbeitsfrohen Pfarrer
Cramer zur Freude, daß in so kurzer Zeit unter diesen Opfern das
Werk nun geworden. Möge die Orgel diese Opfer entlohnen, indem sie
mit uns betet und singt und weint und jubelt.” Vermutlich blieb auch diese
Orgel von den Kriegzerstörungen nicht verschont. Dennoch gibt ein
undatiertes, loses Blatt im Pfarrarchiv von Herz Jesu mit der Überschrift
“Neue Disposition der Orgel in der Herz Jesu Kirche” einige Rätsel
auf. Die darauf abgedruckte Disposition zeigt im Kernbestand die Orgel
von 1929, doch aufgehellt durch Register wie Oktave 2’ und Quinte 2 2/3’
im I. Manual sowie Prinzipal 4’, Sesquialter 2fach und Scharf 3-4fach im
II. Manual. Im Pedal sind vier Register in der 8’-, 4’und 2’-Lage hinzugekommen.
Desweiteren sind Register umgesetzt bzw. ausgetauscht. Alle Änderungen
sind jeweils durch eine kleines Häkchen neben dem Registernamen kenntlich
gemacht. Hat man hier bereits vor dem Krieg aus welchen Gründen auch
immer an einen Umbau gedacht oder hat die Orgel den Krieg doch mehr oder
weniger unbeschadet überstanden, so daß man bei einem geplanten
Neubau hätte auf Vorhandenes zurückgreifen können? Wie dem
auch sei, am 31. März 1957, dem Sonntag “Laetare”, fand erneut eine
Orgelweihe statt.
Orgelbau Sebald, Eduard Sebald
(l.) und Nachfolger Rudolf Oehms (2. v.l.)
Dieses dreimanualige Instrument
mit insgesamt 35 Registern stammt von der Trierer Orgelbaufirma Eduard
Sebald, die ihren Firmensitz bis zur Auflösung 1992 in unmittelbarer
Nähe der Kirche hatte. Der Prospekt dieser elektro-pneumatischen Kegelladenorgel
ist nach einem Entwurf des Architekten Prof. Thoma, der auch für den
Wiederaufbau der Kirche verantwortlich war, gestaltet. Bei der neuerlichen
Umgestaltung der Kirche zu Beginn der 90er Jahre wurde die Orgel einer
Generalsanierung unterzogen. Dabei wurden auch zwei Register in Haupt-
und Schwellwerk gegeneinander ausgetauscht.
Wolfgang Valerius