Trierer Orgeln, erbaut 1900-1945, Teil 4 - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:28

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Trierer Orgeln, erbaut 1900-1945, Teil 4
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St. Paulus, Pfarrkirche Heiligkreuz

Erst 1925, zwei Jahre nach der Währungsreform, erhält Trier eine neue, 36 Register zählende Orgel. Erbaut wurde sie von der Firma Gebrüder Späth aus Ennetach-Mengen als Opus 326 und war bestimmt für die neoromanische Pfarrkirche St. Paulus. Noch immer ist die Disposition sehr grundtönig, wenngleich mit Nazard 2 2/3’ und Terz 1 3/5’ im zweiten Manual erstmals wieder Einzelaliquote in Erscheinung treten. Des weiteren aber scheint hier auch ein gewisser französischer Einfluß gegeben zu sein, denn das Schwellwerk, das mit 18 Registern außerordentlich üppig dimensioniert erscheint, verfügt über drei vollbechrige Zungen in der 16’-, 8’und 4’-Lage. Neben insgesamt acht Normal- und Octavkoppeln verfügt das Instrument über diverse Spielhilfen, so etwa drei feste und zwei freie Kombinationen, ein automatisches Pedal, einen in Trier einmalig in Erscheinung tretenden Transponierapparat, mit dem man bis zu einer großen Terz nach oben und einer kleinen Terz nach unten transponieren konnte, sowie einen Tritt für “II. Manual Normallage ab”, eine Vorrichtung, die im anglo-amerikanischen Orgelbau als “Unison Off” bis heute zum Standart gehört. Die Weihe dieses Instrumentes erfolgte am 20. Dezember 1925, nachmittags um 5:30 Uhr, wobei Dr. Karl Späth höchstpersönlich die klangliche Vorstellung seiner Orgel übernahm. Noch in den letzten Kriegmonaten wurde die Orgel der Pauluskirche (ebenso wie auch die von St. Gangolf) “infolge der Zerstörung des Gregoriushauses in Aachen als Lehr-, Ausweich- und Uebeinstrument benutzt. Ferner diente sie im Jahre 1941 sieben Mal als Konzertinstrument für Kirchenkonzerte des jetzigen Domorganisten zur Vermittlung deutschen Kulturgutes (der Werke Seb. Bach und Reger) im Anschluss an den Gottesdienst” . Dieses außergewöhnliche Instrument hat den Krieg ohne gravierende Schäden überstanden. Zu Beginn der 70er Jahre mußte diese Orgel dann den in St. Paulus radikal umgesetzten Erneuerungsbestrebungen, die vom II. Vatikanum ausgingen, ebenso weichen wie sämtliche andere Einrichtungsgegenstände aus der Erbauungszeit dieser Kirche. Ironischerweise ist die Späth-Orgel der Pauluskirche, die bis zuletzt wohl mehr oder weniger tadellos funktionierte, nicht Opfer der neobarocken Orgelideologie geworden, sondern eines wahrhaft progressiven Pfarrers, der mit der Vergangenheit gründlich “aufgeräumt” hat. 

Ebenfalls im Jahr 1925 denkt man in Heiligkreuz über den Bau einer Orgel nach. Die in den Jahren 1050 bis 1060 unter Dompropst Arnulf erbaute Heiligkreuzkapelle, die das Ziel etlicher von den Kaiserthermen ausgehender Kreuzwege (1100 Schritte bzw. 7 Fußfälle) war, erhielt 1911/12 eine Notkirche als Vorbau zur Kapelle. Zunächst begnügte man sich hier mit einem Harmonium, denn Hans Keßler rät Pfr. Paulus in einem Brief vom 7. März 1915 vom Kauf einer gebrauchten Orgel ab und empfiehlt stattdessen ein Harmonium der Firma Hinkel. Einen Tag später erfolgt die Auftragsbestätigung für die Lieferung eines “Hinkel’schen Harmoniums Modell 49, Disposition 307”. Auf Drängen des Pfarrers ließ Keßler das Instrument “per Eilgut kommen”. Bereits 1918 mußte nach Begutachtung durch die Trierer Pianoforte-Handlung Gebr. Peifer der Stimmstock erneuert werden. Ein erstes konkretes Angebot über den Neubau einer Orgel datiert vom 6. März 1925 und stammt von Klais. Dieses enthält “2 Dispositionen nebst Kostenrechnung einer neuen Orgel für die kath. Pfarrkirche Trier-Heiligkreuz”, wobei Klais alternativ zum ersten Vorschlag einen Teilausbau als Interimsorgel anbietet. Am 17. April folgen noch weitere drei Vorschläge, alles zweimanualige Instrumente mit 19 Registern plus drei Tarnsmissionen, 13 Registern bzw. 16 Registern und einer Transmission. Vom 16. April 1925 datiert das Angebot der Trierischen Orgelbauanstalt N. Franzen, das eine zweimanualige pneumatische Orgel mit 18 klingenden Stimmen und einer Transmission vorschlägt. Schließlich unterbreitet am 20. April die Firma Stahlhuth aus Aachen ein Angebot über eine Orgel mit 12 Stimmen und einer Transmission, zwei Manualen und Pedal sowie “pneum. Kegelladensystem mit Taschenmembranen”. Finanzielle Schwierigkeiten lassen jedoch keines der Angebote zur Ausführung kommen. 1930 geht man das Thema scheinbar erneut an, denn vom 18. Februar datiert ein neuerliches Angebot der Firma Stahlhuth über eine gebrauchte Orgel der Weissen Väter, die ja 1928 ein neues Werk erhielten. Stahlhuth schreibt: “ ... Das Werkchen wurde inzwischen hier in Aachen in meinen Werkstätten nachgesehen und gründlich durchrepariert, und ist jetzt als gebraucht, doch gut erhalten zu bezeichnen. Wie Ew. Hochwürden wohl schon weiss, hat die Orgel 7 Register..." Doch auch dieser Plan kam nicht zur Ausführung. So lautet ein handschriftlicher Vermerk auf dem Schreiben des Generalvikariats vom 16.5.1944, das an die Einreichung des Meldebogens gemahnt, lapidar: “keine Orgel, sondern Harmonium!” Erst 1952 kommt es unter Pfarrer Begon zum Kauf einer gebrauchten Orgel. Diese wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut von der Firma Dörr aus Hardheim bei Miltenberg und war bestimmt für die Kath. Lokalkaplanei Reistenhausen (Kreis Miltenberg). Trotz zunächst anderweitiger Pläne seitens der Firma Sebald wurde dieses Instrument auf Geheiß des in puncto Orgel scheinbar nicht unkundigen Pfarrers doch mit seiner originalen mechanischen Kegellade unverändert in Heiligkreuz aufgestellt. Lediglich erhielt die Orgel ein elektrisches Gebläse.

Wolfgang Valerius



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