Frühere Orgelbauer in der Region - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:36

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Frühere Orgelbauer in der Region
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Gebrüder Stumm in Rhaunen-Sulzbach Foto: E. Jakob
Domorganist Josef Still, Autor dieses Artikels,  an der Stummorgel in der Trierer Welschnonnenkirche

Etwa 200 Jahre lang prägte der klanglich wie handwerklich herausragende Stil der über sechs Generationen im Orgelbau tätigen Orgelbauerdynastie Stumm das Gebiet an Mosel und Rhein. Die Werkstatt lag in Rhaunen-Sulzbach, etwa auf halber Strecke zwischen Trier und Mainz. Der Wirkungskreis erstreckte sich von Köln bis Saarbrücken und von Luxemburg bis Amorbach im Odenwald. 

Einige Daten in Stichworten

· Früheste Orgel in Münstermaifeld 1722 
· 370 Stumm-Orgeln sind nachgewiesen. Bis heute sind etwa 140 Orgeln der Familie 
  erhalten (Unverändert oder umgebaut bzw. teilweise erhalten).
· Wirkungskreis: Kölner Gegend bis Saarbrücken (kath. St. Johann, ev. 
Ludwigskirche), Luxemburg (Dreifaltigkeitskirche) bis Amorbach im Odenwald 
· Letzte Orgel aus Sulzbach 1896 (Niederhosenbach), Erlöschen der Sulzbacher 
Werkstatt 1920, der Kirner Werkstatt 1906

Einzelne Generationen und Stilentwicklung
 

1. Johann Michael Stumm
Johann Michael war zunächst Goldschmied und ist Bruder des Johann Nikolaus Stumm, 
eines bedeutenden saarländischen Hüttenbesitzers (Neunkirchen, 
Saarbrücken-Halberg) Erbauer einiger dreimanualiger Orgeln; 
- Einfluss von Frankreich her: Hauptwerk, Rückpositiv, Echowerk, Pedal. 
  Klaviaturumfänge C-c3 ohne Cis, Pedal C-d° oder g° ohne Cis
- Von Süddeutschland her beeinflusst: Streicher, Quintatön. (Salicional 2'/4')
- Vollausgebildeter Principalchor, flötige Cornette. Stets kräftige, französische 
  Zungen.
- Stumm-Stil über Generationen: singende, ein wenig streichende Principale, 
kräftige Zungen. 
- Orgeln stimmen über Generationen in technischen und klanglich-disponellen 
Details überein, auch Variation gleichbleibender Gehäuseformen 
- Fast in allen Orgeln Cornetton: ½ Ton über Kammerton
- Tremulant im Positiv
- Meist Spanbälge übereinander, zuletzt Kasten- oder Zylinderbälge
- Kundenkreis: Kirchengemeinden, Abteien, Fürstenhöfe, Residenzstädte aller 
Konfessionen, katholisch wie protestantisch.

· Münstermaifeld 1722, zweimanualig, ursprüngl. mit RP
· Karden 1728, dreimanualig 
Karden/Mosel
· Leutesdorf 1735, dreimanualig 
· Mühlheim/Eis (Kreis Frankenthal), um 1735
· Sulzbach evang. 1746, zweimanualig, seitenspielig 
 

2. Die zweite Generation: Johann Philipp und Johann Heinrich
Die Werkstatt erlebt die größte Blüte und den weitesten Wirkungskreis.
Die seitenspielige Anlage wird zur Norm, mittige Anlagen werden selten, einzige 
hinterspielige Orgel: Trier Welschnonnenkirche.
Das Rückpositiv wird zum Echowerk/Unterpositiv im Untergehäuse, mit 4'-Prospekt:
· Trier Welschnonnen 1757 (einmanualig, angehängtes Pedal, Bälge im Untergehäuse)
· Meisenheim, Schlosskirche 1767/68 
· Mainz Augustinerkirche 1773 "Brückenpositiv" nach süddt. Art
· Bendorf-Sayn, Abteikirche 1778 
· Amorbach 1774-1782. Größte Stumm-Orgel mit 45 Registern
Amorbach/Odenwald
 

3. Die dritte Generation: Philipp, Franz, Friedrich Karl
Stilistik wie zweite Generation
· Schlosskirche Herrstein, Ende 18. Jahrhundert
Herrstein/Hunsrück
· Kleinich 1809 
 

4. Die vierte Generation: Carl und Franz Heinrich
Stilistisch bleiben die Gehäuse innerhalb der spätbarocken Formensprache, 
lediglich Rocaillen werden von Empire-Dekor verdrängt (Ausnahme: 
"Architekten"-Prospekte wie Treis). Klanglich werden Zungen etwas romantischer 
(Becherlängen, Kehlenformen). Terzen und Cornette verschwinden nach und nach, 
ebenso Vox humana und Salicional 2'/4'. Kammerton, etwa 438 Hz.

· Treis 1838 (ähnlich Thalfang evang.) 
Treis/Mosel
· Trittenheim 1840 
· Geisenheim 1842
· Pommern 1845 
Pommern/Mosel
 

5. Die fünfte Generation: Friedrich Carl und Georg Karl Ernst 
Klang wird grundtöniger. Positiv ins Untergehäuse ohne Prospekt eingebaut. Neben 
historisierend Barockgehäusen auch  neoromanische und neugotische.
· Beulich 1853 
Beulich/Hunsrück
· Thalfang 1877
· Veldenz 1888 
· Mülheim/Mosel 1890 
 

6. Die sechste Generation: Friedrich und Karl
Wechsel von Schleiflade zu Kegellade
· Staudernheim
Ende der Firma 1920
 

7. Kirner Werkstatt
Begründer der Kirner Werkstatt um 1890: Gustav und Julius 
Kegelladen, mechanisch und pneumatisch. Etwa 20 Neubauten, gut erhalten: 
Rhaunen kath. (mechan Kegellade, 1893)
Ende der Kirner Werkstatt 1906
 

Gründe für das Erlöschen beider Firmen:
- Konservatives Verhalten der Firma wird im fortschrittsgläubigen 19. Jh. 
zunehmend als "rückständig" ausgelegt.
- Auftauchen von Konkurrenz, die moderner arbeitet: etwa Klais, Weigle ...
- Auftauchen lokaler Konkurrenz: u.a. Breidenfeld in Trier
 

Stumm-Orgeln in Trier
1766 schrieb Johann Philipp Stumm, er habe gerade das sechste Werk in Trier 
aufgestellt. Nachweisbar sind:
· Agnetenkloster, Weberbach. Baujahr vermutlich 1729, Erbauer vermutl. Johann Michael Stumm. Die 
zweimanualige Orgel hatte 14 Register und war seitenspielig. 1807 in den Dom 
versetzt, 1905 nach Völklingen-Wehrden (St. Josef) verkauft. Gehäuse ist 
erhalten.
· Trier Dom Chororgel (Vorgängerorgel der Agnetenorgel). Vermutlich kurz vor 1754 
  erbaut. Zerstörung durch Franzosen
· Welschnonnen 1757
· Johannisspitälchen 1763 (2 Manuale?)
· St. Gangolf 1829
· Garnisonkirche (Jesuitenkirche) um 1830
· Kuriosität: Trier kam in den fünfziger Jahren des 20. Jh. zu einer weiteren 
Stumm-Orgel: Die Kueser Orgel (1830) wurde aus heute unverständlichen Gründen 
abgerissen und den Weißen Vätern (Afrikamissionare) geschenkt. Im Trierer 
Kloster (Dietrichstraße) wurden die Windladen und Pfeifen mit einer neuen 
Traktur und einem gebrauchten Spieltisch versehen. Der Aufbau erfolgte wenig 
fachmännisch, aber dauerhaft: Die Orgel spielt bis heute weitgehend 
störungsfrei. Das originale Gehäuse und die originale Spielanlage sind 
verloren.

Stumm-Orgeln in der näheren und weiteren Umgebung von Trier:
Thalfang
Mülheim/Mosel
Veldenz
Bischofsdhron
Trittenheim
Kues
Pünderich
Pünderich/Mosel
Zell
Eller
Ediger
Ediger/Mosel
Karden
Treis
Luxemburg
Hambuch
Hillesheim

Literatur: Franz Bösken, Die Orgelbauerfamilie Stumm aus Rhaunen-Sulzbach und ihr Werk, Mainz 1960. Hans-Wolfgang Theobald, Die Werkstatt Stumm in Rhaunen-Sulzbach. In: Die Orgel als sakrales Kunstwerk, Bd. 1, Mainz 1992.

Josef Still



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