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Wenn die Seele jubiliert
Peter Schreier zu Gast im Hunsrück
KLEINICH. (gkl) Voll besetzt war die evangelische Kirche in Kleinich, als die Moselfestwochen zu einem Konzert mit dem Tenor Peter Schreier geladen hatte. Ihm zur Seite stand der Organist Hansjörg Albrecht.
Kaum ein Name ist so mit dem Vokalwerk von Johann Sebastian Bach verbunden wie der des Dresdener Tenors Peter Schreier. Zwar ist er auf allen großen Bühnen der Welt auch als Opernstar bekannt, Zentrum seines künstlerischen Schaffens ist und bleibt aber das Œuvre des Thomaskantors. Im Rahmen der Moselfestwochen war Schreier jetzt in der evangelischen Kirche in Kleinich zu Gast.
Auf dem Programm standen insgesamt 21 Lieder aus dem "Musicalischen Gesang-Buch", das 1736 von Georg Christian Schemelli in Leipzig herausgegeben wurde.
Schreier zur Seite stand der junge, im sächsischen Freiberg geborene Organist Hansjörg Albrecht. Er dokumentierte seine Ansicht über den Wert der Lieder schon alleine dadurch, dass er sie mit Präludium und Fuge Es-Dur, BWV 552, einrahmte. Gleichzeitig vollbrachte Albrecht mit dieser Klammer, die Bach um den dritten Teil seiner Klavierübungen gesetzt hat, ein wahres Meisterwerk an Organistenkunst. Eigentlich ist die Stummorgel der Kleinicher Kirche für die Interpretation dieses Werkes nicht geeignet. Natürlich gab es vom klanglichen Geschehen her für den aufmerksamen Hörer einige Brüche in der Interpretation, alleine schon wegen des fehlenden Bassfundamentes. Wenn man aber bedenkt, wie viele Noten Albrecht der Not gehorchend zusätzlich in sein ohnehin schon sehr komplexes Manualspiel hinein nehmen musste, konnte man bei seinem auch stilistisch äußerst beeindruckenden Spiel nur noch bewundernd den Hut ziehen.
Schreier eröffnete dem Publikum eine tiefe Einsicht in Bachs Glaubenswelt, da er auf Grund seiner großen Erfahrung mit der Musik des Meisters Einzelheiten in dessen Werken herausarbeitet, die manchem noch gar nicht aufgefallen sein mögen. Wenn er das Lied "Eins ist not! Ach Herr, dies eine" (BWV 453) vorträgt, wird die Theorie der lutherischen Rechtfertigungslehre so überzeugend deutlich, dass jedweder Theologenstreit über dieses Thema verblassen muss. Wenn er in "Auf, auf! Mein Herz, mit Freuden" (BWV 441) das Ostergeschehen besingt, dann spricht aus seinem Vortrag wirkliche Osterfreude, bei dem die gläubige Seele jubiliert.
Schreier und Albrecht sind beide optimal aufeinander eingestimmt. Optimal unterstützte der Organist mit seinen mit Bedacht gewählten Registrierungen die Vorträge des Tenors. Ein großes, beeindruckendes Konzert, in dem Peter Schreier unter Beweis stellte, dass er nach wie vor einer der großen Bachinterpreten ist.
Gerhard Kluth
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