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Orgelpunkt durchsuchen:
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Gute
Musik und schlechte Kommentare
Madrigalchor Daun interpretiert
angelsächsische Musik
Von Gerhard W. Kluth
Bengel/Daun. Zu einem Konzert
mit englischer und amerikanischer Musik hatte der Madrigalchor Daun eingeladen.
Neben der Sopranistin Inka Rinn konnte der Chor das Akademische Orchester
Bonn als Mitstreiter gewinnen. Das gute musikalische Ergebnis des Konzertes
wurde durch unqualifizierte Äußerungen während der Programmeinführung
durch ein Chormitglied geschmälert.
Schon seit den siebziger
Jahren gibt es den Madrigalchor Daun, zu dem sich damals musikbegeisterte
Dauner und Studenten der Sternwarte "Hoher List" zusammengeschlossen haben.
Im Jahre 1985 übernahm der Waliser Roy Coppack die Leitung dieses
Chores und führte seine Qualitäten soweit, dass öffentliche
Konzerte gewagt werden konnten. Musikfreunden wird die Aufführung
der Jahreszeiten von Joseph Haydn vor zwei Jahren im Rahmen der Moselfestwochen
noch gut in Erinnerung sein.
Unter Coppacks Dirigat hat
sich der Chor nun der angelsächsischen Literatur zugewandt und stellte
die Ergebnisse in zwei Konzerten in der Klosterkirche Springiersbach und
in der Thomas-Morus-Kirche in Daun der Öffentlichkeit vor. Im Mittelpunkt
des Programms stand das Requiem von John Rutter, eingebettet in Auszügen
von Werken John Stainers und Michael Tippets.
Die Eröffnung übernahm
das Akademische Orchester Bonn mit einigen Sätzen aus "Appalachian
Spring" des amerikanischen Komponisten Aaron Copland. Von Stainer, der
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England tätig war,
erklangen einige Sätze aus seinem Oratorium "The Crucifixion" und
aus Tippetts reichem Schaffen hatte sich der Chor vier Spirituals und eine
Sopranarie aus "Ein Kind unserer Zeit" ausgesucht.
Als Solistin hatte man die
aus Amerika stammende aber in Deutschland aufgewachsene Sopranistin Inka
Rinn verpflichtet. Sowohl in Tippetts Komposition als auch im Requiem konnte
sie mit einer makellosen Stimme das Publikum von sich überzeugen.
In den Höhen war sie brillant und sehr kultiviert, in tiefen Lagen
hatte sie eine warme und angenehme, dabei aber durchsetzungsfähige
Stimme.
Der Chor hatte sich offensichtlich
sehr gut vorbereitet und meisterte seine durchaus nicht immer leichte Aufgabe
mit Bravour. Lediglich an den Stellen, die dem Orchester ein kräftigen
Klang abverlangten, fehlte es den Sängern an Volumen, wodurch der
Chorklang teilweise zugedeckt wurde.
Alles in allem könnte
man eigentlich von einem sehr befriedigenden Konzerterlebnis sprechen.
Dies aber ist nicht möglich, da das Chormitglied Wilhelm Seggewiß
sich genötigt sah, in seiner sehr ausführlichen Programmeinführung
einige Kommentare über Komponisten abzugeben, die nicht unwidersprochen
stehen bleiben können.
Wenn sich Seggewiß
der Zugang zu moderner deutscher Musik verwehrt, ist das für ihn bedauerlich.
Daraus aber zu schließen und als allgemein gültig darzustellen,
die modernen Komponisten des deutschen Sprachraums hätten "zumeist
mit musikalischen Traditionen gebrochen, alle Hörgewohnheiten einer
bürgerlichen Musikkultur verachtet und dabei Unerhörtes und manchmal
auch Unhörbares geschaffen", ist ein unhaltbarer Angriff auf Tonschöpfer,
vor dem diese in Schutz genommen werden müssen.
Wenn in diesem Zusammenhang
auch noch Namen wie Paul Hindemith, Alexander von Zemlinski oder Arnold
Schönberg fallen, allesamt Komponisten, die im Namen einer deutschen
Kulturepoche schon einmal zum Schweigen gebracht wurden, muss die Frage
nach einem gewissen Fingerspitzengefühl erlaubt sein.
Wohlgemerkt, niemand ist
verpflichtet, zu jeder Musik und zu jeder Stilrichtung einen Zugang zu
finden. Aber wer öffentlich behauptet, die moderne Musik sei eine
Gratwanderung, auf deren einen Seite "das tiefschürfende deutsche
Tal radikaler Klänge liegt" und auf der anderen Seite "das seichte
Tal des Musicals, in dem Andrew Lloyd Webber lauert" und damit impliziert,
die auf dem Konzertprogramm stehenden Werke heben sich als einzig annehmbar
von diesen beiden extremen ab, muss sich fragen lassen, welches Verständnis
er von Kultur im Allgemeinen und von der Musik im Besonderen hat. Ob er
mit seiner Meinung auf die Zustimmung der durch ihn in den Olymp erhobenen
Komponisten trifft, darf stark bezweifelt werden.
Gerhard Kluth
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