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Gute Musik und schlechte Kommentare
Trierischer Volksfreund, 8. März 2002

Madrigalchor Daun interpretiert angelsächsische Musik

Von Gerhard W. Kluth

Bengel/Daun. Zu einem Konzert mit englischer und amerikanischer Musik hatte der Madrigalchor Daun eingeladen. Neben der Sopranistin Inka Rinn konnte der Chor das Akademische Orchester Bonn als Mitstreiter gewinnen. Das gute musikalische Ergebnis des Konzertes wurde durch unqualifizierte Äußerungen während der Programmeinführung durch ein Chormitglied geschmälert.

Schon seit den siebziger Jahren gibt es den Madrigalchor Daun, zu dem sich damals musikbegeisterte Dauner und Studenten der Sternwarte "Hoher List" zusammengeschlossen haben. Im Jahre 1985 übernahm der Waliser Roy Coppack die Leitung dieses Chores und führte seine Qualitäten soweit, dass öffentliche Konzerte gewagt werden konnten. Musikfreunden wird die Aufführung der Jahreszeiten von Joseph Haydn vor zwei Jahren im Rahmen der Moselfestwochen noch gut in Erinnerung sein.

Unter Coppacks Dirigat hat sich der Chor nun der angelsächsischen Literatur zugewandt und stellte die Ergebnisse in zwei Konzerten in der Klosterkirche Springiersbach und in der Thomas-Morus-Kirche in Daun der Öffentlichkeit vor. Im Mittelpunkt des Programms stand das Requiem von John Rutter, eingebettet in Auszügen von Werken John Stainers und Michael Tippets.

Die Eröffnung übernahm das Akademische Orchester Bonn mit einigen Sätzen aus "Appalachian Spring" des amerikanischen Komponisten Aaron Copland. Von Stainer, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England tätig war, erklangen einige Sätze aus seinem Oratorium "The Crucifixion" und aus Tippetts reichem Schaffen hatte sich der Chor vier Spirituals und eine Sopranarie aus "Ein Kind unserer Zeit" ausgesucht.

Als Solistin hatte man die aus Amerika stammende aber in Deutschland aufgewachsene Sopranistin Inka Rinn verpflichtet. Sowohl in Tippetts Komposition als auch im Requiem konnte sie mit einer makellosen Stimme das Publikum von sich überzeugen. In den Höhen war sie brillant und sehr kultiviert, in tiefen Lagen hatte sie eine warme und angenehme, dabei aber durchsetzungsfähige Stimme.

Der Chor hatte sich offensichtlich sehr gut vorbereitet und meisterte seine durchaus nicht immer leichte Aufgabe mit Bravour. Lediglich an den Stellen, die dem Orchester ein kräftigen Klang abverlangten, fehlte es den Sängern an Volumen, wodurch der Chorklang teilweise zugedeckt wurde.

Alles in allem könnte man eigentlich von einem sehr befriedigenden Konzerterlebnis sprechen. Dies aber ist nicht möglich, da das Chormitglied Wilhelm Seggewiß sich genötigt sah, in seiner sehr ausführlichen Programmeinführung einige Kommentare über Komponisten abzugeben, die nicht unwidersprochen stehen bleiben können.

Wenn sich Seggewiß der Zugang zu moderner deutscher Musik verwehrt, ist das für ihn bedauerlich. Daraus aber zu schließen und als allgemein gültig darzustellen, die modernen Komponisten des deutschen Sprachraums hätten "zumeist mit musikalischen Traditionen gebrochen, alle Hörgewohnheiten einer bürgerlichen Musikkultur verachtet und dabei Unerhörtes und manchmal auch Unhörbares geschaffen", ist ein unhaltbarer Angriff auf Tonschöpfer, vor dem diese in Schutz genommen werden müssen. 

Wenn in diesem Zusammenhang auch noch Namen wie Paul Hindemith, Alexander von Zemlinski oder Arnold Schönberg fallen, allesamt Komponisten, die im Namen einer deutschen Kulturepoche schon einmal zum Schweigen gebracht wurden, muss die Frage nach einem gewissen Fingerspitzengefühl erlaubt sein. 

Wohlgemerkt, niemand ist verpflichtet, zu jeder Musik und zu jeder Stilrichtung einen Zugang zu finden. Aber wer öffentlich behauptet, die moderne Musik sei eine Gratwanderung, auf deren einen Seite "das tiefschürfende deutsche Tal radikaler Klänge liegt" und auf der anderen Seite "das seichte Tal des Musicals, in dem Andrew Lloyd Webber lauert" und damit impliziert, die auf dem Konzertprogramm stehenden Werke heben sich als einzig annehmbar von diesen beiden extremen ab, muss sich fragen lassen, welches Verständnis er von Kultur im Allgemeinen und von der Musik im Besonderen hat. Ob er mit seiner Meinung auf die Zustimmung der durch ihn in den Olymp erhobenen Komponisten trifft, darf stark bezweifelt werden.
 

Gerhard Kluth



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