Aktuelle Pressestimmen 13.11.01
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Wovon schon Mozart begeistert war

Anspruchsvolles zum Auftakt: Stephan Rommelspacher ist neuer Dirigent des Trierer Domchors

Von GERHARD SANDER

Ein Konzert mit Momenten von unerhörter Eindringlichkeit: Werke von Mozart und Allegri im DomFoto: Harald Tittel 
TRIER. Die Trierer Chorlandschaft verändert sich zusehends. Wie der Spee- und der Bachchor in den vergangenen Jahren ist nun auch der Domchor in die Hände eines jungen Dirigenten übergegangen. 

Der Domchor, ältester und traditionsreichster der Trierer Chöre, hat während der letzten 28 Jahre unter Klaus Fischbach di- verse Wettbewerbe erfolgreich bestritten und mehr als eine Einspielung hervorgebracht. Im Konzertleben der Stadt aber spielte er eine untergeordnete Rolle.

Das soll nun anders werden. Stephan Rommelspacher, Chorspezialist aus dem Nest der Regensburger Domspatzen, konfrontiert – ganz in diesem Sinne – den bislang eher konservativ ausgerichteten Klangkörper gleich beim ersten gemeinsamen Konzert mit dem aktuellen Stand der Dinge: mit Solisten von Rang, mit einem Orchester, das auf alten Instrumenten spielt, und mit einem anspruchsvollen Programm von hoher Trennschärfe.

Die Defizite des Chores wurden indessen schon in der Umsetzung von Gregorio Allegris "Miserere" – dankenswerterweise in der großartig archaischen Originalfassung, die schon den jungen Mozart begeisterte – deutlich: Stark ist er im Anlegen und Entwickeln weiter Klangflächen à la Palestrina oder Bruckner. Fein ziseliertes Parlando ist seine Sache nicht. Kein noch so filigranes Fingerspiel am Pult konnte daran etwas ändern.

In Mozarts "Requiem" gibt es sprachlich-artikulatorische Tücken, aber nicht eigentlich zungenbrecherische Wort-Ornamentik. Doch unüberhörbar standen sich hier zwei höchst divergente ästhetische Maximen gegenüber: Ein an nazarenischem Klangideal orientierter Chor und mit dem Münchner Barockensemble "L‘arpa festante" ein Orchester, das sich um historische Spielweise bemüht; eine Intention, welcher Rommelspacher, der im Laufe seiner Wiener Studienjahre mehr als einmal bei den Proben Nikolaus Harnoncourts zugehört hat, ohne Frage nahe steht.

Auch wenn der Brückenschlag nicht durchgehend funktionierte, ergaben sich in dem mit 2000 Zuhörern eindrucksvoll überfüllten Dom doch Momente von un- erhörter Eindringlichkeit; Augenblicke, in denen mit unwiderstehlicher Gewalt die Welt des Jenseits in unseren Alltag einzubrechen scheint: mit milde-rauem Schrei der Barockposaunen und heiserem Gezirpe darmsaitenbespannter Violonen.

Dass Mozarts "Requiem" für die vier Gesangssolisten wenig dankbar ist, dass keine wirklich große Arie existiert, keinerlei Möglichkeit, großflächig einzutauchen, hängt bekanntermaßen mit der Entstehungsgeschichte des Werkes zusammen. Das eher enttäuschende Erscheinungsbild von Ingrid Haselberger, Sopran, Ruth Sandhoff, Alt, JürgenOchs, Tenor, und Locky Chong, Bass, sollte, zumal angesichts der respektablen Biografien, deshalb nicht allzustark gewichtet werden.

Vielleicht zu souverän steuerte Domorganist Josef Still seinen Part zum Konzert bei: Mozarts Fantasie f-Moll (ursprünglich für Orgelwalze) von 1791. Als Bindeglied zwischen Allegris "Miserere" und dem "Requiem" des Zauberflöten-Komponisten schlüssig programmiert, wirkte die Umsetzung in wenig
authentischer Registrierung eine Spur zu routiniert und nebenbei.

Stephan Rommelspacher, das steht fest, wird neue Akzente setzen. Auch wenn sein erstes Konzert mit dem Trierer Domchor davon nur Spurenelemente zeigen konnte: Die Richtung und das Potential sind beeindruckend deutlich geworden.

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