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Kritik
Wovon schon Mozart begeistert
war
Anspruchsvolles zum Auftakt:
Stephan Rommelspacher ist neuer Dirigent des Trierer Domchors
Von GERHARD SANDER
Ein Konzert mit Momenten
von unerhörter Eindringlichkeit: Werke von Mozart und Allegri im DomFoto:
Harald Tittel
TRIER. Die Trierer Chorlandschaft
verändert sich zusehends. Wie der Spee- und der Bachchor in den vergangenen
Jahren ist nun auch der Domchor in die Hände eines jungen Dirigenten
übergegangen.
Der Domchor, ältester
und traditionsreichster der Trierer Chöre, hat während der letzten
28 Jahre unter Klaus Fischbach di- verse Wettbewerbe erfolgreich bestritten
und mehr als eine Einspielung hervorgebracht. Im Konzertleben der Stadt
aber spielte er eine untergeordnete Rolle.
Das soll nun anders werden.
Stephan Rommelspacher, Chorspezialist aus dem Nest der Regensburger Domspatzen,
konfrontiert – ganz in diesem Sinne – den bislang eher konservativ ausgerichteten
Klangkörper gleich beim ersten gemeinsamen Konzert mit dem aktuellen
Stand der Dinge: mit Solisten von Rang, mit einem Orchester, das auf alten
Instrumenten spielt, und mit einem anspruchsvollen Programm von hoher Trennschärfe.
Die Defizite des Chores wurden
indessen schon in der Umsetzung von Gregorio Allegris "Miserere" – dankenswerterweise
in der großartig archaischen Originalfassung, die schon den jungen
Mozart begeisterte – deutlich: Stark ist er im Anlegen und Entwickeln weiter
Klangflächen à la Palestrina oder Bruckner. Fein ziseliertes
Parlando ist seine Sache nicht. Kein noch so filigranes Fingerspiel am
Pult konnte daran etwas ändern.
In Mozarts "Requiem" gibt
es sprachlich-artikulatorische Tücken, aber nicht eigentlich zungenbrecherische
Wort-Ornamentik. Doch unüberhörbar standen sich hier zwei höchst
divergente ästhetische Maximen gegenüber: Ein an nazarenischem
Klangideal orientierter Chor und mit dem Münchner Barockensemble "L‘arpa
festante" ein Orchester, das sich um historische Spielweise bemüht;
eine Intention, welcher Rommelspacher, der im Laufe seiner Wiener Studienjahre
mehr als einmal bei den Proben Nikolaus Harnoncourts zugehört hat,
ohne Frage nahe steht.
Auch wenn der Brückenschlag
nicht durchgehend funktionierte, ergaben sich in dem mit 2000 Zuhörern
eindrucksvoll überfüllten Dom doch Momente von un- erhörter
Eindringlichkeit; Augenblicke, in denen mit unwiderstehlicher Gewalt die
Welt des Jenseits in unseren Alltag einzubrechen scheint: mit milde-rauem
Schrei der Barockposaunen und heiserem Gezirpe darmsaitenbespannter Violonen.
Dass Mozarts "Requiem" für
die vier Gesangssolisten wenig dankbar ist, dass keine wirklich große
Arie existiert, keinerlei Möglichkeit, großflächig einzutauchen,
hängt bekanntermaßen mit der Entstehungsgeschichte des Werkes
zusammen. Das eher enttäuschende Erscheinungsbild von Ingrid Haselberger,
Sopran, Ruth Sandhoff, Alt, JürgenOchs, Tenor, und Locky Chong, Bass,
sollte, zumal angesichts der respektablen Biografien, deshalb nicht allzustark
gewichtet werden.
Vielleicht zu souverän
steuerte Domorganist Josef Still seinen Part zum Konzert bei: Mozarts Fantasie
f-Moll (ursprünglich für Orgelwalze) von 1791. Als Bindeglied
zwischen Allegris "Miserere" und dem "Requiem" des Zauberflöten-Komponisten
schlüssig programmiert, wirkte die Umsetzung in wenig
authentischer Registrierung
eine Spur zu routiniert und nebenbei.
Stephan Rommelspacher, das
steht fest, wird neue Akzente setzen. Auch wenn sein erstes Konzert mit
dem Trierer Domchor davon nur Spurenelemente zeigen konnte: Die Richtung
und das Potential sind beeindruckend deutlich geworden.
Leserbriefe
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