Eine Kaiserin der Instrumente
bittet zur Audienz
Die neue Schuke-Orgel in der Luxemburger Philharmonie ist vollendet und wird mit einem dreitägigen Musikfest am kommenden Wochenende eingeweiht
Von MARTIN MÖLLER
LUXEMBURG. Wenn die Orgel als „Königin der Instrumente“ gilt, dann ist das neue Instrument in der Luxemburger Philharmonie eine Kaiserin. Mit 81 Registern ist es größer als jede Orgel im Raum Trier. Freitag bis Sonntag wird sie mit einem kleinen Musikfest eingeweiht.
„Unendlich glücklich“ fühlt sich Philharmonie-Intendant Matthias Naske über die Vollendung der neuen Orgel – immerhin wurde sie seit Februar des Jahres nach längerer Werkstatt-Vorbereitung an Ort und Stelle aufgebaut. Hoch oben auf der Stirnseite des großen Konzertsaals steht sie nun, imposant und dabei von einer klaren, gradlinigen Opulenz. 81 Register sind auf vier Manuale und Pedal verteilt. Damit ist die Philharmonie-Orgel das zweitgrößte Instrument der Großregion. Im Vergleich dazu nimmt sich die Orgel im Trierer Dom mit 67 Registern geradezu bescheiden aus. Nur die Orgel in der Pfarrkirche Dudelange ist noch größer.
Erbaut wurde das Werk von der Berliner Orgelbaufirma Schuke, die Disposition stammt vom Pariser Sulpice-Titularorganisten und Frankfurter Musikhochschulprofessor Daniel Roth. Eine deutsche Werkstatt und ein französischer Organist, das ist eine spannende Kombination, weil die beiden Nationen traditionell unterschiedliche Orgel-Klangideale kultivieren. Ein Instrument des Ausgleichs und der Begegnung kultureller Traditionen sei diese Orgel, sagte Kulturminister François Biltgen denn auch und zitierte Igor Strawinsky: „Die Tradition sichert die Kontinuität des Schöpferischen“.
Daniel Roth und Schuke-Geschäftsführer Andreas Schulz betonten, dass es sich bei diesem Instrument zwar um eine Universalorgel handele. Aber sie sei weder Kopie eines bereits bestehenden Werks, noch eine unzusammenhängende Registerhäufung. Einen eigenen Charakter besitze sie, „modern, selbstbewusst, wie sie der Raum braucht und zweifellos ein Highlight unserer Werkstatt“, erklärt Schulz, dessen Unternehmen in den letzten Jahren sechs große Konzertorgeln in ganz Europa baute. Auch zwei Trierer Orgeln stammen aus der Berliner Werkstatt: in der Konstantin-Basilika und in der Abteikirche St. Matthias.
Der erste akustische Eindruck ist durchweg eindrucksvoll. Die Orgel klingt homogen, aber nicht stumpf, bietet eine ungemein reiche Palette, ermöglicht kontinuierliche Veränderungen im Klangcharakter, vor allem nahtlose Manual-Übergänge. Französische und deutsche Orgelsymphonik, aber auch deutscher Spätbarock sind bei ihr bestens aufgehoben.
Am Samstag ein
„Tag der offenen Tür“
Vom kommenden Freitag an bittet die Kaiserin zur Audienz. Dann beginnt in der Philharmonie ein dreitägiges Musikfest zu Einweihung. Zur Eröffnung spielt Daniel Roth am 11. November, 20 Uhr, Werke von Widor, Mendelssohn Bach, Vierne, Franck und eine eigene Improvisation. Am Samstag findet ab 15.30 Uhr ein „Tag der offenen Tür“ statt. Zehn luxemburgische Organisten werden auf der Orgel ihre persönlichen Stil- und Interpretationsvorstellungen präsentieren. Außerdem erläutert Andreas Schulz interessierten Besuchern die neue Orgel. Der Sonntag, 13. November, 20 Uhr, gehört der ungewöhnlichen Kombination Orgel-Klavier. Thierry Escaich an der Orgel und Francesco Schlimé, Flügel, spielen Musik von Langlais, Widor, Debussy und eigene Werke. Das Musikfest leitet zudem eine kleine Konzertreihe mit bedeutenden Organisten ein: Guy Bovet (14. Dezember), Thomas Trotter (4. Februar) und Bernhard Haas (5. Mai).
Was geschieht mit dem Instrument, wenn die Eröffnungsfeierlichkeiten und die Konzertreihe vorbei sind? Dazu hält sich Matthias Naske noch bedeckt, deutet aber immerhin an, dass auch Organisten aus dem Trierer Raum dann zum Zuge kommen können.