Trier. Es war eine Meldung, wie sie uns häufig erreicht und die einen Moment lang inne halten lässt. Petr Eben, tschechischer Komponist, geboren 1929, ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Wieder ist das Leben eines großen Musikers zu Ende gegangen, hat ein vielbeachteter Künstler die Weltbühne verlassen. Für die Stadt und die Region Trier aber bedeutet die Meldung mehr. Mit dem Tod Petr Ebens hat die Region einen Freund verloren, der gerne an die Mosel kam, dessen Augen leuchteten, wenn er auf Trier und auch auf Bernkastel-Kues angesprochen wurde. Wie sehr Eben mit unserer Region verbunden war, hat er in zwei Kompositionen dokumentiert. Zum einen verfasste er zum 25jährigen Jubiläum der Trierer Domorgel das „Campanae gloriosae“, ein Opus, bei dem er die Töne des Domgeläutes für die Orgel bearbeitete. Zum anderen stellte die Uraufführung seiner Kantate „Cusanus-Meditation“ einen glanzvollen Höhepunkt des Cusanusfestes 2001 in Bernkastel-Kues dar.
Petr Eben
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Petr Eben wurde 1929 im böhmischen Žamberk (Senftenberg) geboren. Sein Leben war von zahlreichen Schwierigkeiten gekennzeichnet, die ihm von außen gemacht wurden. Ab 1938 war es zunächst die Tatsache, dass sein Vater jüdischer Abstammung war, weshalb man ihn der Schule verwies. Eine schwere Einschränkung stellte auch die Tatsache dar, dass die musikalische Familie kein Radio mehr besitzen durfte. Andererseits förderte dieser Umstand Petr Ebens Liebe zur Kammermusik. Früh schon hatte Eben Klavierunterricht und bildete mit seinem Vater (Violine) und seinem Bruder am Violoncello in dieser Zeit ein Klaviertrio. Auch entdeckte er in dieser Zeit die Orgel für sich. 1945 wurde er zusammen mit seinem Bruder in einem Nebenlager des KZ Buchenwald interniert. Ab 1948 studierte Eben an der Prager Universität, an der er ab 1955 auch selbst lehrte. Hier nun erwuchsen dem bekennenden Katholiken die Probleme aus der Stalinisierung des Landes. In einem TV-Gespräch im Jahre 2001 sagte Eben zu diesem Thema: „Nie habe ich verheimlicht, dass ich gläubig bin. Und so musste ich die sich daraus ergebenden Folgen in Kauf nehmen.“ Schnell aber war am im damaligen „Westen“ auf den Namen Eben aufmerksam geworden, stellte sich, soweit dies möglich war, vor den Komponisten, unterstützte ihn. Dies geschah in Kompositionsaufträgen oder etwa in Gastdozenturen, wie in Manchester in den Jahren 1978/79. Der Zusammenbruch des kommunistischen Regimes verhalf Eben dann endlich zu der Position, die ihm zukam. 1989 erhielt er eine Professur an der Prager Karls-Universität.
Petr Eben ist in erster Linie bekannt geworden als Komponist für die Orgel, die für ihn auch erklärter Maßen sein Hauptinstrument war. Er dokumentierte dies auch dadurch, dass er zu seinem Examen 1954 ein Konzert für Orgel und Orchester verfasste. Diese neutrale Bezeichnung war mit Blick auf die kirchenfeindliche Umgebung die offizielle Version. Intern nannte Eben das Werk „Symphonia Gregoriana“. Neben den Orgelwerken aber hat der Träger des Preises der europäischen Kirchenmusik aus dem Jahre 2000 auch eine gewaltige Anzahl von Werken hinterlassen, die nichts mit der Orgel zu tun haben. Bühnen- und Balletmusik gehört genauso dazu wie Kammermusik in den verschiedensten Besetzungen, eine Sinfonie und eine große Anzahl von Chorwerken.
Die Bedeutung Ebens gerade auch für die deutsche Kirchenmusik wurde 1998 durch die Verleihung des Kunst- und Kulturpreises der deutschen Katholiken durch den Mainzer Kardinal Karl Lehmann dokumentiert. In seiner damaligen Ansprache würdigte der Kardinal die Kompositionen von Petr Eben als „Wegweiser für die Musik in der Kirche“. Gleichzeitig bescheinigte er dankbar dem Komponisten, dass er mit seiner Musik und seiner Lebensgeschichte für die Versöhnung des tschechischen und des deutschen Volkes eingetreten ist.
Der Mensch Petr Eben hat die Weltbühne verlassen, hat seinen Frieden gefunden. Seine Musik aber wird über die Generationen hinweg nicht zuletzt auch im Bistum Trier die Erinnerung an einen großen Künstler, einen überzeugten Christen und für die, die ihn persönlich kennen lernen durften, an einen warmherzigen Menschen lebendig halten.
Gerhard W. Kluth