Mit freundlicher Genehmigung aus dem Trierischen Volksfreund: - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:53

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Zurück zu den Wurzeln

Hunsrücker Organist mit internationalem Renommée: Gerhard Paulus gastiert in der Trierer Konstantin-Basilika

HAUSEN/Trier. (gkl) Der fünfte Abend im Rahmen des Orgelkonzertzyklus in der Trierer Konstantin-Basilika wurde von Gerhard Paulus gestaltet. Der aus dem Hunsrück stammende Kirchenmusiker ist seit vielen Jahren Kantor im schwäbischen Winnenden. Mit seinem Gastspiel an der Mosel kehrte er gleichsam zu den Wurzeln seines Musikerlebens zurück.

Alljährlich findet in der Konstantin-Basilika in Trier der Sommerzyklus der Orgelkonzerte statt, in dem sich in neun Konzerten national und international renommierte Organisten ein Stelldich-ein geben. Die internationalen Vertreter kommen in diesem Jahr aus Schweden, Italien, England und Amerika. Der Solist des letzten Konzertes, Gerhard Paulus, ist der Organist der Schlosskirche St. Jakobus in Winnenden bei Stuttgart. Für ihn war das Konzert gewissermaßen ein Heimspiel.

Zwar zog der studierte Kirchenmusiker und Theologe schon 1980 aus, um in Mannheim und Heidelberg zu studieren, seine Wurzeln in der Hunsrückgemeinde Hausen (Landkreis Birkenfeld) hat er jedoch nie vergessen. So war seine Familie unter den zahlreichen Zuhörern seines Konzertes auch entsprechend stark vertreten.

Paulus zählt zu den Organisten, deren Renommée längst internationale Dimensionen angenommen hat. Sowohl als Organist wie auch als Chorleiter ist er im europäischen Ausland ein gern gesehener Gast.

Das zeigt auch eine Konzertreise, die er mit seiner Kantorei im Jahre 2000 entlang dem Jakobspilgerweg in Spanien unternommen hat. Sein Trierer Konzert war in gewisser Weise auch eine Reise zurück zu den Wurzeln, erhielt er den ersten Orgelunterricht doch vom ehemaligen Trierer Kirchenmusikdirektor Ekkehard Schneck eben an der Orgel der Konstantin-Basilika.

Improvisationen und italienische Romantik

Sein Programm hatte Paulus, wie er selbst vor dem Konzert seinem Publikum erläuterte, symmetrisch aufgebaut. Im Zentrum befanden sich mit zwei Choralvorspielen über "Dies sind die heiligen zehn Gebot" und der Fantasie c-moll (BWV 678, 679 und 537) drei Werke des Thomaskantors Johann Sebastian Bach. Eröffnet wurde das Konzert durch das dramatische "Pièce heroique" des italienischen Romantikers Marco Enrico Bossi und durch "Thema mit Variationen" des Berliner Improvisationsprofessors Wolfgang Seifen.

Nach Christian Heinrich Rincks "Variationen über ein Thema von Arcangelo Corelli" hatte Paulus als Finalstück seines Vortrages "Prélude et fugue sur le nom d'ALAIN" des französischen Meisters Maurice Duruflé gesetzt, dessen 100. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert. Duruflé setzte mit diesem Werk dem Komponisten Jehan Alain ein Denkmal, der mit 29 Jahren ein Opfer des Zweiten Weltkrieges wurde.

Paulus gestaltete seine Interpretation sehr aussagekräftig und mit viel Liebe zum Detail. Unter dem Aspekt, dass die Basilika-Orgel von ihrer Größe her eigentlich gar nicht für die Darstellung dieser Art französisch-symphonischer Musik konzipiert ist, muss man sein Spiel als besonders gelungen betrachten.

Den Höhepunkt des Abends hatte Paulus in das Zentrum seines Programms gesetzt. Die beiden Bachschen Choralvorspiele gerieten ihm zu einer grundsätzlichen theologischen Ausdeutung des zu Grunde liegenden Textes. Im ersten, als Kanon verfassten, Choralvorspiel betonte er die eherne Größe und Strenge und symbolisierte damit gleichsam das grundlegende Gesetz der zehn Gebote, dem jeder Christenmensch unterliegt. Das kleiner gefasste zweite Choralvorspiel, diesmal von Bach als Fughetta gesetzt, zeigte in seiner beschwingten Art aber auch, dass trotz der strengen Richtlinien dem Menschen ein fröhliches Leben nicht verwehrt ist.

Gegensätze bestimmten auch Fantasie und Fuge c-moll. Der genaue Entstehungszeitpunkt dieses Werkes liegt im Dunkeln, fest steht jedoch, dass die Komposition nur als Fragment überliefert und wahrscheinlich von Bachs Schüler Johann Ludwig Krebs vollendet wurde. Sehr feinfühlig arbeitete Paulus über seine Registrierungen und auch über die Artikulation die Gegensätze heraus.

Während in der Fantasie immer wieder Schmerz- und Klagemotive zum Vorschein kamen, bestimmten in der Fuge chromatisch verlaufende Auferstehungsgedanken das Geschehen. Paulus ließ hier die im Glauben verankerte Zuversicht aufleuchten, freilich ohne in lärmenden Optimismus zu verfallen.

Der Hunsrücker Schwabe hinterließ mit seinem Konzert eine sehr aussagekräftige Visitenkarte, die ihn als versierten Kirchenmusiker auswies, der großen Wert auf den Blick hinter das Notenbild legt. Sein Publikum in der Basilika dankte ihm mit langem, herzlichen Applaus.  

Gerhard Kluth



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