Die sächsische Orgelwelt
Ein umfangreicher Bildband befasst sich mit dem Schaffen Gottfried Silbermanns
Am 4. August war, kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen, der 250. Todestag von Gottfried Silbermann, dem wohl bedeutendsten Orgelbauer in den neuen Bundesländern. Am 14. Januar 1683 in Kleinbobritsch geboren, hat er, wie kein anderer, die Orgellandschaft Sachsen geprägt. Viele seiner insgesamt 50 erbauten Instrumente sind bis in unsere Tage erhalten geblieben. Freilich muss, betrachtet man das sächsische Schaffen des Meisters, die Opuszahl um vier Instrumente reduziert werden, handelt es sich bei diesen Orgeln doch um diejenigen, die in der Straßburger Werkstatt seines Bruders und unter dessen Mitarbeit entstanden sind.
Lange Zeit waren die Orgelfreunde, nicht zuletzt wegen des eisernen Vorhangs, der das Schaffensgebiet des Orgelbauers umschloss, auf die beiden berühmten, aber dennoch im Verlauf der Zeit recht veralteten Bücher von Ulrich Dähnert (Die Orgeln Gottfried Silbermanns) und Ernst Flade (Gottfried Silbermann) angewiesen, um sich ein Bild von Silbermanns Arbeiten zu machen. Umso verdienstvoller ist ein neuer, umfangreicher Band, erstellt von Prof. Dr. Frank-Harald Gress, Orgelsachverständiger und Präsidiumsmitglied der Gottfried Silbermann Gesellschaft in Freiberg/Sachsen. Mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Freistaat Sachsen, die als Herausgeber fungiert und der Gesellschaft der Orgelfreunde ist ein hochkarätiges, reich bebildertes Buch entstanden, das auf 182 Seiten alles Wissenswerte über die erhaltenen und auch die nicht erhaltenen Instrumente Silbermanns in seinem Innern birgt. Zu allen Orgeln gibt es reichhaltige Informationen, die sich nicht in der Disposition und der Entstehungsgeschichte erschöpfen, sondern auch dezidierte Angaben über Winddruck, Stimmung des Instrumentes (inkl. Centzahlen) und Werdegang des Objektes bis in unsere Tage enthält. Für Leser, die sich in den Fachtermini des Orgelbaus nicht so zuhause fühlen, befindet sich im Anhang des Bandes ein auf Silbermann bezogenes kleines Orgellexikon.
Vorangestellt sind der Einzeldarstellung der Instrumente zwei Artikel, die sich mit dem Königreich Sachsen zu Silbermanns Zeiten sowie mit der Persönlichkeit des Meisters befassen. Die, fast durchgängig farbigen, Fotografien von Michael Lange sind von überragender Qualität und verleiten leicht dazu, das Buch auch dann zur Hand zu nehmen, wenn man nicht unbedingt den umfangreichen Textteil studieren möchte. Dieses Buch ist in zweifacher Hinsicht sehr empfehlenswert. Zum einen gibt Gress einen ausgezeichneten Einblicke in die Orgelwelt Sachsens und in die Werkstätte Silbermanns, mit denen der Orgelbegeisterte sein Bild über die deutschen Orgellandschaften komplettieren kann, zum anderen kann es auch als ein Reiseführer für all diejenigen nützlich sein, die schon immer einmal dem Elbsandsteingebirge, dem Erzgebirge oder aber Dresden einen Besuch abstatten wollten.
Frank-Harald Gress
Die Orgeln Gottfried Silbermanns
M. Sandstein Verlag
182 Seiten
ISBN 3-930382-34-2
Preis: 30,60 Euro,
Für Mitglieder der GdO oder der Gottfried Silbermann Gesellschaft 19,95 Euro
Erhältlich ist das Buch über den Buchhandel oder bei der Gottfried Silbermann Gesellschaft unter www.silbermann.org
Gerhard W. Kluth