Orgeln für Gott und die Welt
Orgelbau Jäger & Brommer gewinnt Preis der Deutschen Außenwirtschaft
Das Markenzeichen „Made in Germany“ hat nach wie vor auf der ganzen Welt einen guten Ruf. Deutsche Maschinen, deutsche Autos, vieles von dem, was unsere Industrie produziert, ist auf dem ganzen Globus gefragt. Nur von der Industrie?
Nein, auch das deutsche Handwerk hat seine Bedeutung im Außenhandel der Bundesrepublik. Einer der ältesten Handwerkszweige, der das Markenzeichen Germany in die Welt hinausgetragen hat, dürfte der Orgelbau sein. Lang ist die Tradition, das Instrumente aus deutschen Werkstätten in anderen Ländern erklingen. Den Anfang hierbei, zumindest soweit man es heute noch eruieren kann, machte der Hamburger Meister Arp Schnitger, der nicht nur seine Instrumente in die benachbarten Niederlande und nach Skandinavien lieferte. Bereits 1690 entstand ein Instrument für England, es folgten 1691 und 1697 Orgeln für den damaligen Großfürsten und späteren Zaren Peter der Große in Moskau, 1701 erbaute er mindestens zwei Orgeln für Portugal, von denen eine, allerdings ohne sein eigenes Zutun, sogar den Weg nach Brasilien fand und bis heute dort erklingt.
Wenn dies für die damalige Zeit auch mit Sicherheit eine Ausnahme ist, so belegt es doch anschaulich, wie sehr deutsche Instrumente schon in Zeiten, in denen von Außenhandel in seiner heutigen Bedeutung noch nicht die Rede sein konnte, hier eine Vorreiterrolle gespielt haben. Weltweit spielte der deutsche Orgelbau dann eine große Rolle im ausgehenden 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts. Instrumente der großen deutschen Firmen E. F. Walcker in Ludwigsburg und Johannes Klais in Bonn, um nur zwei zu nennen, fanden ihre Abnehmer in ganz Europa und auch auf dem amerikanischen Kontinent. Nach der Zäsur der unglückseligen Weltkriege konnten die Orgelbaufirmen recht schnell an ihre Erfolge anknüpfen und diese Ausbauen. Neben den USA war es jetzt vor allem Asien, von wo ein regelrechter Run auf europäische und hier nicht zuletzt auf deutsche Orgeln startete. 1965 baute die Firma Walcker, um auch hier nur ein Beispiel mit Alleinstellungsmerkmal zu nennen, in Tokio weltweit die erste Orgel für einen buddhistischen Tempel in Tokio. Inzwischen ist für so manche Orgelbaufirma das Exportgeschäft ein wichtiges und tragfähiges Standbein geworden, dass, wenn man sich die Auftragsbücher einmal ansieht, teilweise die Existenz des ganzen Betriebes sichert. Es gibt renommierte Firmen, von denen man in der deutschen Orgelwelt kaum noch etwas hört, die aber vor allem im nichteuropäischen Ausland einen Auftrag nach dem Anderen abwickeln. Ohne diese Aufträge wäre schon mancher große Name in unserem Orgelbau nur noch Geschichte.
Quasi stellvertretend für das ganze Gewerbe ist nun die Firma Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer mit dem Preis der Deutschen Außenwirtschaft 2007 ausgezeichnet worden. Anerkennung findet damit die Exporttätigkeit dieser Firma und all ihrer Kollegen, die sich vielleicht nicht in großem Maßstab in der Außenhandelsbilanz der Bundesrepublik niederschlägt, aber, anders als etwa eine Industriemaschine, in der Öffentlichkeit Beachtung findet. Eine Druckstraße oder andere Industriegüter verschwinden nach der Lieferung hinter den Mauern des belieferten Betriebes. Eine Orgel aber steht im Blickpunkt aller, die den Kirchen- oder Konzertraum besuchen. Sie macht sichtbar und hörbar Werbung für unser Land.
Der Trierer Orgelpunkt gratuliert der Firma Jäger & Brommer herzlich und druckt nachfolgend die offizielle Pressemitteilung der Preisverleihung ab.
„Der Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer, eine Meisterwerkstatt für Orgelbau, hat den Preis der Deutschen Außenwirtschaft 2007 gewonnen. Er wurde zur Eröffnung des 7. Deutschen Außenwirtschaftstages am 13. November im Congress Centrum Bremen verliehen. Der Preis - er ist einzigartig in Deutschland - wurde zum fünften Mal vergeben. Erstmals wurde ein Handwerksbetrieb für seine herausragenden internationalen Leistungen ausgezeichnet. Den zweiten Platz errang die Inros Lackner AG aus Bremen für den Export von Ingenieurdienstleistungen. Auf den dritten Platz kam das Magdeburger Unternehmen Amroc Baustoffe GmbH, das, so die Jury, Qualität statt Arbeitsplätze exportiert.
Das 1988 gegründete Orgelbau-Unternehmen mit 18 Beschäftigten gilt weltweit als eine der ersten Adressen auf dem Gebiet des Neubaus und der Restaurierung von Pfeifenorgeln und Musikwerken. Die Jäger & Brommer-Orgeln spielen in Asien, in den USA, Australien und Europa. Sie tragen den großen Namen Waldkirchs als „die Orgelbauerstadt“ in die weite Welt. Die Jury zeigte sich von der intelligenten Strategie der beiden Gründer und Orgelbaumeister Heinz Jäger und Wolfgang Brommer beeindruckt. Sie haben ein „mutiges Konzept“ für den Weltmarkt entwickelt und sind ein „Paradebeispiel dafür, dass auch kleine Unternehmen, insbesondere Handwerksbetriebe, in weltweiten Nischenmärkten erfolgreich sein können.“ Derzeit bauen Jäger & Brommer zum Beispiel eine Kathedral-Orgel für Qingdao in China, eine Kirchenorgel für Nagoya in Japan und eine Konzertorgel für die Hong Sung Kirche in Seoul. In handwerklich traditioneller Weise, aber auch mit stetem Augenmerk auf technische Innovationen, werden wie früher sämtliche Bauteile einzeln hergestellt und bürgen so für hohe Qualität.
Auftraggeber von Jäger & Brommer sind Kirchen, Konzertbühnen, Musikhochschulen, Museen, aber auch Privatleute. Das zweite Arbeitsfeld ist entsprechend der großen Tradition in Waldkirch (seit 1799) der Bau und die Restaurierung von mechanischen Musikwerken wie Drehorgeln, Jahrmarktsorgeln und Orchestrione. Heinz Jäger ist der Urenkel der weltweit berühmten Orchestrionfabrik Geb. Weber in Waldkirch.
„Das ist ein schöner Tag für uns“, sagte Orgelbaumeister Wolfgang Brommer. „Der Preis ist für unsere Arbeit sehr wichtig und wir freuen uns riesig.“ 32 Unternehmen haben sich in diesem Jahr für die Auszeichnung beworben, mehr als jemals zuvor. „Die Rekordmarke unterstreicht, wie bedeutsam diese Anerkennung für außenwirtschaftliche Leistungen in Deutschland mittlerweile geworden ist“, so Ernst Rieso, Projektleiter der veranstaltenden Messe Bremen. „Die vorherigen Preisträger haben unisono stark von der Marketing-Wirkung profitiert. Dies wiederum hat das Renommee des Preises ein ums andere Mal erhöht.“
Auslober sind die Träger des Deutschen Außenwirtschaftstages: der Bundesverband des Deutschen Exporthandels, der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels, der Bundesverband der Deutschen Industrie, die deutschen Auslandshandelskammern und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, die Handelskammer Bremen und der Senat der Freien Hansestadt Bremen. In der Jury sitzen Vertreter des BGA, DIHK, BDI und der Handelskammer Bremen.
Der 7. Deutsche Außenwirtschaftstag findet am 13. und 14. November 2007 im Congress Centrum Bremen statt. In sechs Fachforen bietet er hervorragende Einstiegshilfen für weltweit interessierte Unternehmen. Wo verborgene Geschäftschancen winken und wie man sie richtig nutzt, erläutern in kompakter Form Dutzende Experten. Dazu gibt es erstmals eine Kooperationsbörse. „Mit Kooperation erfolgreich im Ausland“ lautet das große Thema, das von allen Seiten beleuchtet wird. Eröffnet wird der Außenwirtschaftstag vom jordanischen König Abdullah II. Die Veranstaltung in Bremen ist ein zentrales Forum der Außenwirtschaft, ein Treffpunkt der Export- und Importbranche, von Experten, Insidern und Fachverbänden mit der Politik.“
Gerhard W. Kluth