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Der Trierer Orgelpunkt berichtet mit einem Artikel von Kantor Martin Bambauer erstmals ausführlich über das Vorhaben.
Das große internationale Renommée der Konstantin-Basilika als Konzertsätte für Orgelmusik
liegt in erster Linie in der einzigartigen Möglichkeit begründet, diesen gewaltigen Kirchenraum durch Orgelmusik zum Klingen zu bringen. Gerade diese Verbindung von Instrument und Raum ist es, die seit über dreißig Jahren weltweit renommierte Künstler und ein großes Publikum anzieht.
Leider fehlt der Basilika gegenwärtig ein Instrument, das dem Raum mit seinen hervorragenden orgel-akustischen Möglichkeiten und seiner historischen Tragweite wirklich gerecht wird. Die große romantische Ibach / Weigle-Orgel an der Südwand der Basilika fiel zusammen mit der ganzen Innenausstattung des Raumes dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Als Nachfolgeinstrument entstand eine sehr schöne, aber nur begrenzt einsetzbare Chororgel, die lediglich 30 Register besitzt und auf der sich ein Großteil der Orgelliteratur entweder gar nicht oder nur mit un-seriösen künstlerischen Kompromissen darstellen lässt.
Die Basilika bietet mit ihrer Nachhallzeit von rund 7 Sekunden akustische Bedingungen, die den großen europäischen Kathedralen in nichts nachstehen. Dieser Raum ist ideal für die großen symphonischen Orgelwerke der Romantik und Moderne, wie etwa Franz Liszt, Charles-Marie Widor, Max Reger oder Olivier Messiaen sie geschaffen haben.
So ist in Zusammenarbeit von Landesregierung, Landeskirche und Ev. Kirchengemeinde Trier sowie unter Hinzuziehung namhafter Fachberater im Orgel- und Baubereich ein symphonisches Instrument im Begriff Gestalt anzunehmen, das umfassende klangliche und technische Möglichkeiten anbietet und deutsche, französische sowie englische Charakteristika in sich vereint.
In der Ev. Kirche im Rheinland wird mit dem Bau dieser Orgel im südrheinischen Bereich ein markanter Akzent gesetzt. Denn es wird nicht nur eine große künstlerische Lücke geschlossen, sondern auch dem liturgischen Einsatz von Orgelmusik in der Basilika werden neue äußerst wertvolle Möglichkeiten eröffnet.
Einer der ältesten, sicher aber der repräsentativste evangelische Kirchenraum der Rheinischen Landeskirche bekommt wieder eine Hauptorgel, die dem Status des Raumes wirklich entspricht – ein Raum, den der preußische König Friedrich Wilhelm IV. als Pendant zum Kölner Dom verstanden wissen wollte.
Im Rahmen des Festgottesdienstes am 3. September 2006 zum Doppeljubiläum der Basilika (Übergabe der ehemaligen römischen Palastaula als Ev. Kirche vor 150 Jahren, Wiederaufbau als Ev. Kirche vor 50 Jahren) wurde das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Trierischen Volksfreund vom 4.9.06 heißt es: „Sozialministerin Malu Dreyer brachte als Geburtstagsgeschenk aus Mainz die Zusage mit, dass das Land den Löwenanteil bei der Neuanschaffung der von der evangelischen Gemeinde ersehnten sinfonischen Orgel tragen werde.[..].“ Triers Oberbürgermeister Helmut Schröer sagte in seinem Grußwort zu, dass auch die Stadt sich finanziell am Orgelkauf beteiligen werde.“ Mit großer Dankbarkeit nahmen das Presbyterium der Ev. Kirchengemeinde Trier sowie die Mitglieder der landesseitig eingesetzten Arbeitsgruppe diese Ankündigungen zur Kenntnis.
Im Zusammenhang mit dem aufwändigen Bauprojekt in einem historisch so bedeutsamen Raum gibt es natürlich noch sehr viele Fragen zu klären, die Bereiche wie Akustik, Bauphysik, klimatische Bedingungen, Aufstellungsort und –art sowie nicht zuletzt die Klanglichkeit und architektonische Gestaltung des Instruments betreffen. Fest steht zum jetzigen Zeitpunkt, dass die neue Hauptorgel ihren Standort an der Südwand der Basilika erhalten soll – quasi als Wiedergewinnung der verlorengegangenen Orgel des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Die Schuke-Orgel wird indessen bestehen bleiben und soll nach wie vor regelmäßig in Gottesdienst und Konzert erklingen. Bei Vorhandensein eines „Komplementärinstrumentes“ wird es aber nun möglich, auf dieser Orgel nur die Musik zu spielen, die ihrem neobarocken Klangcharakter wirklich entspricht, d.h. die Aufführungspraxis von Orgelmusik in der Basilika wird authentischer und seriöser. Zudem kann die Orgel in ihrer Eigenschaft als Chororgel sowohl gemeinsam als auch im liturgischen Wechsel mit der neuen Orgel musizieren.
Sobald es konkrete Neuigkeiten zur neuen Basilikaorgel gibt, werden Sie davon im TOP lesen.
Trierischer Volksfreund am 08.09.2006
Große Lösung ist da
Von unserem Mitarbeiter
Gerhard W. Kluth
TRIER. Zum Geburtstag eine Orgel. Über ein solches Geschenk kann sich die evangelische Kirchengemeinde Trier freuen. Hinter dem Projekt eines Orgelneubaus in der Konstantinbasilika steckt mehr als nur die Bereicherung des musikalischen Lebens der Stadt Trier.
Trotz eines Orgelneubaus wird sie ihren Wert nicht verlieren: die Schukeorgel. Foto: Gerhard W. Kluth
Es war wohl, zumindest für die Masse der Besucher beim Festakt zum Doppeljubiläum der Konstantinbasilika in Trier, eine große Überraschung, die sich hinter den eigentlich schlichten Worten verbarg. Malu Dreyer, in Trier wohnhafte Ministerin im Mainzer Kabinett, verkündete der Festgesellschaft, dass die Landesregierung beschlossen habe, ihren finanziellen Anteil zum Bau einer neuen Orgel in der Basilika zu leisten.
Es solle eine große, sinfonische Orgel werden, mit der es auch möglich sein wird, romantische und zeitgenössische Musik stilgerecht darzustellen, und die vor allem die Kraft besitzt, den riesigen Raum wirklich zu füllen. Oberbürgermeister Helmut Schröer sagte anschließend, dass die Stadt sich an den Kosten ebenfalls beteiligen werde. Die Pläne für eine große Orgel sind nicht neu, und das heute vorhandene Instrument wäre schon 1962 so nicht gebaut worden, wenn nicht die damalige Denkmalpflege so rigoros auf der dann ausgeführten, unscheinbaren Lösung bestanden hätte. Kein Zweifel: Das in der Palastaula vorhandene Werk aus der Werkstatt Karl Schuke aus Berlin ist von ausgezeichneter Qualität, großem Reiz und besitzt einen beeindruckenden, einzigartigen Klangcharakter. Nur ist es für die über 54 000 Kubikmeter umbauten Raum zu klein. Als nach dem Wiederaufbau der Basilika nach Ideen gesucht wurde, wie man die musikalische Frage lösen könne, war neben Schuke auch der Hamburger Orgelbauer Rudolf von Beckerath nach Vorschlägen gefragt worden. Von ihm ist belegt, dass er, als die heutige Version auf die Zustimmung der Denkmalschützer stieß, gesagt hat: "Wenn Sie dort im Fenster eine Orgel bauen wollen, dann ohne mich. Dieser Raum braucht eine große Lösung."
Die finanziellen Zusagen von Land und Stadt werden vielfältige Auswirkungen haben. Zunächst natürlich auf dem musikalischen Sektor. Zwar ist Trier eine höchst lebendige Orgelstadt wie kaum eine andere in der Bundesrepublik. Aber trotz der zahlreichen schönen und guten Instrumente, die vorhanden sind, fehlt doch eines, das wirklich für die romantisch-sinfonische Literatur geeignet ist. Hier tut sich eine einmalige Chance auf, denn die "kleine" Schukeorgel mit ihrem barocken Potenzial bleibt erhalten. Die Orgel wird auch zu einem Anziehungspunkt bei den Besuchern werden. Die Zahl der reiselustigen Orgelfreunde ist gewaltig.
Zusammen mit den anderen Orgeln der Stadt und dem organologisch sehr interessanten Umfeld können Synergieeffekte entstehen, von denen auch die Ferienregion profitieren kann. Auf diesem Weg ist das Geschenk der Landesregierung und der Stadt Trier nicht nur für Kantor Martin Bambauer ein Grund, sich zu freuen. Er wird jetzt die schwierige Aufgabe haben, zusammen mit den Gremien die richtige Firma ausfindig zu machen, die mit den nicht unkomplizierten Gegebenheiten der Basilika umzugehen weiß.
Martin Bambauer
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Orgelneubau in der Trierer Konstantin-Basilika
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