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Der heutige Kirchenbau steht auf den Fundamenten einer antiken Kirche, die zusammen mit dem Dom die riesige konstantinische Kirchenanlage bildete. Spätestens zu Beginn des 13. Jahrhunderts jedoch war dieser antike Bau des 4. Jahrhunderts baufällig und wurde abgebrochen.
Unter Erzbischof Theoderich von Wied (1212-1242) wurde mit einem Neubau begonnen. Der Baubeginn ist allerdings nicht eindeutig gesichert. Während die Forschung früher von „um 1235“ ausging, hat sich inzwischen die Frühdatierung „um 1227“ durchgesetzt. Dies hat folgenden Grund: die Elisabethkirche in Marburg gilt als Schwesterbau der Liebfrauenkirche, da deren architektonische Einzelheiten die gleiche Bauhütte oder aber die Kenntnis der Trierer Kirche voraussetzten. Die Grundsteinlegung in Marburg erfolgte am 14. August 1235. Nun wissen wir aber heute, daß beim Bau der Elisabethkirche die Maßeinheit des Trierer Fußes benutzt wurde. Somit konnte in Marburg bereits auf die architektonischen Lösungen der Trierer Liebfrauenkirche zurückgegriffen werden. Unstreitig ist hingegen die Beteiligung von Bauleuten der Bauhütte der Kathedrale im französischen Reims, denn viele der in Reims vorgegebenen architektonischen Einzelformen werden in Liebfrauen teilweise eins zu eins umgesetzt; jedoch keineswegs als Kopie. Denn als Zentralbau folgt Liebfrauen ganz anderen Grundsätzen als eine Kathedrale.
Eine erste Bauphase dauerte bis etwa 1242/43. Dann ging dem Kapitel von Liebfrauen das Geld aus. Große Teile waren allerdings schon vollendet. Um 1260 war der Bau in seiner heutigen Gestalt vollendet.
Ein ehemals spitzer Turmhelm, der alle anderen Türme der Stadt überragte, wurde nach seinem Einsturz infolge eines Sturmes 1631 durch das heutige niedrige Dach ersetzt. Nach der französischen Besetzung Triers seit 1794 wurde das Stift aufgelöst. Stattdessen wurde Liebfrauen 1803 Pfarrkirche der Pfarrei St. Laurentius, deren Kirche (an die Basilika angebaut) im Zuge der Säkularisation abgerissen wurde.
Ende des Jahres 1859 begann man mit einer großangelegten Restaurierung der Kirche, die sich mit Unterbrechungen bis in die 1890erJahre hinzogen. Von 1859 bis 1864 leitete der Trierer Architekt Christian Schmidt die Arbeiten, ab 1864 hatte Vinzenz Statz, einer der bedeutendsten Vertreter der rheinisch-kölnischen Neugotik die Oberleitung.
Nach schwersten Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges wurde die Liebfrauenkirche unter Leitung des Trierer Architekten Heinrich Otto Vogel von 1946 bis 1951 wiederhergestellt. Rudolf Schwarz aus Köln entwarf die neue liturgische Anordnung mit dem Altar im Zentrum der Kirche: es ist eines der frühesten Beispiele dieser Art, weit vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils. Auch die Verglasung, vor allem die des Chores, verdient Beachtung: sie wurde von Jaques Le Chevallier aus Frankreich ab 1953 ausgeführt. Das Geläute besteht aus vier Glocken mit der Tonfolge a’-h’-cis’’-e’’, gegossen 1951 von der Glockengießerei Otto in Bremen-Hemelingen.
Im Januar 2008 wurde die Liebfrauenkirche für etwa zwei Jahre geschlossen, um die dringend notwendige Restaurierung durchzuführen. Der Wiedereinzug ist für Weihnachten 2009 geplant.
Wichtigste Literatur in Auswahl:
(Foto:Gehäuse der Liebfrauen-Orgel, heute in Üxheim/Eifel).
In den „Kunstdenkmälern der Rheinprovinz“ heißt es: „Die Orgel befand sich ursprünglich im nördlichen Querhaus über der Tür zum Paradies“ (Lothary). Da die französischen Verwalter des eingezogenen Kirchengutes die Orgel von Liebfrauen verkauft hatten, brachte die Pfarrei Laurentius 1803 ihre Orgel aus der alten Pfarrkirche – sie stand neben der Konstantin-Basilika - herüber und stellte sie im Westchor des Hauptschiffes auf.
Die Orgel hatte drei Laden, ein kleines Positiv und unter den Registern 3 Zungen: Trompete, Vox humana und Krummhorn. Die fehlende Bombarde sollte auf die leere Schleife der Pedallade gesetzt werden. Die beiden Principale standen im Prospekt. Als Erbauer kommen Stumm und Nollet in Frage; eine Gewissheit gibt es nicht. Die drei Engelsköpfe in den Konsolen der Hauptwerksrundtürme weisen auf Nollet hin. Wir finden diese Konsolen auch an den Nollet-Orgeln in Tholey, Trier St. Simeon (heute Metz, Notre-Dame), und Trier Afrakloster (heute Weidingen). 1843 wurde diese Orgel der Liebfrauenkirche durch Versteigerung nach Üxheim (Eifel) verkauft, wo das Gehäuse heute noch steht.
Nachdem das Werk im I. Weltkrieg durch die Pfeifenabgabe schon Einbußen erlitten hatte, wurde es im II. Weltkrieg mit der Kirche so schwer beschädigt, dass es in den Nachkriegsjahren durch eine Klais–Orgel ersetzt werden musste. Dieses Werk war für drei Manuale, Pedal und 45 Register geplant, wovon aber nur 15 ausgebaut wurden.
Hauptorgel
Die Orgelplanung in der Liebfrauen- und Laurentius-Kirche nahm am 26.5.1950 ihren Anfang. Anlässlich eines Ortstermines betonte Pfarrer Jonas, dass er sich eine „gut proportionierte Orgel, die sich allerdings der bedeutenden Architektur der Kirche einfügen muss“, wünsche. In der Aktennotiz von Hans Klais heißt es weiter: „Die Westwand, wo die alte Orgel gestanden hat, kommt nicht mehr in Frage. Andernfalls könne er [Pfarrer Jonas] sich eine Orgel noch an der Südwand des Querschiffes, an den drei dort befindlichen Nischen ohne Fenster denken. Prof. Schwarz hätte auch einmal an die Aufstellung an der Stirnwand des Chores gedacht, wobei zunächst das dortige, kleine Portal aus architektonischen Gründen freigelassen werden und ferner auf die Fenster Rücksicht genommen werden müsste. […] Der Opferaltar soll bis in die Vierung vorgezogen werden. [...] Nach der Besichtigung der Kirche und einigen Aufnahmen habe ich ihm [Pfarrer Jonas] erklärt, dass zunächst eine kleine Chororgel unentbehrlich erscheine, die man am besten beiderseits des dortigen Eingangs nach Ausbrechen entsprechender Nischen im Mauerwerk unterbringe. Die Hauptorgel wäre räumlich dem Augenschein nach am leichtesten an der südlichen Wand des Querschiffes in den genannten drei Nischen unterzubringen, wobei die Stufen in dem Umgang ruhig verwandt werden dürfen.“
Dieses, anlässlich des ersten Ortstermins aufgestellte Grundkonzept wird während des gesamten Zeitraums der Planung Gültigkeit behalten. Die Grundrissskizze zeigt die Stellungen der ausgeführten, zweigeteilten Chororgel sowie der komplett geplanten, jedoch nicht realisierten Hauptorgel.
Hans Klais schreibt weiter: „Hinsichtlich der Hauptorgel war ich aufgrund des in der Kirche zuletzt gewonnenen Eindrucks bestrebt, nur das Mittelfeld des südlichen Querschiffes in Anspruch zu nehmen, weil, wie Sie mir dann selbst an Ort und Stelle bestätigten, der Raum weniger belastet wird, als wenn wir drei Felder überschneiden. Es war allerdings hierzu notwendig, die Disposition der Hauptorgel von den bisher vorgeschlagenen 42 Registern auf 35 Register zu beschränken.“
In enger Zusammenarbeit zwischen Architekt Rudolf Schwarz, der mit dem Wiederaufbau der Liebfrauenkirche betraut ist, seinem Mitarbeiter Wimmenauer, Architekt Hengesberg (der Adressat des oben zitierten Schreibens), Pfarrer Jonas und Hans Klais entsteht die Konzeption einer Orgel für den ausgewählten Standort: ein Instrument, das die 35 Register auf Positiv, Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal verteilt.
Disposition:
I. Brustwerk C-g’’’
Anmerkung:Im Herbst 2007 wird die Liebfrauenkirche zu Innenrenovierungsarbeiten für einige Jahre geschlossen werden. Im Zuge dieser Arbeiten wird ein Orgelneubau für die Kirche geplant.
Disposition:
Die Chororgel ist in eigens dafür geschaffenen Nischen, die mit Holz verkleidet sind, fast unsichtbar untergebracht.
Auf der linken Seite ist das Positiv mit den beiden Pedalregistern 16' und 4' angeordnet, auf der rechten Seite findet das Hauptwerk mit den beiden 8'-Pedalregistern Aufstellung. Das Instrument verfügt über elektrische Kegelladen. Der dreimanualige, freistehende Spieltisch sieht bereits die Ansteuerung der Hauptorgel vor.
Disposition:
Sebastian Schritt (Kunstgeschichte) und Josef Still (Orgelgeschichte)
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Die Trierer Liebfrauenkirche
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