Merkblatt für Pfarrer, Küster, Organisten und Kirchenverwaltungen
Kirchenheizungen haben schon eine Menge wertvoller Orgeln ruiniert.
Daher ist ist richtiges Heizen und Lüften äußerst wichtig für Orgeln. Der
"Trierer Orgelpunkt" präsentiert hier ein schon vor vielen Jahren erschienenes
Merkblatt mit Regeln zum Heizen und Lüften von Räumen mit Orgeln in der kalten
Jahreszeit:
I. Langsam aufheizen (1° C pro Stunde)
II. Niedrige Höchsttemperatur wählen
III. Luftfeuchtigkeit kontrollieren (40 - 70 %)
Die kalte Jahreszeit führt bei vielen Orgeln (unterschiedlichen Alters und
verschiedener Orgelbauer) zu vermehrten Schäden und manchmal sogar zum
Totalausfall. Ursache dafür sind meist ungünstige Heizungssysteme, die zudem oft
falsch bedient werden. Die Schäden hierdurch an Orgeln betragen in jedem Jahr
alleine mehrere Millionen Euro. Deshalb ist es dringend erforderlich, dass schon
bei der Planung von Heizungsneu- und -umbauten Architekten und Heizungsfachleute
den zuständigen Orgelsachverständigen zur Beratung heranziehen.
Stellen Sie das Heizungsgebläse immer nur auf die niedrigste Stufe!
Ein starker Luftzug verursacht besonders leicht Trocknungsschäden.
Wenn sich die Instrumente im unmittelbaren Bereich des zirkulierenden Luftstromes
von Warmluftheizungen befinden, ist die Gefahr von Trocknungsschäden besonders
groß, vor allem, wenn die Heizung unsachgemäß bedient und kurzfristig zu stark
hochgeheizt wird. Da die Orgeln meistens auf Emporen stehen, sind die Temperatur-
und Luftfeuchtigkeitsunterschiede noch wesentlich höher als im Kirchenschiff, da
warme Luft bekanntlich nach oben steigt. Holz kann bei unterschiedlichen
Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen stark arbeiten. Die Folgen zu schnellen
und starken Aufheizens sind daher, abgesehen von unangenehmen Verstimmungen,
mögliche Veränderungen an allen Holzteilen einer Orgel (aber auch am Altar, der
Kanzel und anderen Massivholzteilen) bis hin zu Rissbildungen. Dies kann zu
"Heulern" und anderen Störungen führen. Aber auch bleibende Schäden von
erheblichen finanziellen Ausmaßen sind nicht auszuschließen. Insbesondere an der
Traktur (Verbindung von der Taste zur Pfeife) können sich schon kleine
Witterungsunterschiede bemerkbar machen, da sie sehr fein einreguliert ist.
Durch umsichtigen Umgang mit der Heizung können den Gemeinden mancher Ärger und
hohe Reparaturkosten erspart bleiben.
Folgende Hinweise sollten daher dringend beachtet werden:.
1. Die Kirchen müssen behutsam aufgeheizt werden (nicht mehr als 1°C pro Stunde)
und auch möglichst langsam abkühlen. Häufig ist es besser, schon zwei Tage vor
dem Gottesdienst oder einer Veranstaltung mit dem allmählichen Aufwärmen der
Kirche zu beginnen.
Äußerst schädlich ist das weitverbreitete "späte" Heizen der Kirche, z.B. am
Samstagabend oder sogar erst am Sonntagmorgen. Den damit beabsichtigten
Einsparungen stehen in der Regel weit höhere Orgelreparaturkosten gegenüber.
Außerdem verursachen die durch das Temperaturgefälle entstehenden Luftströmungen
("Zug") oft eine starke Verschmutzung der gesamten Kirche. Falls die
Luftfeuchtigkeit innerhalb des Toleranzbereiches von 40 bis 70 % gehalten werden
kann, ist das Durchheizen mit einer konstanten Niedrigtemperatur von etwa 70° C
während der gesamten kalten Jahreszeit empfehlenswert. Da dann die Wände und
Bänke zu Gottesdienstzeiten weniger Kälte abstrahlen, kann meist die Temperatur
im Kirchenschiff auf 12 - 16° C begrenzt bleiben. Ein derart vernünftiges
Heizverhalten wirkt sich zudem finanziell und ökologisch günstig aus.
2. Bei Frost darf man nicht lüften. Dagegen sollte ein wärmerer Regentag zwischen
Frosttagen bei Bedarf zum intensiven Lüften genutzt werden.
3. Ein Heizen des Orgelplatzes belastet das Raumklima weniger. Gerade aber in
Orgelnähe muss dies mit viel Umsicht geschehen. Jedes direkte Bestrahlen von
Holzteilen mit Heizstrahlern ist zu vermeiden. Es führt zu Rissbildungen - bis
hin zur Verkohlung! Wirkungsvoll und ungefährlich ist der Gebrauch eines kleinen
Heizlüfters unter der Orgelbank, der die erwärmte Luft In Richtung Füße bläst.
Besser und dabei genauso wirkungsvoll sind gebläselose, elektrische Heizkörper
ohne freiliegende Glühdrähte.
4. Die Kontrolle der Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig. Eine Luftfeuchtigkeit,
die in der Heizperiode und in trockenen Sommermonaten unter 40 % absinkt,
gefährdet die Orgel und alle Kunstgegenstände.
Befeuchtungsanlagen sind teuer und benötigen intensive Wartung. Zur Steigerung
der Luftfeuchtigkeit helfen häufig schon mit Wasser gefüllte Zink- oder
Kunststoffwannen in den Heizungsschächten des Warmluftaustritts oder in der
Orgel, das Aufstellen von großflächigen Verdunstungswannen auf der Empore sowie
das Vergießen von Wasser (auf Holzböden). Diese Behälter müssen natürlich
regelmäßig nachgefüllt werden. Eine deutliche Wirkungssteigerung bei der
Verdunstung erzielt man durch ein in die Wanne hängendes Tuch (um eine Leiste
gewickelt), in welchem das Wasser aufsteigen kann. Ein Thermometer sowie ein
gutes Haarhygrometer (das regelmäßig nachgeeicht werden muss) oder ein
elektronisches Gerät (erhältlich beim Optiker oder im Kaufhaus) sollten unbedingt
im Orgelbereich zur Kontrolle angebracht sein; die Werte sollten in einem
Kontrollbuch aufgeschrieben werden.
5. Unzureichende Heizungsanlagen müssen nachgerüstet oder gegen energiesparende
und bewährte Systeme (Warmwasser-Bankheizung, Fußbodentemperierung,
"Warmluft-Stationen") ausgetauscht werden, die vor allem die Menschen und nicht
die Raumluft beheizen. Die Kosten für eine bessere Heizung (und
Wärmedämmmaßnahme) rechnen sich sowohl wegen der Energieeinsparung als auch wegen
weit geringerer Raumverschmutzung. Innenrenovierungen und Orgelausreinigungen
sind dann sehr viel seltener nötig. Besonders dringlich ist der Einbau einer
Aufheiz- und Abkühlautomatik sowie in kritischen Fällen eines Hygrostatschalters
mit Messfühler auf der Orgelempore, der die Aufheizung dann verzögert, wenn ein
kritischer Luftfeuchtewert unterschritten wird. Bei Warmluftheizungen bringt ein
Umdrehen des Kreislaufs der Luftzirkulation oft Abhilfe, um einen Hitzestau auf
der Orgelempore zu vermeiden.
6. Die Orgelsachverständigen sind jederzeit bereit, weitere Auskünfte und
Ratschläge zu geben. Bitte wenden Sie sich an diese.