Richtiges Heizen und Lüften - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:56

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Richtiges Heizen und Lüften
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Merkblatt für Pfarrer, Küster, Organisten und Kirchenverwaltungen

Kirchenheizungen haben schon eine Menge wertvoller Orgeln ruiniert. Daher ist ist richtiges Heizen und Lüften äußerst wichtig für Orgeln. Der "Trierer Orgelpunkt" präsentiert hier ein schon vor vielen Jahren erschienenes Merkblatt mit Regeln zum Heizen und Lüften von Räumen mit Orgeln in der kalten Jahreszeit:

I. Langsam aufheizen (1° C pro Stunde)

II. Niedrige Höchsttemperatur wählen

III. Luftfeuchtigkeit kontrollieren (40 - 70 %)

Die kalte Jahreszeit führt bei vielen Orgeln (unterschiedlichen Alters und verschiedener Orgelbauer) zu vermehrten Schäden und manchmal sogar zum Totalausfall. Ursache dafür sind meist ungünstige Heizungssysteme, die zudem oft falsch bedient werden. Die Schäden hierdurch an Orgeln betragen in jedem Jahr alleine mehrere Millionen Euro. Deshalb ist es dringend erforderlich, dass schon bei der Planung von Heizungsneu- und -umbauten Architekten und Heizungsfachleute den zuständigen Orgelsachverständigen zur Beratung heranziehen. Stellen Sie das Heizungsgebläse immer nur auf die niedrigste Stufe! Ein starker Luftzug verursacht besonders leicht Trocknungsschäden.

Wenn sich die Instrumente im unmittelbaren Bereich des zirkulierenden Luftstromes von Warmluftheizungen befinden, ist die Gefahr von Trocknungsschäden besonders groß, vor allem, wenn die Heizung unsachgemäß bedient und kurzfristig zu stark hochgeheizt wird. Da die Orgeln meistens auf Emporen stehen, sind die Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsunterschiede noch wesentlich höher als im Kirchenschiff, da warme Luft bekanntlich nach oben steigt. Holz kann bei unterschiedlichen Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen stark arbeiten. Die Folgen zu schnellen und starken Aufheizens sind daher, abgesehen von unangenehmen Verstimmungen, mögliche Veränderungen an allen Holzteilen einer Orgel (aber auch am Altar, der Kanzel und anderen Massivholzteilen) bis hin zu Rissbildungen. Dies kann zu "Heulern" und anderen Störungen führen. Aber auch bleibende Schäden von erheblichen finanziellen Ausmaßen sind nicht auszuschließen. Insbesondere an der Traktur (Verbindung von der Taste zur Pfeife) können sich schon kleine Witterungsunterschiede bemerkbar machen, da sie sehr fein einreguliert ist.

Durch umsichtigen Umgang mit der Heizung können den Gemeinden mancher Ärger und hohe Reparaturkosten erspart bleiben.

Folgende Hinweise sollten daher dringend beachtet werden:.

1. Die Kirchen müssen behutsam aufgeheizt werden (nicht mehr als 1°C pro Stunde) und auch möglichst langsam abkühlen. Häufig ist es besser, schon zwei Tage vor dem Gottesdienst oder einer Veranstaltung mit dem allmählichen Aufwärmen der Kirche zu beginnen. Äußerst schädlich ist das weitverbreitete "späte" Heizen der Kirche, z.B. am Samstagabend oder sogar erst am Sonntagmorgen. Den damit beabsichtigten Einsparungen stehen in der Regel weit höhere Orgelreparaturkosten gegenüber. Außerdem verursachen die durch das Temperaturgefälle entstehenden Luftströmungen ("Zug") oft eine starke Verschmutzung der gesamten Kirche. Falls die Luftfeuchtigkeit innerhalb des Toleranzbereiches von 40 bis 70 % gehalten werden kann, ist das Durchheizen mit einer konstanten Niedrigtemperatur von etwa 70° C während der gesamten kalten Jahreszeit empfehlenswert. Da dann die Wände und Bänke zu Gottesdienstzeiten weniger Kälte abstrahlen, kann meist die Temperatur im Kirchenschiff auf 12 - 16° C begrenzt bleiben. Ein derart vernünftiges Heizverhalten wirkt sich zudem finanziell und ökologisch günstig aus.

2. Bei Frost darf man nicht lüften. Dagegen sollte ein wärmerer Regentag zwischen Frosttagen bei Bedarf zum intensiven Lüften genutzt werden.

3. Ein Heizen des Orgelplatzes belastet das Raumklima weniger. Gerade aber in Orgelnähe muss dies mit viel Umsicht geschehen. Jedes direkte Bestrahlen von Holzteilen mit Heizstrahlern ist zu vermeiden. Es führt zu Rissbildungen - bis hin zur Verkohlung! Wirkungsvoll und ungefährlich ist der Gebrauch eines kleinen Heizlüfters unter der Orgelbank, der die erwärmte Luft In Richtung Füße bläst. Besser und dabei genauso wirkungsvoll sind gebläselose, elektrische Heizkörper ohne freiliegende Glühdrähte.

4. Die Kontrolle der Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig. Eine Luftfeuchtigkeit, die in der Heizperiode und in trockenen Sommermonaten unter 40 % absinkt, gefährdet die Orgel und alle Kunstgegenstände. Befeuchtungsanlagen sind teuer und benötigen intensive Wartung. Zur Steigerung der Luftfeuchtigkeit helfen häufig schon mit Wasser gefüllte Zink- oder Kunststoffwannen in den Heizungsschächten des Warmluftaustritts oder in der Orgel, das Aufstellen von großflächigen Verdunstungswannen auf der Empore sowie das Vergießen von Wasser (auf Holzböden). Diese Behälter müssen natürlich regelmäßig nachgefüllt werden. Eine deutliche Wirkungssteigerung bei der Verdunstung erzielt man durch ein in die Wanne hängendes Tuch (um eine Leiste gewickelt), in welchem das Wasser aufsteigen kann. Ein Thermometer sowie ein gutes Haarhygrometer (das regelmäßig nachgeeicht werden muss) oder ein elektronisches Gerät (erhältlich beim Optiker oder im Kaufhaus) sollten unbedingt im Orgelbereich zur Kontrolle angebracht sein; die Werte sollten in einem Kontrollbuch aufgeschrieben werden.

5. Unzureichende Heizungsanlagen müssen nachgerüstet oder gegen energiesparende und bewährte Systeme (Warmwasser-Bankheizung, Fußbodentemperierung, "Warmluft-Stationen") ausgetauscht werden, die vor allem die Menschen und nicht die Raumluft beheizen. Die Kosten für eine bessere Heizung (und Wärmedämmmaßnahme) rechnen sich sowohl wegen der Energieeinsparung als auch wegen weit geringerer Raumverschmutzung. Innenrenovierungen und Orgelausreinigungen sind dann sehr viel seltener nötig. Besonders dringlich ist der Einbau einer Aufheiz- und Abkühlautomatik sowie in kritischen Fällen eines Hygrostatschalters mit Messfühler auf der Orgelempore, der die Aufheizung dann verzögert, wenn ein kritischer Luftfeuchtewert unterschritten wird. Bei Warmluftheizungen bringt ein Umdrehen des Kreislaufs der Luftzirkulation oft Abhilfe, um einen Hitzestau auf der Orgelempore zu vermeiden.

6. Die Orgelsachverständigen sind jederzeit bereit, weitere Auskünfte und Ratschläge zu geben. Bitte wenden Sie sich an diese.



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