Der Orgelbau
blickt auf eine weit über 2000-jährige Geschichte zurück
und gehört damit zu einem der traditionsreichsten Zweige im Kunsthandwerk.
Sind doch die drei Grundelemente der Orgel mit ihrer Erfindung im hellenistischen
Alexandria um das Jahr 270 v. Chr. bis heute im Prinzip die gleichen geblieben:
-
Die Tonerzeugung durch Pfeifen
-
Das Herstellen eines regulierbaren
Winddrucks mittels Blasbälgen bzw. Pumpen
-
Die mechanische Steuerung der
Windzufuhr
Die Pfeifen wurden aus Flöten
entwickelt, eine seit Jahrtausenden bekannte Tonerzeugung bei allen Völkern
und Kulturen, z. B. die Panflöte, heute noch in Südosteuropa
gebräuchlich; später erfolgte die Bündelung von mehreren
Flöten, auch wieder Panflöte genannt. Bei den Indianern Südamerikas
wurden die Flöten aus Zinn gefertigt. Im 1. Jahrtausend v. Chr. fand
eine entscheidende Weiterentwicklung statt durch Erfindung der Klappen
und Schalllöcher; das ist bei den Hebräern bekannt (siehe 1.
Buch Mose 4.21: Und sein Bruder hieß Jubal; von ihm sind herkommen
die Geiger und Pfeifer).
In heutigen großen
Orgeln wird ein Register mit kräftigem, durchdringenden Flötenklang
gebaut, welches Jubalflöte genannt wird.
Die mechanische Winderzeugung
– zunächst mittels lederner Säcke (wie Schmiedebälge) –
war wohl schon vor der Erfindung der Orgel bekannt.
Siehe Talmud: Tractat Erachin.
(10,2) „Eine Magrepha war im Tempel ...(wohl eine Art Signalinstrument).
Eine entscheidende Erfindung
erfolgte durch den Mathematiker Klesibios (1. Hälfte des 3. Jh. v.
Chr.) in Alexandria: Die mechanische Steuerung des Windes durch Ventile
und Vorrichtung zur Stabilisierung des Winddruckes. Der Name dieses Instrumentes
war Hydraulos (Hydor = Wasser, Aulos = Flöte).
Wasser wurde hierbei zur
Stabilisierung des Windes verwendet, mit den Flöten wurden die Töne
erzeugt.
Funktion der Wasserorgel:
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Registerkanzellen mit Drehventilen
-
Tonschleifen mit Hornfedern
verbunden
-
Winderzeugung durch Kolbenpumpen
mit Rückschlagventilen
-
Reservoir und Stabilisierung
im „Dom“ über einem Wasserbehälter
-
Pfeifen aus Bronze oder Messing.
Verwendung:
Bei den Griechen zur Unterhaltung
(bei Wettspielen und Dionysien nur vereinzelt)
Bei den Römern nur
zur Unterhaltung und im Zirkus (Quellen: Vitruv: de architektura. Hero:
Pneumatica)
Dieses Instrument blieb am
Hof von Byzanz in der ursprünglichen Form erhalten, verschwand dagegen
zunächst im weströmischen Reich. Es existieren noch Teile der
ältesten Wasserorgel, die man in Pompeji und Aquincum (Stadtteil von
Budapest) ausgegraben hat (auch aus der Region Trier
ist die Wasserorgel bekannt).
Beispiele einiger Orgeln
in Süddeutschland und Franken:
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757 Orgel als Geschenk von Kaiser
Konstantinus Compranymos in Byzanz an König Pipin
-
812 Orgel für den Dom in
Aachen
-
826 Orgel für die Pfalz
in Aachen durch einen venezianischen Priester gebaut
-
880 Brief von Papst Johannes
VIII (872-882) an Bischof Anno von Freising um eine recht gute Orgel nebst
einem Künstler, der sie stimmen, spielen und Musikkunde geben kann,
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980 der Mönch Gerbert –
Lehrer Kaiser Otto´s III und spätere Papst Sylvester II. (999-1003)
schreibt von Musik und der Kunst des Orgelbaues
-
951 Orgel in Winchester mit
2 Klaviaturen mit je 20 Tasten, 400 Pfeifen und 26 (?) Bälgen
Zur Technik dieser Orgeln (vgl.
hierzu unser Orgellexikon):
wahrscheinlich noch Tonschleifen,
keine Registerzüge, schwere Mechanik, d. h. teilweise wurden die Tasten
mit Fäusten und Ellbogen „geschlagen“, daher der heute noch verwendete
Begriff „Orgel schlagen“.
Blockwerksklang (Principalplenum)
Um 1000 haben fast alle Kirchen
mit Bischofssitz Orgeln. 1361 ensteht im Dom von Halberstadt eine Orgel
mit 3 Manualen und Pedal.
Ab dem 15. Jh. wurden entscheidende
Verbesserungen realisiert. Gegen Ende und Anfang des 16. Jh. bilden sich
die Grundstrukturen, wie sie auch heute noch im Orgelbau gültig sind.
In der Folgezeit werden klare Stilkriterien herausgebildet die sich an
der jeweiligen Landschaft, deren Kulturgeschichte und deren musikalischen
Anforderungen orientieren.
Im 19. Jh werden die ersten
raumfüllenden Orgeln für Kathedralen und Konzertsäle gebaut
einhergehend mit technischen Entwicklungen unter Verwendung der Pneumatik
und Elektrizität. Der französische Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll
schafft mit seinen Orgelwerken die Grundlage für die Entstehung eines
sinfonischen Orgelstils und inspiriert dadurch ganze Generationen von Organisten
wie zum Beispiel Charles-Marie Widor, Felix-Alexandre Guilmant, Louis Vierne
oder Marcel Dupré und Maurice Duruflé.
Zu Beginn des 20. Jh. erfolgt
mit der sogenannten Orgelreform eine Rückbesinnung auf die Hochblüte
im Früh- und Hochbarock und auf die Musik J. S. Bachs, der der elsässische
Reformgedanke vorausging. Ein bedeutender Verfechter dieser Ideen war Albert
Schweitzer. Man versuchte in die damals allgemein übliche Bauweise
der spätromantischen Orgel barocke Elemente einzugliedern, um polyphone
Musik besser darstellen zu können.
In der Gegenwart: Positive
Neubewertung des romantisch-sinfonischen Orgelbaues des 19. und beginnenden
20. Jh. mit den Überschneidungen durch die Orgelreform (siehe oben)
– Umkehr des elsässischen Reformgedankens.
Aus: Festschrift Eisenbarth-Orgel
Freudenburg 2001.
Herzlichen Dank dem Pfarramt
Freudenburg für die Erlaubnis zur Veröffentlichung
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