Ein kurzer Abriss der Geschichte der Orgel - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:40

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Ein kurzer Abriss der Geschichte der Orgel
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Der Orgelbau blickt auf eine weit über 2000-jährige Geschichte zurück und gehört damit zu einem der traditionsreichsten Zweige im Kunsthandwerk. Sind doch die drei Grundelemente der Orgel mit ihrer Erfindung im hellenistischen Alexandria um das Jahr 270 v. Chr. bis heute im Prinzip die gleichen geblieben:

  • Die Tonerzeugung durch Pfeifen
  • Das Herstellen eines regulierbaren Winddrucks mittels Blasbälgen bzw. Pumpen
  • Die mechanische Steuerung der Windzufuhr
Die Pfeifen wurden aus Flöten entwickelt, eine seit Jahrtausenden bekannte Tonerzeugung bei allen Völkern und Kulturen, z. B. die Panflöte, heute noch in Südosteuropa gebräuchlich; später erfolgte die Bündelung von mehreren Flöten, auch wieder Panflöte genannt. Bei den Indianern Südamerikas wurden die Flöten aus Zinn gefertigt. Im 1. Jahrtausend v. Chr. fand eine entscheidende Weiterentwicklung statt durch Erfindung der Klappen und Schalllöcher; das ist bei den Hebräern bekannt (siehe 1. Buch Mose 4.21: Und sein Bruder hieß Jubal; von ihm sind herkommen die Geiger und Pfeifer). 

In heutigen großen Orgeln wird ein Register mit kräftigem, durchdringenden Flötenklang gebaut, welches Jubalflöte genannt wird.
Die mechanische Winderzeugung – zunächst mittels lederner Säcke (wie Schmiedebälge) – war wohl schon vor der Erfindung der Orgel bekannt. 
Siehe Talmud: Tractat Erachin. (10,2) „Eine Magrepha war im Tempel ...(wohl eine Art Signalinstrument).

Eine entscheidende Erfindung erfolgte durch den Mathematiker Klesibios (1. Hälfte des 3. Jh. v. Chr.) in Alexandria: Die mechanische Steuerung des Windes durch Ventile und Vorrichtung zur Stabilisierung des Winddruckes. Der Name dieses Instrumentes war Hydraulos (Hydor  = Wasser, Aulos   = Flöte).
Wasser wurde hierbei zur Stabilisierung des Windes verwendet, mit den Flöten wurden die Töne erzeugt.

Funktion der Wasserorgel:

  • Registerkanzellen mit Drehventilen
  • Tonschleifen mit Hornfedern verbunden
  • Winderzeugung durch Kolbenpumpen mit Rückschlagventilen
  • Reservoir und Stabilisierung im „Dom“ über einem Wasserbehälter
  • Pfeifen aus Bronze oder Messing.
Verwendung: 
Bei den Griechen zur Unterhaltung (bei Wettspielen und Dionysien nur vereinzelt)
Bei den Römern nur zur Unterhaltung und im Zirkus (Quellen: Vitruv: de architektura. Hero: Pneumatica)

Dieses Instrument blieb am Hof von Byzanz in der ursprünglichen Form erhalten, verschwand dagegen zunächst im weströmischen Reich. Es existieren noch Teile der ältesten Wasserorgel, die man in Pompeji und Aquincum (Stadtteil von Budapest) ausgegraben hat (auch aus der Region Trier ist die Wasserorgel bekannt). 

Beispiele einiger Orgeln in Süddeutschland und Franken:

  • 757 Orgel als Geschenk von Kaiser Konstantinus Compranymos in Byzanz an König Pipin
  • 812 Orgel für den Dom in Aachen
  • 826 Orgel für die Pfalz in Aachen durch einen venezianischen Priester gebaut
  • 880 Brief von Papst Johannes VIII (872-882) an Bischof Anno von Freising um eine recht gute Orgel nebst einem Künstler, der sie stimmen, spielen und Musikkunde geben kann,
  • 980 der Mönch Gerbert – Lehrer Kaiser Otto´s III und spätere Papst Sylvester II. (999-1003) schreibt von Musik und der Kunst des Orgelbaues
  • 951 Orgel in Winchester mit 2 Klaviaturen mit je 20 Tasten, 400 Pfeifen und 26 (?) Bälgen
Zur Technik dieser Orgeln (vgl. hierzu unser Orgellexikon):
wahrscheinlich noch Tonschleifen, keine Registerzüge, schwere Mechanik, d. h. teilweise wurden die Tasten mit Fäusten und Ellbogen „geschlagen“, daher der heute noch verwendete Begriff „Orgel schlagen“.
Blockwerksklang (Principalplenum)

Um 1000 haben fast alle Kirchen mit Bischofssitz Orgeln. 1361 ensteht im Dom von Halberstadt eine Orgel mit 3 Manualen und Pedal.

Ab dem 15. Jh. wurden entscheidende Verbesserungen realisiert. Gegen Ende und Anfang des 16. Jh. bilden sich die Grundstrukturen, wie sie auch heute noch im Orgelbau gültig sind. In der Folgezeit werden klare Stilkriterien herausgebildet die sich an der jeweiligen Landschaft, deren Kulturgeschichte und deren musikalischen Anforderungen orientieren.
Im 19. Jh werden die ersten raumfüllenden Orgeln für Kathedralen und Konzertsäle gebaut einhergehend mit technischen Entwicklungen unter Verwendung der Pneumatik und Elektrizität. Der französische Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll schafft mit seinen Orgelwerken die Grundlage für die Entstehung eines sinfonischen Orgelstils und inspiriert dadurch ganze Generationen von Organisten wie zum Beispiel Charles-Marie Widor, Felix-Alexandre Guilmant, Louis Vierne oder Marcel Dupré und Maurice Duruflé. 

Zu Beginn des 20. Jh. erfolgt mit der sogenannten Orgelreform eine Rückbesinnung auf die Hochblüte im Früh- und Hochbarock und auf die Musik J. S. Bachs, der der elsässische Reformgedanke vorausging. Ein bedeutender Verfechter dieser Ideen war Albert Schweitzer. Man versuchte in die damals allgemein übliche Bauweise der spätromantischen Orgel barocke Elemente einzugliedern, um polyphone Musik besser darstellen zu können. 

In der Gegenwart: Positive Neubewertung des romantisch-sinfonischen Orgelbaues des 19. und beginnenden 20. Jh. mit den Überschneidungen durch die Orgelreform (siehe oben) – Umkehr des elsässischen Reformgedankens.

Aus: Festschrift Eisenbarth-Orgel Freudenburg 2001. 
Herzlichen Dank dem Pfarramt Freudenburg für die Erlaubnis zur Veröffentlichung



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