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Viele Unbekannte vom Polarkreis im Gepäck
Katrin Meriloo spielte in der Basilika ein Programm mit zahlreichen deutschen Erstaufführungen
TRIER. (gkl) Die Organistin Katrin Meriloo brachte zum zweiten Abend der Basilikakonzerte neben Altbekanntem der Orgelliteratur Werke von sehr selten gespielten Komponisten mit nach Trier.
Wer sie besuchen möchte, muss schon sehr weit fahren. Katrin Meriloo, die Solistin des zweiten Abends der Basilikakonzerte lebt im schwedischen Piteå, unweit des Polarkreises. Dort unterrichtet die aus Tallinn stammende Organistin an der Luleå Universität, an der sie auch ihr Konzertexamen ablegte. Zahlreiche Konzertverpflichtungen führten sie schon in etliche europäische Länder. Das nächste große Ziel ist der amerikanische Kontinent, den die junge Estin von der Region der Mitternachtssonne aus erobern will.
Die technischen und musikalischen Voraussetzungen für eine derartige Unternehmung bringt die 1974 geborene Künstlerin mit, das bewies sie in jeder Hinsicht überzeugend bei ihrem Trierer Konzert. Wenn auch ihr Programm inhaltlich ein wenig den berühmten roten Faden vermissen ließ, so zeugte das klangliche Ergebnis von einer großen musikalischen Reife.
Dabei stellte sie ihrem Publikum nicht nur Altbekanntes der Orgelliteratur vor, sondern auch etliche Komponistennamen, die, wenn überhaupt, nur sehr selten auf Konzertprogrammen zu finden sind. Vertreten waren neben César Franck und Nikolaus Bruhns der Este Peeter Süda, der Ungar Zsolt Gárdonyi und die beiden Finnen Jean Sibelius und Oskar Merikanto.
Während das Eröffnungswerk, die Intrada Opus 111a von Sibelius ein ganz und gar orchestral gedachtes Werk aus der letzten Schaffensperiode des Komponisten verkörperte, zeigte Merikantos Passacaglia fis-moll, dass hier ein durch und durch von der Orgel her denkender Tonschöpfer am Werk war. In Meriloos Interpretation erinnerte das 1907 entstandene Opus 80 des in Helisinki beheimateten Organisten und Kapellmeisters der Finnischen Oper an den frühen Meister der Chaconne, Pachelbel, verbunden mit der Tonsprache eines Max Reger oder eines Sigfrid Karg-Elerts. Hier wie auch in Francks Fantasie A-Dur war erstaunlich zu beobachten, wie viele romantische Klanganteile Meriloo der eigentlich ganz und gar nicht romantischen Basilikaorgel entlocken konnte.
Den stilistisch aus einer ganz anderen Richtung kommenden Höhepunkt des Abends aber stellte das Präludium G-Dur von Bruhns dar. Mustergültig zum Instrument passend, konnte man hier eine Solistin erleben, deren Herz offensichtlich für den norddeutschen Barockmeister schlägt. Dezidiert stellte sie ihren Zuhörern vor, was sie unter einem Stylus phantasticus versteht und wie kunstvoll Bruhns den vielstimmigen Kontrapunkt verarbeitet hat. Souverän spielte sie jede Verzierungsmöglichkeit aus, ohne das Werk zu überfrachten, gestaltete es trotz seiner Komplexität sehr durchsichtig und für jeden nachvollziehbar.
Langer, sehr herzlicher Applaus war der Dank für ein Konzert, das wesentlich mehr Zuhörer verdient hätte.
Gerhard Kluth
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