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Kostbarkeit aus der Romantik
Eine der bedeutendsten Orgel-Denkmale steht in der Lieserer Pfarrkirche
Lieser. (gkl) Eine musikalische Kostbarkeit besonderer Art hat die Pfarrkirche St.
Petrus: Von den wenigsten beachtet, beherbergt sie eine der bedeutendsten
Denkmalorgeln an der Mosel. Bevor dieses Instrument jedoch regelmäßig
erklingen durfte, war es wegen eines Streites zunächst zu fast einem Jahr
Schweigen verurteilt.
Automatisch lenkt die Pfarrkirche St. Petrus den Blick der Besucher auf sich. Sie
thront hoch und erhaben auf einem Felsen und prägt das Ortsbild entscheidend
mit. Nicht zu Unrecht wird der Pfarrer dieser Kirche, Friedrich Kreutz, nicht müde, von
einem Juwel zu sprechen. Wer das Gotteshaus besichtigt, der wird auch im Innern
auf Juwelen stoßen. Viel Mühe haben die Bürger darauf verwendet, ihre Pfarrkirche
auszuschmücken. Ein ganz besonderer Edelstein aber bleibt den meisten
Besuchern verborgen, da in der Woche das kunstvoll geschmiedete Gitter meist nur
einen Blick von der Turmhalle ins Kirchenschiff gestattet. Die Rede ist von der
Orgel, die seit 111 Jahren in der Petruskirche ihren Dienst versieht.
Prospektpfeifen wurden dem Krieg geopfert
Erbaut wurde sie vom Orgelbaumeister Heinrich Voltmann, der 1850 nach Klausen
kam und dort eine Orgelbauerwerkstatt eröffnete. Schon vorher besaß Lieser ein
Instrument, dessen Herkunft im Dunkeln liegt.
In der Chronik des Ortes ist vermerkt, dass Pastor Schlosser im Jahre 1789 eine
Orgel gekauft hat. Im Jahre 1860 stürzte infolge eines Brandes der Kirchturm ein
und beschädigte dieses Instrument so sehr, dass es nur noch notdürftig brauchbar
war.
1876 hatte endgültig das letzte Stündlein dieser Orgel geschlagen. Nach einer
Übergangszeit von 14 Jahren stiftete der damalige Schlossherr in Lieser, Eduard
Puricelli, aus Dankbarkeit für den göttlichen Schutz, den seine Frau in einer
lebensgefährlichen Situation erfahren hatte, das heutige Instrument. Es wurde am
Allerheiligentag 1890 feierlich eingeweiht.
Was ist nun so besonders an diesem Instrument? Anlässlich der 1994 erfolgten
Restaurierung der Orgel stellt Professor Dr. Friedrich Riedel vom Landesamt für
Denkmalpflege fest: "Dieses wohl letzte große romantische Werk mit mechanischer
Schleiflade kann als eine der bedeutendsten Denkmalorgeln an der Mosel
bezeichnet werden."
Ende des 19. Jahrhunderts befand sich der Orgelbau in einer technischen
Umbruchphase, die man im Nachhinein als Verfallsphase ansehen muss. Man
nahm Abschied von Jahrhunderte alten Techniken und experimentierte im Geist der
Industrialisierung. Es entstanden zwar sehr viele neue Instrumente, davon sind
heute aber kaum noch welche zu finden.
Voltmann arbeitete weiter nach der mechanischen Bauweise. Dies und die
Tatsache, dass die Orgel nur sporadisch gewartet und gestimmt wurde, sorgte
dafür, dass sie in relativ gutem und in unverändertem Zustand "überleben" konnte.
Lediglich die Prospektpfeifen mussten wegen ihres Zinngehaltes für die Rüstung
im 1. Weltkrieg abgeliefert werden.
Selbst dem in den 60er Jahren in ganz Deutschland betriebenen Kahlschlag an
romantischen Orgeln, bei dem Instrumente dem klanglichen Zeitgeschmack
angepasst wurden, konnte das Lieserer Schmuckstück entgehen. So beschränkte
sich die Restaurierung auf die Beseitigung von Mängeln, die der Zahn der Zeit der
Orgel zugefügt hatte. Außerdem wurden die Prospektpfeifen erneuert.
Streit lässt Orgel verstummen
Das Lieserer Schmuckstück ist aber nicht nur musikalisch in die Annalen der
Diözese Trier eingegangen. Im Bistumsarchiv finden sich noch heute Unterlagen
aus den Jahren 1890/91, die auf heftige Streitigkeiten in der Pfarrei im Bezug auf die
neue Orgel verweisen. Kontrahenten waren der Orgelstifter Puricelli, der damalige
Organist und Lehrer Hettgen und der damalige Pastor Goeth. Hettgen hatte sich
bereit erklärt, die neue Orgel in den Gottesdiensten zu spielen. Nach 14-jähriger
instrumentaler Abstinenz gestattete Goeth den Gebrauch der Orgel sogar vor der
Weihe.
Die Freude darüber dauerte nur von Allerheiligen bis zum Martinstag. Puricelli gefiel
Hettgens Spiel nicht. Er nahm den Schlüssel an sich und forderte die Anstellung
eines anderen Organisten. Dem widersprach Goeth heftig. Goeths Nachfolger
Heinze teilte Puricelli mit, der Orgelbauer lehne die Garantie ab, wenn der Lehrer
weiter die Orgel spiele. Dieser teilte jedoch mit, so etwas habe er nie gesagt, eine
Orgel werde nicht durch den Gebrauch verdorben.
Der Streit wurde erst beigelegt, als Hettgen sein Amt niederlegte. Bis dahin hatte
die Orgel "zum Ärger und Gespött hiesiger Gemeinde und der weiteren Umgegend"
bis auf wenige Tage ein Jahr lang geschwiegen, ist zu lesen.
Gerhard Kluth
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Mit freundlicher Genehmigung aus dem Trierischen Volksfreund:
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