Mit freundlicher Genehmigung aus dem Trierischen Volksfreund: - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:54

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Kostbarkeit aus der Romantik

Eine der bedeutendsten Orgel-Denkmale steht in der Lieserer Pfarrkirche

Lieser. (gkl) Eine musikalische Kostbarkeit besonderer Art hat die Pfarrkirche St. Petrus: Von den wenigsten beachtet, beherbergt sie eine der bedeutendsten Denkmalorgeln an der Mosel. Bevor dieses Instrument jedoch regelmäßig erklingen durfte, war es wegen eines Streites zunächst zu fast einem Jahr Schweigen verurteilt.

Automatisch lenkt die Pfarrkirche St. Petrus den Blick der Besucher auf sich. Sie thront hoch und erhaben auf einem Felsen und prägt das Ortsbild entscheidend mit. Nicht zu Unrecht wird der Pfarrer dieser Kirche, Friedrich Kreutz, nicht müde, von einem Juwel zu sprechen. Wer das Gotteshaus besichtigt, der wird auch im Innern auf Juwelen stoßen. Viel Mühe haben die Bürger darauf verwendet, ihre Pfarrkirche auszuschmücken. Ein ganz besonderer Edelstein aber bleibt den meisten Besuchern verborgen, da in der Woche das kunstvoll geschmiedete Gitter meist nur einen Blick von der Turmhalle ins Kirchenschiff gestattet. Die Rede ist von der Orgel, die seit 111 Jahren in der Petruskirche ihren Dienst versieht.

Prospektpfeifen wurden dem Krieg geopfert

Erbaut wurde sie vom Orgelbaumeister Heinrich Voltmann, der 1850 nach Klausen kam und dort eine Orgelbauerwerkstatt eröffnete. Schon vorher besaß Lieser ein Instrument, dessen Herkunft im Dunkeln liegt.

In der Chronik des Ortes ist vermerkt, dass Pastor Schlosser im Jahre 1789 eine Orgel gekauft hat. Im Jahre 1860 stürzte infolge eines Brandes der Kirchturm ein und beschädigte dieses Instrument so sehr, dass es nur noch notdürftig brauchbar war.

1876 hatte endgültig das letzte Stündlein dieser Orgel geschlagen. Nach einer Übergangszeit von 14 Jahren stiftete der damalige Schlossherr in Lieser, Eduard Puricelli, aus Dankbarkeit für den göttlichen Schutz, den seine Frau in einer lebensgefährlichen Situation erfahren hatte, das heutige Instrument. Es wurde am Allerheiligentag 1890 feierlich eingeweiht.

Was ist nun so besonders an diesem Instrument? Anlässlich der 1994 erfolgten Restaurierung der Orgel stellt Professor Dr. Friedrich Riedel vom Landesamt für Denkmalpflege fest: "Dieses wohl letzte große romantische Werk mit mechanischer Schleiflade kann als eine der bedeutendsten Denkmalorgeln an der Mosel bezeichnet werden."

Ende des 19. Jahrhunderts befand sich der Orgelbau in einer technischen Umbruchphase, die man im Nachhinein als Verfallsphase ansehen muss. Man nahm Abschied von Jahrhunderte alten Techniken und experimentierte im Geist der Industrialisierung. Es entstanden zwar sehr viele neue Instrumente, davon sind heute aber kaum noch welche zu finden.

Voltmann arbeitete weiter nach der mechanischen Bauweise. Dies und die Tatsache, dass die Orgel nur sporadisch gewartet und gestimmt wurde, sorgte dafür, dass sie in relativ gutem und in unverändertem Zustand "überleben" konnte. Lediglich die Prospektpfeifen mussten wegen ihres Zinngehaltes für die Rüstung im 1. Weltkrieg abgeliefert werden.

Selbst dem in den 60er Jahren in ganz Deutschland betriebenen Kahlschlag an romantischen Orgeln, bei dem Instrumente dem klanglichen Zeitgeschmack angepasst wurden, konnte das Lieserer Schmuckstück entgehen. So beschränkte sich die Restaurierung auf die Beseitigung von Mängeln, die der Zahn der Zeit der Orgel zugefügt hatte. Außerdem wurden die Prospektpfeifen erneuert.

Streit lässt Orgel verstummen

Das Lieserer Schmuckstück ist aber nicht nur musikalisch in die Annalen der Diözese Trier eingegangen. Im Bistumsarchiv finden sich noch heute Unterlagen aus den Jahren 1890/91, die auf heftige Streitigkeiten in der Pfarrei im Bezug auf die neue Orgel verweisen. Kontrahenten waren der Orgelstifter Puricelli, der damalige Organist und Lehrer Hettgen und der damalige Pastor Goeth. Hettgen hatte sich bereit erklärt, die neue Orgel in den Gottesdiensten zu spielen. Nach 14-jähriger instrumentaler Abstinenz gestattete Goeth den Gebrauch der Orgel sogar vor der Weihe.

Die Freude darüber dauerte nur von Allerheiligen bis zum Martinstag. Puricelli gefiel Hettgens Spiel nicht. Er nahm den Schlüssel an sich und forderte die Anstellung eines anderen Organisten. Dem widersprach Goeth heftig. Goeths Nachfolger Heinze teilte Puricelli mit, der Orgelbauer lehne die Garantie ab, wenn der Lehrer weiter die Orgel spiele. Dieser teilte jedoch mit, so etwas habe er nie gesagt, eine Orgel werde nicht durch den Gebrauch verdorben.

Der Streit wurde erst beigelegt, als Hettgen sein Amt niederlegte. Bis dahin hatte die Orgel "zum Ärger und Gespött hiesiger Gemeinde und der weiteren Umgegend" bis auf wenige Tage ein Jahr lang geschwiegen, ist zu lesen.

Gerhard Kluth



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