Übergesprungener
Funken
Zur Kritik "Wovon Mozart
schon begeistert war" (TV vom 13. November):
Was will der Rezensent eigentlich
sagen? Ich habe den Eindruck, hier hat jemand ein paar nichtssagende, pseudo-kompetente,
rhetorische Floskeln aneinander gereiht, die bloß nicht zu positiv
klingen dürfen. Man hat ja schließlich seine Ehre als Kritiker!
Ich war beim Konzert und kann nur als Nicht-Fachmann sagen: Der Funken,
der von der Musik und den Musikern ausgegangen ist, ist auf mich übergesprungen.
Die Reaktion von vielen anderen – übrigens auch von wirklich kompetenten
Fachleuten –, die ich im Anschluss an das Konzert gesprochen habe, bestätigen
mich in meiner Haltung und in meiner Kritik an der Kritik.
Ulrich Graf von Plettenberg
54290 Trier
Provinzialismus
Zu "Wovon schon Mozart
begeistert war" (TV vom 13. November):
Wer in solch billiger Art
und Weise ein Konzert dieser Güte schlecht macht und zugleich mit
solch unsachlichen, keineswegs fachkompetenten Pseudo-Floskeln Wirkung
erzielen möchte, hat sich mit der musikalischen Bedeutung und Leistung
des Trierer Domchores und seiner herausragenden Stellung weit über
die Stadtgrenzen von Trier und des Bistums hinaus in keinster Weise beschäftigt.
Er beschämt die Ausführenden, die mit hohem Engagement und Feinsinnigkeit
ein solches Konzert auf die Beine gestellt haben. Zugleich ist es unrichtig
zu behaupten, der Trierer Domchor spielte in der Vergangenheit im Trierer
Konzertleben eine eher untergeordnete Rolle. Dies widerlegen allein schon
Aufführungen im Zeitraum der letzten zehn Jahre wie Beethovens Missa
Solemnis, Händels Messias, Pergolesis Stabat Mater, Bruckners Messen
in E-Moll und F-Moll und nicht zuletzt das "Deutsche Requiem" von Johannes
Brahms. Hinzu kommen zahlreiche Konzerte großartigster Chormusik
in A-capella-Form. Als beachtlich hervorzuheben sind neben den Leistungen
des Chores bei öffentlichen Konzertveranstaltungen auch die hervorragenden
und qualitativ hochwertigen Darbietungen in der Liturgie der Hohen Domkirche.
Welcher Chor kann schon von sich behaupten, ein so umfangreiches und breitgefächertes
Repertoire zu besitzen, das jederzeit, auch kurzfristig, abrufbar ist?
Wie lässt sich die Aussage
rechtfertigen, der Chor sei ein konservativ ausgerichteter Klangkörper.
Die internationalen Erfolge des Domchores bei zahlreichen bedeutenden Wettbewerben
beweisen doch das Gegenteil. Diese Kritik ist mal wieder der Beweis von
Provinzialismus und belegt allzu deutlich, dass manche Kritiker an notorischer
Selbstüberschätzung leiden. Schade!
Armin Lamar
66787 Wadgassen
Doppelte Freude
Zu "Wovon schon Mozart
begeistert war" (TV vom 13. November):
Vor einigen Wochen brachte
der TV einen kritischen Bericht über den Nutzen des Lateinunterrichts.
Nach Auffassung vieler Zeitgenossen sei das Erlernen der "toten" Sprache
Latein verlorene Liebesmühe und ein Unterfangen, das sich nicht rechne.
Wahrscheinlich richtig – vom Standpunkt der reinen Wirtschaftlichkeit.
Doch wer im Trierer Dom die herrliche Aufführung von Allegris "Miserere"
und von Mozarts "Requiem" erleben durfte, wird vielleicht anders über
den Wert des Lateins urteilen.
Den Besuchern der Aufführung
wurde ein Programmheft überreicht, das die lateinische Originalfassung
des "Miserere" und des "Requiem" neben der deutschen Übersetzung bot.
Für Allegri und Mozart bildeten die lateinischen Originale die Grundlage
ihrer Komposition, mit den lateinischen Texten ist ihre Musik in geradezu
symbiotischer Weise verwoben. Die doppelte Freude an der Musik und am Text
durften jene Hörer und Leser empfinden, die das Glück hatten,
irgendwann zur lateinischen Sprache hingeführt worden zu sein. Die
Aufführung im Dom hat mir und sicher vielen anderen nochmals klar
gemacht, dass es in der lebendigen und großen Kunst nichts Totes
gibt, weder Musik noch Sprache. Wer fragt, ob sich die Schönheit der
klassischen Musik oder der klassischen Sprache Latein gewissermaßen
auszahle, hat bereits den falschen Maßstab angelegt.
Der Mensch lebt nicht vom
Brot allein.
Heinz Heinen
Uni Trier
54286 Trier
Ungereimtheiten
Zur Rezension "Wovon
schon Mozart begeistert war" (TV vom 13. November):
Üblicherweise pflege
ich auf Rezensionen eigener Aufführungen nicht zu reagieren, doch
die Suche des Herrn Sander nach den "Spurenelementen" unserer (künftigen)
Dommusik enthält Ungereimtheiten, die so nicht stehen bleiben können.
Dass der Domchor im Konzertleben
Triers bislang eine "untergeordnete Rolle" gespielt hätte, entspricht
nicht den Tatsachen und entwertet in gewisser Weise die Arbeit meines Vorgängers,
Prof. Klaus Fischbach. In nahezu jedem Jahr seiner Amtszeit gab es ein
großes Domkonzert mit Meisterwerken der Oratorienliteratur oder mit
anspruchsvollen A-cappella-Programmen. Auch für mich definiert sich
die Rolle des natürlich vorrangig liturgisch tätigen Domchors
nicht über die Quantität, sondern über die Qualität
seiner Konzerte. Manch weitere Merkwürdigkeit wäre zu erwähnen,
etwa dass die "Solisten von Rang" auf Grund der im Mozart-Requiem fehlenden
"großen Arien" ein "eher enttäuschendes Erscheinungsbild" hinterlassen
hätten. Welch verquere Logik! Oder dass Domorganist Josef Still "wenig
authentisch" registriert hätte. Es wäre sehr erhellend, wenn
der Rezensent uns an seinen Erkenntnissen über "authentische" Mozart-Registrierung
teilhaben ließe... Dass der Rezensent zur Leistung des Chores, die
sich nach Ansicht der zahlreich im Dom vertretenen Fachleute auf ungewöhnlich
hohem Niveau bewegte, kein einziges positives Wort findet, stimmt mich
traurig, wird dies doch den gut 70 Chormitgliedern, darunter bemerkenswert
viele Jugendliche, in keinster Weise gerecht. Dass er zwischen Orchester
("um historische Spielweise bemüht") und Chor ("nazarenisches Klangideal")
gar einen Zwiespalt zu hören glaubt, finde ich schlicht ärgerlich,
denn gerade daran haben wir Wochen und Monate gefeilt: Ein leichtes, federndes,
sprachorientiertes, wo nötig expressives und "durchschlagkräftiges",
immer aber dem rhetorischen Spiel der alten Instrumente adäquates
Klangbild zu erzielen – dieser Anspruch wurde, wie sich übrigens auch
beim Hören des bereits vorliegenden Mitschnitts nachvollziehen lässt,
weitestgehend eingelöst.
Für die Zukunft hoffe
ich, dass Rezensenten nicht darüber räsonieren, was sie möglicherweise
a priori vom Domchor oder von einem Domkonzert erwarten, sondern darüber
berichten, was tatsächlich erklungen ist.
Stephan Rommelspacher, Domkapellmeister
E-Mail: dommusik@bgv-trier.de |