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Komplexe Klanggewebe
Hamburger Domorganist lockt Zuhörer an
Himmerod. (gkl) Erfreulich viele Zuhörer ließen es sich nicht nehmen, ein weiteres Orgelkonzert in der Himmeroder Abteikirche zu besuchen. Der Hamburger Domorganist Eberhard Lauer verwöhnte sie mit Werken von Bach, Messiaen und Liszt.
Mit Professor Eberhard Lauer, dem Domorganisten der jüngsten deutschen Kathedrale in Hamburg, war sowohl in Himmerod, als auch in der Region kein Unbekannter in der Eifelabtei zu Gast. Der gebürtige Niederrheiner machte schon vor zwei Jahren an der großen Klaisorgel und in diesem Frühjahr in Trier auf sich aufmerksam.
Mit Werken von Johann Sebastian Bach, Olivier Messiaen und Franz Liszt hatte er sich auch diesmal ein vielversprechendes Programm zusammen gestellt, mit dem er, trotz starker Konkurrenz durch das WM-Endspiel, erfreulich viele Zuhörer in die Abteikirche locken konnte.
An den Beginn seines Konzertes stellte er Bachs Toccata und Fuge C-Dur, BWV 566, einem Werk, das aus den Jahren 1706 bis 1708, und somit aus der Feder eines noch recht jungen Meisters entstammt. Deutlich wird bei dieser Komposition der norddeutsche Einfluss, hatte der junge Komponist doch gerade erst seine berühmt gewordene Fußreise nach Lübeck, zum großen Meister Dietrich Buxtehude hinter sich gebracht.
Lauers Interpretation kann man nicht anders als äußerst stilgerecht bezeichnen. Sowohl von der Registrierung her, die im Pedal auch den gravitätischen 32' nicht aussparte, als auch in seiner Spielweise zeichnete er ein klares Bild dieses nicht unkomplizierten Opus. Er ersparte sich und seinen Zuhörern alle Bemühungen einer durchsichtigen Darstellung dieses dichten und vielschichtigen Klanggewebes und ließ es in seiner ganzen Komplexität erstrahlen.
Einen ganz anderen Bach konnte man in den beiden Choralvorspielen über "Allein Gott in der Höh sei Ehr" erleben. Sie entstammen den so genannten "Achtzehn Chorälen", die Bach an seinem Lebensende verfasste. Aus ihnen spricht eine unglaubliche Dichte und Reife, der man mit flüchtigem Hinhören nicht gerecht werden kann. Lauers Spiel war gekennzeichnet von einem angemessenen tiefen Ernst, bei dem die nüchterne, abgeklärte Gottesfurcht des späten Bach voll und ganz zum Tragen kam.
Schon seit vielen Jahren ist Lauer in Fachkreisen als großer Freund und Spezialist der Orgelwerke Olivier Messiaens bekannt. Für Himmerod hatte er zwei Teilstücke aus den 1969 entstandenen "Meditations sur le Mystère de la Sainte Trinité" ausgewählt. Messiaen schrieb dieses Werk nach einer 18jährigen Schaffenspause im Bereich der Orgelmusik und verarbeitete ein, ihm schon seit langem am Herzen liegendes Thema. Schließlich war der tief religiöse Komponist viele Jahrzehnte Organist an der Kirche Sainte Trinité in Paris.
Finalstück von Virtuosität geprägt
Mit den Meditationen VI und VII entführte Lauer sein Publikum in eine ganz andere Klangwelt . Man kann ihm daraus aber keineswegs den Vorwurf der fehlenden Korrespondenz machen, denn an Dichte und Komplexität, an tiefer religiöser Überzeugung und musikalischer Reife steht Messiaens Opus dem Bach'schen keineswegs nach. Auch hier waren Lauers Interpretation vorbildlich. Technisch exzellent regte sein Spiel intensiv zur Meditation über das wahrlich nicht einfache Thema der Dreifaltigkeit an.
Von Virtuosität war das Finalstück geprägt. Mit Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos, ad salutarem undam", dessen Thema Franz Liszt aus Giacomo Meyerbeers Oper "Le Prophète" entnommen hat, setzte Lauer ein Bravourstück an den Schluss seiner Darbietung, das an Interpret und Instrument gewaltige Anforderungen stellt.
Wenn auch Lauers Spiel bravourös und beeindruckend war, so stellte er die virtuosen Anteile doch etwas zu sehr in den Vordergrund und ließ den musikalischen Inhalten zu wenig Raum. Ein kleines bisschen Weniger an Geschwindigkeit wäre hier mehr gewesen. Auch führte Lauer die Himmeroder Orgel mit diesem Werk an die Grenzen des derzeit Machbaren. Die teilweise nur zögerlich ansprechenden Zungenstimmen wiesen deutlich darauf hin, wie notwendig eine gründliche Überholung dieses bedeutenden Instrumentes ist.
Gerhard Kluth
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