![]() |
![]() |
![]() |
|
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
|
Orgelpunkt durchsuchen:
|
 
Nach
dem Untergang des weströmischen Reiches im Jahre 476 wurde Trier Sitz
fränkischer Grafen und es blieb weiterhin Bischofssitz. Seiner Bedeutung
entsprechend wurde es später auch Erzbistum und blieb es bis zum Jahre
1802; zur Trierer Kirchenprovinz gehörten einst die Bistümer
Metz, Toul und Verdun. Das Erzbistum umfaßte im Mittelalter ein größeres
Gebiet als heute. Es reichte im Westen von der Maas bei Sedan über
die Ardennen und das heutige Luxemburg bis an den Rand der Wetterau bei
Gießen im Osten. Die Mosel und östlich des Rheins die untere
Lahn bildeten gewissermaßen die Mittelachse des langgestreckten,
aber relativ schmalen Erzbistums mit fast 300 km Länge, aber im Schnitt
nur etwa 50 km Breite. Das heutige, seit 1802 bestehende Bistum gehört
seit 1821 zur Kölner Kirchenprovinz; ihm fehlt im Westen das Archidiakonat
Luxemburg, im Osten das Archidiakonat Dietkirchen, das an die neugebildete
Diözese Limburg fiel. Dafür wurden im Süden, im Nahe-Glan-Gebiet
ehemals mainzische, und an der Ahr entlang ehemals kölnische Pfarreien
Trier zugeschlagen.
Der
Bereich des Bistums oder der Diözese, in dem der Bischof bzw. Erzbischof
sein geistliches Hirtenamt ausübte, ist nicht zu verwechseln mit dem
weltlichen Territorium, in dem der Erzbischof auch die weltliche Macht,
wir würden heute sagen, die politische Macht als Landesherr innehatte
bzw. ausübte. Dazu gehörten außer der Stadt Trier und ihrer
Umgebung zahlreiche Ämter entlang der Mosel und in der Eifel bis zum
Rhein bei Koblenz und darüber hinaus bis nach Montabaur und Limburg.
Die Grenzen dieses Territoriums waren ganz unregelmäßig, es
gab viele fremde Enklaven, aber auch ebensoviele Exklaven d.h. außerhalb
liegende Besitzungen, kurz, es war kein einheitliches Gebiet, sondern ein
Fleckerlteppich, in dem sich nach und nach ein durchgehender Zug entlang
der Mosel bildete mit territorialen Ausfransungen nach Norden, Süden
und Osten.
Dieses
weltliche Territorium, in dem der Trierer Erzbischof Landesherr war, war
rangmäßig im Deutschen Reich ein Fürstentum, selbstverständlich
reichsunmittelbar und nur dem Kaiser unterstellt. Seit Anfang des 13. Jhs.
gehörten die Erzbischöfe von Trier zu den „Königswählern“,
also zum Wahlgremium, das den Kaiser zu wählen hatte, daher die Bezeichnung
Kurfürstentum Trier, oder kurz Kurtrier. Der Trierer Kurfürst
bekleidete wie seine Amtskollegen von Mainz und Köln, ein sog. Erzamt
im Reich, nämlich das eines Erzkanzlers für Burgund und hatte
bei der Kaiserwahl und –krönung bestimmte Funktionen. Er gab z.B.
als erster seine Stimme ab.
Für
unser Thema ist also der Rahmen geographisch abgesteckt, dem wir uns nun
zuwenden wollen. Keine deutsche Landschaft kann sich bis jetzt rühmen,
eine so frühe Orgeldarstellung zu besitzen, wie die Gegend von Trier,
nämlich der bekannte römische Mosaikboden in Nennig, etwa 30
km moselaufwärts am Dreiländereck von Rheinland-Pfalz/Saarland/Luxemburg.
Das 1852 entdeckte Mosaikbild war eine archäologische Sensation. Es
stellt eine Hydraulis oder Wasserorgel dar, ein sechseckiger Unterbau mit
dem Wassergefäß und den seitlich angebrachten Luftpumpen, darüber
die Pfeifenreihe mit der schiefwinkligen Halteleiste und dahinter der Organist.
Die Orgel spielte zusammen mit einem Hornisten. Der Mosaikboden einer römischen
Villa beweist, daß die antike Hydraulis-Orgel
als
weltliches Instrument schon hier verbreitet war.
Es
gehört zu den großen Winkelzügen der Geschichte, daß
Entwicklungen manchmal große Umwege machen, ehe sie wieder durchgängig
manifest werden. So gelangte die römische Hydraulis nicht auf direktem
Wege in die Zentren der frühmittelalterlichen fränkischen Herrschaft,
sondern auf dem Umweg über Konstantinopel, dem damaligen Ostrom, als
der dortige Kaiser Konstantin Kopronymus im Jahre 754 dem Frankenkönig
Pipin ein solches Instrument schenkte. Dieser Vorgang wird nahezu in allen
Chroniken der damaligen Zeit besonders erwähnt. Seine symbolische
Bedeutung liegt in der Tatsache, daß der oströmische Kaiser
den Frankenkönig als legitimen Nachfolger des untergegangenen weströmischen
Reiches anerkannte.
In
den darauffolgenden Jahrzehnten breitete sich die Orgel in Westeuropa aus,
nun in der Regel als Balgorgel, und wird zunehmend durch ikonographische
Darstellungen belegbar. Wie und wann der Übergang vom rein weltlichen
zum kirchlichen Instrument sich vollzog, bleibt schleierhaft; doch die
Tatsache als solche ist durch die zahlreichen Miniaturen in liturgischen
Handschriften eindeutig belegt.
Aus
der vorreformatischen Zeit, also bis etwa 1550 gerechnet, liegen eine Reihe
von Orgelnachrichten vor aus dem Dreieck Frankfurt-Köln-Trier. Das
ist der Kern der Kulturlandschaft Mittelrhein, wie man sie heute nennt.
Schneidet man von diesem Dreieck die Nordspitze ab, das ist der beginnende
Niederrhein ab Bonn, sowie die Ostspitze, das ist im wesentlichen der Taunus,
so bleibt Kur-Trier als Filetstück übrig.
TRIER
Beginnen
wir mit der Stadt Trier.
Die
früheste Erwähnung der Domorgel datiert
von 1381. Damals führte ein Meister Thomas eine Reparatur aus. Es
wurden hauptsächlich Balgarbeiten ausgeführt, der genannte Meister
Thomas war offenbar ein Schuhmacher. Als 1387/88 erneut repariert
wurde, sind zwei Meister Thomas beteiligt. Der eine war der Balgschuster,
der andere der Domorganist, der sich auch als Orgelbauer betätigte.
Über die Orgel läßt sich folgendes sagen: Es wurden zu
zwei vorhandenen Bälge zwei neue hinzugefügt. Sie bestand aus
einem Oberwerk mit zwei Orgelflügeln und darunter wurde eine kleinere
Türe angebracht, zu deuten vielleicht als ein brustwerkartiges vorhandenes
Werk, oder auch als Rückpositiv. Oben auf der Orgel stand ein Engel
mit der Fahne. Bereths meint, es könne mit dem „angelus – Engel“ auch
das Oberwerk gemeint sein. Die Anfertigung neuer Tasten aus „Palmholz“
spricht für eine Erweiterung. Noch völlig unklar ist hier die
Bezeichnung „registra organorum“. Würde man den Begriff im heutigen
Sinne deuten, wäre das eine Sensation.
In
den Jahren 1464/65 wurde ein Orgelneubau abgerechnet. Die Einträge
sind aufgeteilt auf die Materialkosten, auf deren Beschaffung und Anlieferung
und schließlich auf die genau verzeichneten Arbeitstage und Löhne.
Es wurden z.B. 6421 Nägel der verschiedensten Art gebraucht, 46 Pferde-
und 24 Schaffelle, natürlich viel Holz, Zinn, Blei und dergleichen.
Merkwürdig ist, daß für den Orgelbauer Meister Peter keine
Rechnungsposten verzeichnet sind, wohl aber peinlich genau für alles
andere. Daraus schließe ich, daß er einen Sondervertrag hatte
und nicht aus der Kirchenfabrik bezahlt wurde. Über die Orgel selbst
läßt sich nur sagen, daß es ein Neubau war mit einer neuen
Windlade und 8 neuen Bälgen, für die eigens ein Balghaus errichtet
werden mußte. Oben befand sich ein Stern, auch ist die Rede von „Hommel
Piefen“. Das waren wahrscheinlich große Bordun-Pfeifen in gesonderter
Aufstellung seitlich des Gehäuses. Wieder nicht genau bestimmbar sind
die 16 „Registereisen“ für „Diskant“ und „Coppel“.
Beim
Neubau der Domorgel 1537 durch Peter Breissiger oder Briesger aus
Saffig werden 2 alte Register übernommen, nämlich die Coppel
„im Gesicht“, aus Holzpfeifen mit Zinn überzogen bestehend, und die
„Mixtur oder Location.“ Coppel ist die alte Bezeichnung für Principal.
Arnold Schlick nennt 1511 den Hintersatz „Mixtur oder Locatz.“ Ich denke
mir, daß es sich um eine Doppel- oder Ventillade gehandelt hat, so
daß die beiden Stimmen, Coppel und Mixtur zusammen oder getrennt
zu spielen waren; es könnte auch sein, daß sie auf zwei verschiedenen
Klaviaturen, wie in Halberstadt, erklangen.
Wie
gesagt, baute Peter Breissiger 1537 eine neue Domorgel mit folgender Disposition:
1.Koppel
16´ durch Manual und Pedal, vorn im Gesicht, wohl aus Blei, mit Zinn
überzogen. Wie die vorige
Ein
zweites Klavier als Oberwerk oder Rückpositiv, ausgeführt wurde
wohl das erstere:
Das
Principalwerk soll 5 Fa oder f und eine Terz darüber haben, geht also
von Kontra-F – a² ohne gs², das Rückpositiv nur 4 F, also
3 Oktaven von F – a², wie es im 16. Jh. die Regel war.
Dem
Dokument beigefügt ist eine Registrieranweisung von Breissiger selbst,
die sowohl mit Registerbezeichnungen als auch mit Registersymbolen niedergeschrieben
ist. Die Interpretation ist nicht ganz einfach, wurde schon von Hans Klotz
und Martin Blindow vorgenommen. Darauf kann aber in diesem Rahmen nicht
eingegangen werden. Soviel also kurzgefaßt zur Frühgeschichte
der Domorgel.
An
zweiter Stelle, was das nachweisbare Alter betrifft, steht die ehemalige
Stiftskirche St. Paulin, der Vorgängerin
des heutigen Barockbaues. Die ursprünglich romanische, 1148 geweihte
Kirche, hatte nachweislich im Jahre 1409, wahrscheinlich aber schon viel
früher, eine Orgel. Das berichtet Philipp Schmitt in seiner 1853 erschienen
Kirchenchronik. Die Orgel befand sich auf der Evangelienseite, hoch oben
an der Nordwand des Chores. Leider sind keine weiteren Quellen über
die frühe Orgelgeschichte von Paulin erschlossen. Nach der Beschießung
und dem drohenden Einmarsch der Franzosen 1674 wurde am 10. Mai die Orgel
von St. Paulin abgetragen und in den Dom geschafft. 14 Tage später
sprengten die Franzosen die Kirche und sämtliche Stiftsgebäude.
Auch
für die dem Dom südlich angebaute Liebfrauen-Basilika
mit dem nahezu kreisförmigen Grundriß und einem einzigartigen
gotischen Innenraum – die Kirche wurde 1235-1260 erbaut – ist die Orgel
sehr früh nachgewiesen. So geben Eintragungen in den Chorbüchern
Hinweise auf die Aufführungspraxis und die Tätigkit der Orgel,
wie Franz Bösken ermittelte. Im Graduale Trevirense von 1435, das
aus Liebfrauen stammt, ist die Ostersequenz „Laudes salvatori“ folgendermaßen
notiert: Die erste Zeile spielte die Orgel, die folgende der Chor. In den
folgenden Doppelzeilen beginnt immer die Orgel, die die neue Melodie vorspielt.
Über das Gloria lautet der Eintrag: Das „Benedicimus“ spielt die Orgel,
das „Adoramus“ singt der Chor, das „Glorificamus“ wieder die Orgel usf.
Die
Stadtpfarrkirche St. Gangolf erhielt wahrscheinlich kurz nach ihrer
Vollendung und Weihe 1459 ihre erste Orgel. 1492 zahlte der Rechner „dem
Organisten die Orgel zustymen und vor leder und Drayt und Gezuch das er
darzu gebrucht hat, III Gulden und VI albus.“ Die vorliegenden Ausgaben
aus dem 16. Jh. geben nur Auskunft über Organisten-Honorare. Mehr
über die Orgel erfährt man erst ab dem 17. Jahrhundert.
Von
der Abteikirche St. Matthias sind so frühe
Orgelnachrichten nicht bekannt. Nach dem Abtskatalog ließ Abt Petrus
II. Weiss um 1566 ein organum minus, die kleine Orgel, auf Bitten seines
Konvents errichten. Nach 1600 wurde dann eine große Orgel von einem
niederländischen Orgelmacher errichtet, der aber vor der Fertigstellung
starb und als Calvinist außerhalb des Friedhofs bestattet wurde.
Man nimmt an, daß Floris Hocque, der die Domorgel erbaut hatte und
dann einige Zeit in Trier wohnte, die Orgel vollendet hat. Die Orgel befand
sich an der nördlichen Hochwand des Mittelschiffs, wo heute noch die
Tür für den Organisten zu sehen ist.
KOBLENZ
In
Koblenz, dem Zentrum des sog Niederstifts oder der zweiten Hauptstadt von
Kurtrier, fand die Orgel schon sehr früh Eingang.
Im
Jahre 1467 nahm das Stiftskapitel von St. Florin ein Kapital von
350 fl auf, um damit die große Orgel, die neuen Fenster, das neue
Gewölbe am Eingang finanzieren zu können.
Damals
wurde die alte romanische Emporenkapelle abgebrochen, das große Westfenster
und die Empore eingebaut, sowie eine neue große Orgel gefertigt.
Der Orgelmacher war jener Meister Petrus, der auch in Trier, Oberwesel
und Aschaffenburg nachzuweisen ist. Wahrscheinlich war vorher schon eine
Orgel vorhanden. Ein Schwalbennest-Standort an der Nordwand des Mittelschiffs
ist nachgewiesen. 1534 wurde das Werk des Meisters Peter von 1467 von dem
schon genannten Peter Briesger erneuert. Glücklicherweise ist der
Bauvertrag mit der geplanten Disposition erhalten. Aus dem Vertrag ergibt
sich die alte Disposition von vor 1534. Demnach baute Meister Peter 1467
folgendes Werk:
Dies
ist eine der ältesten, vielleicht sogar die älteste bekannte
registrierbare Orgel, die über so viele selbständige Stimmen
verfügt (9 Register auf zwei Manualen). Vorausgesetzt natürlich,
daß nicht in der Zwischenzeit ein unbekannt gebliebener Umbau stattfand,
der aber in den Quellen nicht nachzuweisen ist.
In
der Koblenzer Liebfrauenkirche war ebenfalls schon 1466 eine Orgel
längst vorhanden, sie wurde damals neu gestimmt. 1476 wurde sie wahrscheinlich
erweitert, jedenfalls aber repariert durch einen Orgelmacher Johannes,
wahrscheinlich Johannes Smydburg, der vorher in St. Kastor gearbeitet hatte.
Wie
dort wurde ein Balghaus gebaut. An der nördlichen Hochschiffwand hing
die Orgel, der vermauerte Zugang zur Schwalbennestempore ist noch nachweisbar.
1519 reparierte Orgelmacher Peter (wahrscheinlich Briesger) ein zerbrochenes
Positiv, das noch bis 1685 gebraucht wurde und wohl auf dem Lettner gestanden
hat.
Ein
sehr früher Nachweis existiert auch für die Koblenzer Deutschordenskirche:
Nach der Rechnung des Landkomturs Klas von Gielsdorf für das
Jahr 1447/48 erhielt ein „Meister Pauwels 3 Gulden op dat Orgelwerk“. Mehr
kann ich allerdings nicht sagen über die Frühgeschichte dieser
Orgel.
Damit
ist natürlich der vorreformatorische Orgelbestand in unserem Gebiet
keineswegs erschöpft.
Von
der Pfarrkirche in Ahrweiler, das früher zu Kur-Köln gehörte,
wissen wir, daß man 1525 mit dem Bau einer Orgel beschäftigt
war. Es ist sogar wahrscheinlich, daß die neue Orgel eine alte, aber
kleinere abgelöst hat.
ANDERNACH
In
der ebenfalls kurkölnischen Stadt Andernach beschafften sich die Minoriten
für ihre Kirche, der heutigen ev. Christuskirche, 1407 ihre erste
Orgel. In den Klosterannalen wird berichtet, daß die Orgel 1662 von
ihrem alten Standort im Ostchor (ex parte australi chori) an die Westseite
der Kirche (ad posteriorem partem navis ecclesiae) auf die neu geschaffene
Empore versetzt wurde. Auf den Orgelflügeln stand geschrieben: „Hoc
opus perfectum anno MCCCCVII festo S. Georgii.“
Die
Andernacher Liebfrauenkirche, die den Ruf genießt, eine der schönsten
romanischen Kirchen des Rheinlandes zu sein, hatte sicherlich auch schon
im 15. Jh. eine Orgel. Nachgewiesen ist sie jedoch erst für das Jahr
1516. Im genannten Jahr verdingte der Rat mit Peter Briesger am Mittwoch
nach „ad vincula sancti Petri“ , das war der 6. August, eine neue Orgel
für 50 Goldgulden, für ihn und seinen Knecht ein halbes Jahr
die Kost, für ihn einen englischen Rock und für den Knecht einen
Rock von gewöhnlichem Tuch. Dem Preis nach war die Orgel nicht sehr
groß; denn 1538-42 baute derselbe Peter Briesger ein neues größeres
Werk, diesmal für 240 Goldgulden, was für ein Nebeneinander von
großer und kleiner Orgel spricht. Wahrscheinlich wurde diese Orgel
1625 im Zusammenhang mit der Anschaffung eines Positivs von ihrem bisherigen
Platz an einen neuen Standort, nämlich die Orgelbühne zwischen
den beiden Westtürmen, transferiert.
BACHARACH
Die
Stadt Bacharach am Rhein, ursprünglich kurkölnisch, gehörte
bis 1806 den Pfälzer Wittelsbachern. Nach Bösken soll in der
Kirche St. Peter, die heute evangelisch ist, 1524 der Meister Jakob tätig
gewesen sein, der auch in Koblenz, Oberwesel und Oppenheim nachgewiesen
ist. 1531 stiftete der Erzbischof von Trier eine Orgel, als die Kirche
noch katholisch war. Außer diesen dürftigen Hinweisen ist mir
über die vorreformatorischen Orgeln nichts bekannt.
Merkwürdigerweise
haben wir von den Zisterziensern in Himmerod, den Benediktinern in Maria
Laach und Prüm nur spärliche Orgelnachrichten aus der Frühzeit.
In Himmerod ließ Abt Ambros Schneidt aus Cochem um 1600 die Orgel
der Abteikirche vergrößern; es war also eine im 16. Jh. vorhanden.
MARIA
LAACH
PRÜM
Die
Abtei Prüm war in den Wirren der Reformation ganz in Verfall geraten.
1574 schilderte der Visitator das ganze Ausmaß: Der Abt war nicht
geweiht, trug kein Ordenskleid mehr, im Kloster waren nur noch wenige Mönche.
Die Kirche glich einem Stall, es regnete hinein, der Chor glich einem Fischweiher,
die Ausstattung war verschmutzt und teilweise verfault, aus der Orgel waren
die Pfeifen verschwunden, also gab es eine, die noch aus vorreformatorischer
Zeit stammte.
MAYEN
Weiter
zurück läßt sich die Orgel bei den Augustinern in Mayen
verfolgen. Eine Rechnung des Jahres 1537 besagt, daß Meister Peter,
gemeint ist wieder Peter Briesger in Koblenz, die Orgel um 24 Goldgulden
renoviert hat. Sie wurde zuerst nach Koblenz, dann wieder zurückgebracht.
Das beweist also zweierlei, daß eine Orgel vorhanden war, und daß
es sich bei dem Meister Peter in Koblenz nur um Briesger gehandelt haben
kann. Auch in Mayen sind keine weiteren Quellen aufgeschlossen.
MÜNSTERMAIFELD
Dagegen
werden wir in der Stiftskirche zu Münstermaifeld wieder fündig.
Dort enthalten die Rechnungen schon 1406 Ausgaben zur Besoldung des Balgtreters.
In den Jahren 1501-04 wird eine neue Orgel gebaut, wahrscheinlich von Johann
Süß aus Nürnberg, der in einer Urkunde erscheint, aber
in den nur unvollständig erhaltenen Rechnungen nicht vorkommt. Hans
Süß ist der berühmte Meister, der ab etwa 1500 die Verbindung
zwischen Franken, dem Mittel- und Niederrhein in die Niederlande herstellte
und zu den Vätern der sog. Brabanter Orgel zählte.
OBERWESEL
Die
ehemalige Stiftskirche Unsere Liebe Frau in Oberwesel erhielt schon bald
nach ihrer Vollendung in der zweiten Hälfte des 14. Jhs. eine Orgel.
Aus den Praesenzrechnungen ab 1400 können wir genau ersehen, an welchen
Tagen die Orgel gespielt wurde: Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam,
Mariä Geburt, Allerheiligen, Kirchweih, Mariä Empfängnis
und am Fest der hl. Magdalena. Im Jahre 1461 wurde die alte Orgel, die
schon 1401 vorhanden war, abgebrochen und durch eine neue ersetzt. Am Montag
nach Neujahr 1461 begann man mit den Holzfuhren und Vorarbeiten. Es wurde
ein Gerüst in 4 Tagen aufgebaut, um die alte Orgel abzubrechen. Zwei
Knechte räumten die Pfeifen und Teile ab und brachten sie in den Kreuzgang.
Das nötige Holz wurde in Frankfurt und Mainz eingekauft und auf dem
Rhein nach Oberwesel gebracht. Der kurmainzer Zoll mußte in Rheinfels
entrichtet werden. Das Gehäuse errichtete der Kistler in sieben Wochen,
dann wurde der Orgelstuhl mit eisernen Klammern an der Wand befestigt.
An die Schwalbennestempore kamen die Wappen der Stiftsherren. Der Mauerdurchbruch
in der Mitte des zweiten Langhausjoches über der Arkade ist noch im
Dachraum des nördlichen Seitenschiffs festzustellen. Am Schluß
der Rechnung erscheint der Orgelmacher, der schon bekannte Meister Peter,
mit einer relativ geringen Belohnung. 1505/06 wurde dem Werk ein Rückpositiv
angebaut, das fünf Register bekam und wahrscheinlich 40 Töne
umfaßte, weil so viele Walzen=Wellen gemacht wurden. Der Orgelmacher
hieß diesmal Meister Antonius. Bisher ist es nicht gelungen, die
Identität dieses Meisters genauer festzustellen. Möglich wäre
Antonius von Limburg oder Antonius Mors aus Antwerpen. Kleinere Reparaturen
erledigte der schon öfter genannte Meister Jacob 1507, 1511 und 1524.
ST.
GOAR
Die
ehemalige Stiftskirche von St. Goar, einem linksrheinischen Vorposten der
Grafschaft Katzenelnbogen, erhielt mit dem Langhausneubau um 1460 auch
eine Orgel. Mit einer Urkunde vom 8.7.1460 wurde das Beneficium des verstorbenen
Pastors Wilhelm von Bornich vom Grafen aufgebessert. Es durfte nur an einen
Priester verliehen werden, der Orgel spielen konnte. Dieser soll zu allen
Messen, an denen es nach der kirchlichen Ordnung gestattet war, die Orgel
spielen, die der Graf hat anfertigen lassen. Der Organist von St. Goar
mußte 1483 auch in Oberwesel aushelfen, als der dortige Organist
verstorben war. 1543 wurde die große Orgel repariert.
ST.
WENDEL
Auch
die Pfarr- und Wallfahrtskirche in St. Wendel im Saarland kann auf eine
lange Orgelgeschichte zurückblicken. Die nachgewiesene Organistenbesoldung
im Jahre 1465 spricht für ein vorhandenes, vielleicht sogar schon
länger existierendes Instrument. Es gibt aber keine näheren Angaben
über diese zweifellos erste Orgel. Am 29.8. 1610 schlossen die Trierer
Orgelbauer Florenz und Nicolas Hocque mit den Kirchenpflegern einen Vertrag,
daß sie das destruierte Orgelwerk zu St. Wendel renovieren wollen,
in der Weise, daß sie das Altwerk an Pfeifen, Eisenwerk, Bälgen
und anderes übernehmen und ein beständiges neues Werk schaffen
. Das Holzwerk, die Schreiner- und Schlosserarbeiten besorgten die Brudermeister
selber. Die Orgelbauer erhielten für Material und Lohn 500 Gulden
und zwei Malter Korn, das Geld wurde in 5 Raten ausbezahlt. Der gesondert
ausgefertigte Bauplan liegt dem Vertrag leider nicht mehr bei.
TRARBACH
In
der Stadtkirche von Trarbach, das in einem an die Mosel reichenden Ausläufer
der alten Grafschaft Sponheim gelegen ist, also nicht zu Kur-Trier gehörte,
war die Orgel auch schon im 15. Jahrhundert vorhanden und wird 1485 erstmals
in den Kirchenrechnungen erwähnt. 1520 werden Orgelpfeifen verkauft.
Es wird kaum ein orgelloses Interim eingetreten, sondern eine neue Orgel
gebaut worden sein. Nach Einführung der Reformation 1557 wurde
die Kirche zur Pfarrkirche. 1644/45 wird eine Orgel mit 10 Registern gebaut
und noch im 18. Jahrhundert bestätigt.
ENTLANG
DER LAHN
Die
ältesten Nachweise stammen übrigens von den Stiftskirchen entlang
der Lahn, z. B. Diez, das zwar nicht kurtrierisch war, aber zum
Erzbistum gehörte.
Im
Hauptwerk:
Auch
die Liebfrauenkirche in Hadamar unweit Limburg, eine ehemalige Stiftskirche,
hatte eine Orgel, die nach Einführung des reformierten Bekenntnisses
nicht mehr gespielt wurde und dann verkommen ist. Es ist auch naheliegend,
daß der genannte Vikar Hünoff in seiner Hadamarer Kirche eine
Orgel hatte, sie vielleicht sogar gebaut hat.
Die
Stiftskirche Dietkirchen bei Limburg hatte laut einem Testament
1294 zwei Organisten, offensichtlich auch eine Orgel, für deren Gebrauch
im 14. Jahrhundert immer wieder Stiftungen gemacht wurden. Um 1550 wurde
eine neue gebaut, deren Disposition aus einer Registrieranweisung zu entnehmen
ist:
Lahnaufwärts
in Weilburg erweiterte der schon oft genannte Briesger
aus Koblenz um 1530 eine vorhandenen 5registrige Orgel mit den Stimmen
Koppel 6´, Octav 3´, Hohlpief 6´, Mixtur oder Lokaitz
und Zimbel um zwei weitere Register, nämlich Trompete Baß und
Schalmei.
Manual:
Die
Ausbeute an vorreformatorischen Orgelnachweisen ist, wie wir festgestellt
haben, nicht schlecht. Doch müssen wir auch sehen, daß die nachgewiesenen
Orgeln im wesentlichen entlang der Mosel, des Rheins und der Lahn zu finden
sind. Hier befanden sich die wohlhabenden Stifts- und Stadtkirchen, während
die ländlichen Gebiete des Hunsrücks, der Eifel und des Westerwalds
erst viel später, teils in der Barockzeit, die meisten aber erst im
19. oft auch erst im 20. Jahrhundert in den Genuß von Orgeln und
ihrer Musik kamen.
LITERATUR
Franz
Bösken, Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins
(Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte, hrsg. Von der Arbeitsgemeinschaft
für mittelrheinische Musikgeschichte, Nr. 6), Band 1, Mainz und Vororte,
Rheinhessen, Worms und Vororte, Mainz 1967 (Orgelgeschichtlicher Überblick).
Derselbe,
Band 2, Das Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Wiesbaden, Mainz 1975
(Quellen zu Dietkirchen, Diez, Limburg, Weilburg und Wetzlar).
Franz
Bösken/Hermann Fischer, Band 4, Regierungsbezirke Koblenz und Trier
(ohne den Rhein-Lahn- und den Westerwaldkreis), ungedrucktes Manuskript
(in Vorbereitung zum Druck).
Gustav
Bereths, Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik, Mainz 1974
(Domorgel Trier).
Matthias
Thömmes, Orgeln in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Trier 1981 (Orgelgeschichtlicher
Überblick).
Friedrich
W. Riedel, Die Eifel-Mosel-Hunsrück-Region als Orgellandschaft, in:
Ars Organi 46/1, 1998 (S.2-9)
Hermann Fischer
Besuchen Sie unsere Sponsoren: Musikhaus Kessler
Bischöfliche Weingüter
|
|
Frühe Orgelnachrichten aus Kurtrier
. |
Zum Seitenanfang Diese Seite drucken |
|
|