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25.08.02
Vom Wandel eines Menschen TRIER. Mit seinem Oratorium "Paulus" hat Felix Mendelssohn Bartholdy die Lebensgeschichte einer der interessantesten Persönlichkeiten der Christenheit skizziert. Unter Leitung von Manfred May interpretierten der Trierer Konzertchor, die Sinfonietta Saarbrücken und hochkarätige Solisten dieses Opus.
Eine der schwierigsten Personen in der Geschichte der frühen Christenheit ist die des Saulus von Tarsus, später besser bekannt als der Apostelfürst Paulus. Laut der christlichen Glaubenslehre erst erbitterter Verfolger der Anhänger Jesu, wird er neben Petrus zum führenden Vertreter der christlichen Lehre. Wenn auch theologisch bis heute immer noch nicht ganz erforscht und teilweise umstritten, gehört er doch zu den aufregendsten Persönlichkeiten, die das Christentum aufzubieten hat.
Gerade einmal 21 Jahre war Felix Mendelssohn Bartholdy, als er sich erstmals mit dem Stoff auseinandersetzte. Entstanden ist daraus, freilich erst einige Jahre später, das umfangreichste Oratorium, das der Komponist der Nachwelt hinterlassen hat. Es sprüht vor Energie, Dramatik und besitzt viele biografische Züge des zum Christentum konvertierten Juden Mendelssohn.
In Kooperation mit den Moselfestwochen hat sich der Trierer Konzertchor (unter Beteiligung seiner Chorschule) unter Leitung von Manfred May des Opus' 36 angenommen und in einer Open-Air-Veranstaltung im Innenhof des Kurfürstlichen Palais' in Trier aufgeführt. Instrumental stand dem renommierten Chor die "Sinfonietta Saarbrücken" zur Seite.
Bei den Solisten hatte May gegenüber der Besetzung Mendelssohns, den Rotstift angesetzt und die vorgesehenen sechs Partien auf Judith Németh (Sopran), Marion Eckstein (Alt), Wolfram Wittekind (Tenor) und Thomas Berau (Bariton) verteilt und damit ein ausgezeichnetes Quartett zusammengestellt.
Németh ist in Trier keine Unbekannte mehr und wurde den Erwartungen vollkommen gerecht. Selbstbewusst, musikalisch ausgefeilt und ohne Fehl und Tadel übernahm sie die Hauptlast der weiblichen Solo-Partien. Gleiches gilt für Wittekind, der schon häufig an der Mosel auftrat. Allerdings konnte er bei hochgelegenen Passagen eine gewisse Anstrengung nicht verleugnen, was aber durchaus an dem Umstand der Freiluftaufführung gelegen haben mag. Mit Berau und Eckstein waren in Trier zwei neue Solisten zu Gast, die beide die Gelegenheit nutzten, einen überaus gelungenen Einstand zu geben. Der aus Ingolstadt stammenden junge Bariton weist schon eine beachtliche künstlerische Vita auf und bewältigte souverän seinen Part. Von der in Bernkastel-Kues geborenen Eckstein hätte man gerne mehr gehört. Ihr wenigen Partien stellte sie überzeugend dar. Sie hinterließ eine Visitenkarte, die nicht in der Ablage verschwinden sollte.
Die Leistung sowohl des Chores als auch des Orchesters war nicht so überzeugend, wie man es normalerweise von beiden Ensembles gewöhnt ist. Unbestreitbar waren die Anforderungen sehr hoch und es wäre vermessen, über das Gebotene den Stab zu brechen. Tatsache aber ist, dass insbesondere der Sopran an einigen Stellen unüberhörbare intonatorische Schwierigkeiten hatte und das Zusammenspiel der Sinfonietta manches Mal nicht makellos erschien.
Es mag sich hier die Frage stellen, ob der Innenhof des Palais für diese Aufführung der geeignete Ort war. Unbestreitbar ist es von ganz besonderem Reiz, vor den Mauern der Basilika des römischen Kaisers Konstantin die Geschichte des bekehrten Christenverfolgers darzustellen. Die alleine schon durch diesen Umstand gegebene Atmosphäre entschädigte für manche technische Unzulänglichkeit. Wahrscheinlich wären in einem geschlossenen Raum einige akustische als auch klimatische Probleme erst gar nicht entstanden.
Über die Interpretation des gewaltigen Opus mag man trefflich streiten können. Mays dargestellte Auffassung war in sich durchaus schlüssig. Ob sie der Intention des Komponisten gerecht wurde, darf jedoch in Frage gestellt werden. Das Oratorium Paulus hat in seiner Geschichte viele Formen der Darstellung erlebt, hin bis zur szenischen Aufführung im süßlich-romantischen Stil. Davon war May selbstredend weit entfernt. Den jugendlichen Biss aber, den man bei einem 24-Jährigen, von der textlichen Vorlage begeisterten Komponisten voraussetzen darf, ließ die Trierer Aufführung vermissen. Die energiegeladene, leidenschaftliche Dramatik des Inhaltes konnte May nicht überzeugend heraus arbeiten.
Langanhaltender, herzlicher Applaus war der Dank für ein beeindruckendes, wenn auch nicht in allen Teilen aufsehen erregendes Konzert.
Gerhard Kluth
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Mit freundlicher Genehmigung aus dem Trierischen Volksfreund:
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