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Blüten in der Basilika
Organist James Kibbie in Trier
TRIER. (gkl) Mit James Kibbie, Professor an der amerikanischen Michigan Universität, wurde wieder der internationale Anspruch des Orgelkonzertzyklus' in der Konstantin Basilika in Trier unterstrichen. Das Publikum erlebte einen gelungenen Abend.
Nein, der Bekannteste war der Solist des sechsten Orgelkonzertes in der Konstantin Basilika nicht gerade. Trotzdem hätte Professor James Kibbie von der amerikanischen Michigan University mehr Publikum verdient. Schade, dass so viele Plätze leer geblieben sind.
Das Programm alleine versprach schon, sehr interessant zu werden, nicht nur, weil es eine Gegenüberstellung von barocker Literatur und Werken des 20. Jahrhunderts war. Mit der Komposition "Oba a ba ke" des farbigen Komponisten Fela Sowande eröffnete er auch einen Einblick in eine Tonsprache, die größten Seltenheitswert hat. Mit Dan Locklairs Orgelfantasie "Voyage", geschrieben 1991, präsentierte er darüber hinaus auch einen Eindruck vom zeitgenössischen Schaffen amerikanischer Tonschöpfer.
Dietrich Buxtehudes Toccata in d-moll (BuxWV 155) stellte Kibbie an den Anfang seines Abends und brach damit eine Lanze für die barocken Spielkünste der Organisten jenseits des Atlantiks. Einzig dass er in der Finalpassage auch die horizontalen Trompeten einsetzte, mag ihm der eine oder andere Freund der authentischen Spielweise übel genommen haben. Dem grandiosen Gesamteindruck des 1684 entstandenen Werkes hat dieser "Fehlgriff" in keinem Fall geschadet.
Seine tiefe Verwurzelung in der barocken Tonsprache zeigte sich ebenfalls in Johann Sebastian Bachs sechsstimmiger Fassung des Chorals "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" BWV 686), in der sich Kibbie nicht nur als perfekter Techniker, sondern auch als feinsinniger Vermittler der theologischen Aussagen erwies.
Ins Zentrum seines Konzertes hatte Kibbie eine Hommage an den französischen Komponisten Jehan Alain gestellt, der 1940 im Alter von nur 29 Jahren eines der letzten Kriegsopfer im Kampf um Frankreich wurde. Neben "Litanies" und den Variationen über ein Minnelied von Clément Jannequin war es ganz besonders "Le Jardin suspendu", mit dem das Publikum in eine andere Welt eintauchen konnte.
Kibbie ließ seine Zuhörer durch ein Kaleidoskop blicken, in dem sich ständig neue, zarte Farben in feinen Abstufungen zeigten. Zerbrechliche Blüten tauchten auf und verschwanden wieder und wahrscheinlich hätte es niemanden gewundert, wenn auf einmal ein Schmetterling durch den Kirchenraum geschwebt wäre.
Gerhard Kluth
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