Absage
ans Weltliche
Josef Still eröffnet
die Internationalen Orgeltage
TRIER. (gkl) Domorganist
Josef Still eröffnete die diesjährigen internationalen Orgeltage
im Trierer Dom. Sein grandioser Auftakt weckt große Erwartungen an
die folgenden Konzerte.
Die internationalen Orgeltage
im Trierer Dom haben einen guten Ruf bei Organisten und Konzertbesuchern.
Das zeigt die illustre Reihe der Solisten, die in den nächsten Wochen
konzertieren werden und die Besucherzahl, die schon zum ersten Konzert
kam. Gut 150 Personen füllten den Dom.
Still ist immer für
eine Überraschung gut und gehört nicht zu den Organisten, die
sich unbedingt streng an historische Aufführungsregeln halten. Dies
dokumentierte er bei Bachs Praeludium und Fuge e-Moll, BWV 548. Mag das
bei Anhängern der originalen Spielweise auch zu schmerzverzerrten
Gesichtern führen, Still gibt seinem eigenen Empfinden Ausdruck, nutzt
die technischen Möglichkeiten seines Instruments und passt sich den
akustischen Gegebenheiten des Domes an.
Durch Register- und Manualwechsel
erhielt das letzte große Werk der Leipziger Periode eine ganz eigene
Farbenpracht, die dem Historiker entgeht. Brillant war Stills Idee, die
beiden Teile durch das Choralvorspiel "Dies sind die heil'gen zehn Gebot",
BWV 678, zu trennen. Hier wie schon zu Konzertbeginn in Sigfrid Karg- Elerts
symphonischer Choralfantasie "Jesu meine Freude" erwies sich der Domorganist
nicht nur als Musiker, sondern auch als theologischer Botschafter.
Elerts großangelegtes
Opus interpretierte Still mit dem gesamten Spektrum seines großen
Instruments. Da wird das Textzitat "Ach wie lang, ach lange" zu einer verzweifelten,
fast hoffnungslosen Feststellung, während "Gute Nacht, du Stolz und
Pracht" zu einer trotzigen und absolut sicheren Absage an das Weltliche
gerät. Schade, das gerade bei diesem Werk im Schluss die Orgel an
ihre Grenzen geriet. Sie war heftig außer Atem gekommen und ließ
den grandiosen Schlussakkord etwas schwindsüchtig erscheinen.
Zum Schluss gab es drei
Kompositionen des Franzosen Marcel Dupré, die dem Instrument und
dem Interpret auf den Leib geschneidert waren. In den "Trois Préludes
et Fugues" konnte man merken, dass den Komponisten und den Erbauer der
Domorgel eine enge Freundschaft verband. Duprés kompositorische
Genialität, verbunden mit Stills exzellenter Spielweise und der exquisiten
Farbigkeit seines Instruments machten die Trilogie des Opus 7 zu einem
Hörvergnügen erster Güte. Sie trugen maßgeblich dazu
bei, dass der Auftakt der Orgeltage große Erwartungen an die folgenden
Konzerte weckte.
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