Aktuelle Pressestimmen 17.05.01
Absage ans Weltliche 
Josef Still eröffnet die Internationalen Orgeltage 

TRIER. (gkl) Domorganist Josef Still eröffnete die diesjährigen internationalen Orgeltage im Trierer Dom. Sein grandioser Auftakt weckt große Erwartungen an die folgenden Konzerte.
Die internationalen Orgeltage im Trierer Dom haben einen guten Ruf bei Organisten und Konzertbesuchern. Das zeigt die illustre Reihe der Solisten, die in den nächsten Wochen konzertieren werden und die Besucherzahl, die schon zum ersten Konzert kam. Gut 150 Personen füllten den Dom.
Still ist immer für eine Überraschung gut und gehört nicht zu den Organisten, die sich unbedingt streng an historische Aufführungsregeln halten. Dies dokumentierte er bei Bachs Praeludium und Fuge e-Moll, BWV 548. Mag das bei Anhängern der originalen Spielweise auch zu schmerzverzerrten Gesichtern führen, Still gibt seinem eigenen Empfinden Ausdruck, nutzt die technischen Möglichkeiten seines Instruments und passt sich den akustischen Gegebenheiten des Domes an.
Durch Register- und Manualwechsel erhielt das letzte große Werk der Leipziger Periode eine ganz eigene Farbenpracht, die dem Historiker entgeht. Brillant war Stills Idee, die beiden Teile durch das Choralvorspiel "Dies sind die heil'gen zehn Gebot", BWV 678, zu trennen. Hier wie schon zu Konzertbeginn in Sigfrid Karg- Elerts symphonischer Choralfantasie "Jesu meine Freude" erwies sich der Domorganist nicht nur als Musiker, sondern auch als theologischer Botschafter.
Elerts großangelegtes Opus interpretierte Still mit dem gesamten Spektrum seines großen Instruments. Da wird das Textzitat "Ach wie lang, ach lange" zu einer verzweifelten, fast hoffnungslosen Feststellung, während "Gute Nacht, du Stolz und Pracht" zu einer trotzigen und absolut sicheren Absage an das Weltliche gerät. Schade, das gerade bei diesem Werk im Schluss die Orgel an ihre Grenzen geriet. Sie war heftig außer Atem gekommen und ließ den grandiosen Schlussakkord etwas schwindsüchtig erscheinen.
Zum Schluss gab es drei Kompositionen des Franzosen Marcel Dupré, die dem Instrument und dem Interpret auf den Leib geschneidert waren. In den "Trois Préludes et Fugues" konnte man merken, dass den Komponisten und den Erbauer der Domorgel eine enge Freundschaft verband. Duprés kompositorische Genialität, verbunden mit Stills exzellenter Spielweise und der exquisiten Farbigkeit seines Instruments machten die Trilogie des Opus 7 zu einem Hörvergnügen erster Güte. Sie trugen maßgeblich dazu bei, dass der Auftakt der Orgeltage große Erwartungen an die folgenden Konzerte weckte. 
 

http://www.trierer-orgelpunkt.de