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Die Wolke des Unwissens
Abschlusskonzert in Schweich: Das Hilliard-Ensemble und Freunde
SCHWEICH. (lu) An der Hilliard Summer School auf Schloss Engers nahmen in diesem Jahr fünf Ensembles teil. Was sie von den berühmten englischen Sängern gelernt hatten, stellten sie in einem Konzert der Moselfestwochen vor: "Hilliards and friends" in der Pfarrkirche St. Martin in Schweich.
Schon zum zweiten Mal boten die Moselfestwochen den unterschiedlichen Gesangsensembles, die an der Hilliard Summer School im Kurfürstlichen Schloss Engers ein intensives und lehrreiches Seminar belegt hatten, die Gelegenheit, das frisch erlernte vor Publikum in die Tat umzusetzen.
Fünf Formationen und das Hilliard Ensemble selbst gestalteten im Schweicher Gotteshaus einen Nachmittag, der angefüllt war von Chormusik auf hohem bis höchstem Niveau. Das die Gruppierungen insgesamt keine Anfänger im Bereich der Musik waren, versteht sich von selbst, wodurch die Erwartungen des Publikums natürlich hoch waren.
Der erste Teil des Konzertes diente der Vorstellung der einzelnen Ensembles, die mit unterschiedlichster Literatur vor die zahlreichen Zuhörer traten. Angefangen bei William Byrd (Laetentur Coeli, gesungen vom Quintett Carmina), Giovanni Gabrieli (Ahi senza te/Vocal Quartett Dresden) und Auszügen aus den "Lamentatio Ieremiae" von Thomas Tallis (Ensemble Quint) reichte die Kompositorische Bandbreite bis zu einem "Ave Maria" von Sergei Rachmaninov (Ensemble Sixpack) und dem "Salve Regina" von Francis Poulenc (Quartett Singmazomm).
Das Hilliard Ensemble beteiligte sich an diesem ersten Durchgang mit einem "Libera me, Domine" von Palestrina. Ihr Beitrag lief gewissermaßen außer Konkurrenz und war vor allem geprägt von absoluter Sicherheit und Routine. Anders sah es bei den anderen aus. So konnte man beim Quintett "Carmina", das den nicht gerade angenehmen Teil der Eröffnung übernommen hatte, deutliche Nervosität feststellen, die sich leider auch auf die Stimmsicherheit auswirkte.
Den mit Abstand besten Eindruck hinterließen das gerade erst entstandene Ensemble "Quint" und das österreichische Quartett "Singmazomm", das schon seit 1996 zusammen musiziert. Intonatorisch absolut sauber, dynamisch sehr gut auf einander eingespielt und die Inhalte der gewählten Werke auslotend war es eine Freude, sich in ihre Beiträge zu vertiefen.
Der zweite Teil des Konzertes gehörte der Uraufführung einer Komposition des 1969 geborenen Jonathan Wild, die während der diesjährigen Hilliard Summer School im Schloss Engers entstanden ist. Das mit "The cloud of unknowing" überschriebene große Werk hat Wild individuell auf die Teilnehmer der Schulungswoche zugeschnitten. Jedes Ensemble erhielt noch einmal die Gelegenheit sich solistisch vorzustellen, alle zusammen mussten sich aber für die Eröffnung und das Finale zu einem großen Chor formieren.
Wild, der geistliche und wissenschaftliche Texte des Mittelalters musikalisch verarbeitete, sparte bei seinem Opus nicht mit höchsten Anforderungen an die Ausführenden, die sie durchweg überzeugend erfüllten. Das ganze konnte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Komposition sehr langatmig war und auch dem Publikum einiges abverlangte. So wurde es gegen Ende des Konzertes auch recht unruhig in der Kirche.
Dennoch: Die Zuhörer waren begeistert.
Wer das Konzert "Hilliards and friends" in Schweich hören möchte, hat dazu am 24. August Gelegenheit: SWR 2 sendet dann ab 19 Uhr einen Mitschnitt aus der Pfarrkirche St. Martin in Schweich.
Gerhard Kluth
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