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Händel light
In Bitburg wurde der Messias in Kurzform aufgeführt
Bitburg. Der Messias ist das bekannteste Oratorium von Georg Friedrich Händel. In einer Deutsch-Amerikanischen Co-Produktion erklang es in einer abgespeckten Variante in der Pfarrkirche St. Peter in Bitburg.
Wir leben in einer Zeit, in der es vieles in einer "Lightversion" gibt. Zigaretten werden "light" hergestellt, damit man sich vorstellen kann, sie seien nicht so schädlich, Erfrischungsgetränke sind in der leichten Form gnädig zur Figur und Bier gestattet in der leichten Version noch das Autofahren. Bei allem suggeriert die Werbung den vollen Genuss bei deutlich reduzierten Nebenwirkungen.
Warum nicht auch in der klassischen Musik Werke der großen Meister in der abgespeckten Form. Man pickt sich die schönsten Stellen heraus, lässt alles weg, was beim Publikum ohnehin nicht so gut ankommt oder gerade nicht in die Jahreszeit passt, schon hat man eine Kurzform, die den Erfolg garantiert. Und wenn man gerade schon den Rotstift angesetzt hat, reduziert man kurzerhand auch noch das Orchester auf das allernotwendigste. Die Aufführungskosten werden es einem danken.
In der Pfarrkirche St. Peter in Bitburg konnte man in dieser schlanken Version Georg Friedrich Händels bekanntestes Oratorium erleben. Der Messias, in zeitgemäßer Kurzform, reduziert von originalen 45 Nummern in drei Teilen auf 25 in einem Teil. Das Orchester wurde, dank sei dem Klavierauszug, auf eine Elektronenorgel reduziert, in trauter Zweisamkeit mit einem Keyboard, das cembaloähnliche Klänge hervorbrachte. Für die Feierlichkeit allerdings wollte man auf eine einsame Trompete und lautstarke Pauken nicht verzichten. Bei den Chören allerdings sparte man nicht. Hier taten sich die Ensembles der Bitburger Pfarreien St. Peter und St. Nikolaus (Bitburg-Mötsch) mit denen der katholischen und protestantischen Kirche der Air-Base Spangdahlem zusammen, damit die gewünschte Klanggewalt erreicht werden konnte.
Auch bei den Solisten sollte nicht gespart werden, weshalb man mit den Sopranistinen Cynthia Dyre (Nationaltheater Mannheim) und Nina Kaiser aus München, der Altistin Ingrid Steiner vom Theater Darmstadt, dem Tenor Fernando del Valle von der Opera di Roma und Tobias Scharfenberger (Bass) vom Hagener Theater direkt ein Opernerfahrenes Quintett verpflichtet hatte.
Den elektronischen Orchesterpart hatte Peter Eisele übernommen, das Keyboardcontinuo Alla Sastovskaja. Den Trompetenglanz brachte Willi Notte, für die Dramatik sorgte Martin Schäfer an den Pauken. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Michael Rhodes, der auch die Abfolge der einzelnen Nummern so umsortiert hatte, dass der berühmte Hallelujachor am Ende des Konzertes stand. Hier hat Händel von der Dramatik her wirklich einen Fehler gemacht.
Komplimente muss man den Instrumentalisten, insbesondere Eisele machen, der natürlich eine gewaltige Aufgabe hatte, die er bravourös bewältigte. Auch die Chöre konnten glänzen. Trotz eines teilweise verwirrenden Dirigates kamen die Einsätze sehr präzise. Bei den Solisten hatten wohl nur Kaiser und Scharfenberger verinnerlicht, dass sie nicht auf einer Bühne standen sondern ein religiöses Barockwerk interpretierten.
Etwas verwundern musste man sich bei den einführenden Worten des theologischen Hausherrn der Pfarrkirche. Er meinte, wenn er den Namen "Messias" höre, verbinde er diesen zu allererst mit Georg Friedrich Händel und dann natürlich auch mit Jesus Christus. Umgekehrt wäre es für einen Geistlichen schlüssiger gewesen.
Die Vokabel "merkwürdig" beschreibt etwas, das des Merkens würdig ist. In der nahezu voll besetzten Pfarrkirche in Bitburg konnte man eine merkwürdige Aufführung des Händeloratoriums erleben.
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