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Starke Stimmen
Der schwedische Eric Ericson Kammerchor in Bernkastel-Kues
Bernkastel-Kues. Als unvergleichliches Erlebnis bezeichneten viele Besucher das Konzert des Eric Ericson Kammerchores. Unter der Leitung seines 83-jährigen Chorleiters erklangen Werke des 20. Jahrhunderts.
Selten hat man so viele Kirchenmusiker aus der Region als Zuhörer in einem Konzert gesehen. Grund war das Auftreten eines Chores, der seit Jahrzehnten Weltruhm ge- nießt. Im Rahmen der Mosel Fest- wochen war Eric Ericson mit sei- nem Kammerchor in der Bernkastel-Kueser Brikti uskirche zu Gast.
Auf dem Programm fanden sich ausschließlich Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Mit Ausnahme des deutschen Heinz Werner Zimmermann und des in diesem Jahr verstorbenen Jean-Yves Daniel-Lesur stammten alle Komponisten aus Skandinavien. Was die über 300 Zuhörer erleben durften, war Perfektion pur. Es stellte schon fast eine Erleichterung dar, dass tatsächlich an einer Stelle einmal die Intonation ein wenig wackelte und an einer anderen Stelle ein Einsatz nicht hundertprozentig glückte.
Selten konnte man eine solch ausgefeilte Klangkultur erleben, Einblicke in die Architektur der Kompositionen nehmen. Nirgendwo fanden sich Brüche in den Interpretationen, die Musik floss in unberührter Klarheit wie Wasser aus einer Gebirgsquelle. Pianostellen schwebten wie zarte Blüten durch den Raum, Fortepassagen manifestierten sich gewaltig. Nie aber hatte man den Eindruck, die Sängerinnen und Sänger würden an ihre Grenzen stoßen.
Die Programmfolge hatte Ericson sehr geschickt als einen großen Spannungsbogen aufgebaut, der staunen machte. Immer, wenn man den Eindruck hatte, es sei der Höhepunkt erreicht, wurde eine neue Facette freigelegt, die eine andere Sichtweise erlaubte, die den Zuhörer aufs neue und noch intensiver gefangen nahm. Besonders erlebnisreich, sofern man so etwas über dieses Konzert überhaupt sagen kann, war der zweite Teil des Abends. Vor der Pause waren unter anderem zwei von vier Psalmen aus Edvard Griegs letztem nummerierten Opus (Fire norske Salmer) aus dem Jahre 1906 und zwei Hymnen aus Einojuhani Rautavaaras Vigilia erklungen.
Der zweite Block war der Vergänglichkeit des Lebens gewidmet und wurde durch die Requiemkomposition "O Domine" des Schweden Thomas Jennefelt eröffnet, gefolgt von Sven-David Sandströms "Hear my prayer, O Lord" und Ingvar Lidholms "De profundis". In Sandströms Komposition verkörperte sich die ganze Verzweiflung eines um göttliche Hilfe ringenden Menschen, dargestellt in packenden, mitreißenden und von Emotionen überquellenden Dissonanzen. Hier konnte sich jeder wiederfinden.
Den Abschluss bildete Zimmermanns Darstellung des Chorals "Wachet auf ruft uns die Stimme", bei der endlich einmal deutlich wurde, dass es sich hierbei nicht, wie häufig angenommen, um einen Advents-Choral handelt, sondern um einen für den Ewigkeitssonntag. Jubelnder Applaus am Ende des Konzerts.
Gerhard Kluth
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