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Unvergleichliche Synthese
Himmerod. Der Limburger Domorganist, Professor Markus Eichenlaub, war Solist im zweiten
Orgelkonzert der Abteikirche Himmerod. Sein Programm zeigte, dass in der Klaisorgel erheblich mehr
Möglichkeiten stecken, als man auf den ersten Blick vermuten möchte.
Sie ist immer wieder für Überraschungen gut, die Klaisorgel in der Abteikirche Himmerod. Natürlich hat
ein Instrument dieser Größenordnung ein gewaltiges Klangspektrum, das die Darstellung verschiedenster
Orgelliteratur zulässt, aber beim Studium der Registerzusammenstellung werden Fachleute doch eine
Reihe von Kompositionen als nicht darstellbar bezeichnen. So konnte man denn gespannt sein, wie
Professor Markus Eichenlaub, Organist an der Limburger Domkirche, sein Konzert gestalten würde, bei
dem mindestens ein Werk erklingen sollte, das dem Kriterium "nicht darstellbar" entsprechen sollte. Der
1970 in Herxheim in der Pfalz geborene Organist ist seit vier Jahren für die Orgelmusik am Limburger
Dom verantwortlich und wurde im Jahre 2000 zum Professor an der Folkwang-Hochschule Essen
berufen. Für sein Konzert in der Himmeroder Abtei hatte er nur Werke des 19. und beginnenden 20.
Jahrhunderts ausgewählt. Den drei Tonstücken, Opus 22 des dänischen Komponisten Niels Wilhelm
Gade, folgte zunächst das Scherzo g-moll des Italieners Marco Enrico Bossi und das Benedictus aus
dem Opus 59 von Max Reger.
Eichenlaub demonstrierte mustergültig, wie viel klangliche und harmonische Abwechslung sowohl in den
Kompositionen als auch in der Orgel stecken. Besonders eindrucksvoll gelang ihm Bossis Scherzo, bei
dem die sich jagenden Arpeggien an ein Katz-und-Maus Spiel erinnerten.
Ein Höhepunkt der Abteikonzerte
Als Höhepunkt des Konzertes erklang dann die siebte Symphonie in a-moll des französischen
Großmeisters dieser Kompositionsform, Charles Marie Widor. Insgesamt zehn Symphonien hat Widor,
der, wie kein anderer, diese Gattung zur Vollendung brachte, hinterlassen. Während sich die ersten noch
als typische Orgelwerke zu erkennen geben, behandelt Widor gerade ab der siebten Symphonie das
Instrument immer orchestraler, verlässt immer mehr den Boden des Althergebrachten. Wolfgang
Valerius, Organisator der Konzerte, sagte in seiner Einführung, die Orgel sei natürlich kein französisches
Instrument, aber man werde sehen, dass eine Widor-Symphonie trotzdem spielbar sei. In der Tat schrieb
Widor seine Großwerke für ein Instrument mit fünf Manualen, über 100 Registern und davon alleine 29
Zungenstimmen (Trompeten, Posaunen und so weiter). Himmerod bietet nur vier Manuale und neun
Zungenregister. Sollte da eine werkgerechte Interpretation möglich sein?
Sie war es. Gerade hier liegt das große Geheimnis der Klaisorgel: ihre Wandlungsfähigkeit und auch ihre
Kraft. Sie ist so vollendet in den Raum und seine Akustik hineinkomponiert, bietet so viele Nuancen in
ihrem Klangbild, dass man auch vor französischen Großwerken nicht zurück schrecken muss. Was dem
Instrument gegenüber seinen französischen Schwestern dann doch fehlt, übernimmt die gewaltige
Kathedralakustik, die hier mit der Orgel eine unvergleichliche Synthese eingeht.
So erlebten die zahlreichen Zuhörer, wie sich die machtvollen Unisono-Klänge des ersten Satzes
buchstäblich in die Kirche ergossen, wie ein frei erfundener Choral sich feierlich seine Bahn brach, wie
sich aber auch sphärische Streicherklänge mit filigranem Flötenspiel abwechselte. Eichenlaub bot dem
Publikum eine, die Musik tief durchdringende Interpretation und die Möglichkeiten der Orgel auslotende
Stunde an, die man getrost als einen Höhepunkt der Abteikonzerte bezeichnen kann.
Gerhard Kluth
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Mit freundlicher Genehmigung aus dem Trierischen Volksfreund:
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