Mit freundlicher Genehmigung aus dem Trierischen Volksfreund: - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:52

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Unvergleichliche Synthese
Kloster Himmerod erlebt einen Höhepunkt in den Abteikonzerten

Himmerod. Der Limburger Domorganist, Professor Markus Eichenlaub, war Solist im zweiten Orgelkonzert der Abteikirche Himmerod. Sein Programm zeigte, dass in der Klaisorgel erheblich mehr Möglichkeiten stecken, als man auf den ersten Blick vermuten möchte.

Sie ist immer wieder für Überraschungen gut, die Klaisorgel in der Abteikirche Himmerod. Natürlich hat ein Instrument dieser Größenordnung ein gewaltiges Klangspektrum, das die Darstellung verschiedenster Orgelliteratur zulässt, aber beim Studium der Registerzusammenstellung werden Fachleute doch eine Reihe von Kompositionen als nicht darstellbar bezeichnen. So konnte man denn gespannt sein, wie Professor Markus Eichenlaub, Organist an der Limburger Domkirche, sein Konzert gestalten würde, bei dem mindestens ein Werk erklingen sollte, das dem Kriterium "nicht darstellbar" entsprechen sollte. Der 1970 in Herxheim in der Pfalz geborene Organist ist seit vier Jahren für die Orgelmusik am Limburger Dom verantwortlich und wurde im Jahre 2000 zum Professor an der Folkwang-Hochschule Essen berufen. Für sein Konzert in der Himmeroder Abtei hatte er nur Werke des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ausgewählt. Den drei Tonstücken, Opus 22 des dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade, folgte zunächst das Scherzo g-moll des Italieners Marco Enrico Bossi und das Benedictus aus dem Opus 59 von Max Reger.

Eichenlaub demonstrierte mustergültig, wie viel klangliche und harmonische Abwechslung sowohl in den Kompositionen als auch in der Orgel stecken. Besonders eindrucksvoll gelang ihm Bossis Scherzo, bei dem die sich jagenden Arpeggien an ein Katz-und-Maus Spiel erinnerten.

Ein Höhepunkt der Abteikonzerte

Als Höhepunkt des Konzertes erklang dann die siebte Symphonie in a-moll des französischen Großmeisters dieser Kompositionsform, Charles Marie Widor. Insgesamt zehn Symphonien hat Widor, der, wie kein anderer, diese Gattung zur Vollendung brachte, hinterlassen. Während sich die ersten noch als typische Orgelwerke zu erkennen geben, behandelt Widor gerade ab der siebten Symphonie das Instrument immer orchestraler, verlässt immer mehr den Boden des Althergebrachten. Wolfgang Valerius, Organisator der Konzerte, sagte in seiner Einführung, die Orgel sei natürlich kein französisches Instrument, aber man werde sehen, dass eine Widor-Symphonie trotzdem spielbar sei. In der Tat schrieb Widor seine Großwerke für ein Instrument mit fünf Manualen, über 100 Registern und davon alleine 29 Zungenstimmen (Trompeten, Posaunen und so weiter). Himmerod bietet nur vier Manuale und neun Zungenregister. Sollte da eine werkgerechte Interpretation möglich sein?

Sie war es. Gerade hier liegt das große Geheimnis der Klaisorgel: ihre Wandlungsfähigkeit und auch ihre Kraft. Sie ist so vollendet in den Raum und seine Akustik hineinkomponiert, bietet so viele Nuancen in ihrem Klangbild, dass man auch vor französischen Großwerken nicht zurück schrecken muss. Was dem Instrument gegenüber seinen französischen Schwestern dann doch fehlt, übernimmt die gewaltige Kathedralakustik, die hier mit der Orgel eine unvergleichliche Synthese eingeht.

So erlebten die zahlreichen Zuhörer, wie sich die machtvollen Unisono-Klänge des ersten Satzes buchstäblich in die Kirche ergossen, wie ein frei erfundener Choral sich feierlich seine Bahn brach, wie sich aber auch sphärische Streicherklänge mit filigranem Flötenspiel abwechselte. Eichenlaub bot dem Publikum eine, die Musik tief durchdringende Interpretation und die Möglichkeiten der Orgel auslotende Stunde an, die man getrost als einen Höhepunkt der Abteikonzerte bezeichnen kann.  

Gerhard Kluth



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