Orgeln im Trierer Dom, Teil 4 - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:37

OrgelpunktWeb

Powered by WhatUSeek

 
Orgeln im Trierer Dom, Teil 4
Zurück Zurück   Turbulente Orgelzeiten von 1307 bis 1830 | Die Breidenfeld-Orgel von 1837 | Hochdruckorgel, Elektrizität und ein Konkurs | Schwalbennester aus Bonn und ein flötespielendes Teufelchen |

Schwalbennester aus Bonn und ein flötespielendes Teufelchen
Die Klais-Orgeln von 1974 und 1996

Wohin mit der neuen Orgel? Diese Frage beschäftigte 1970 wieder einmal die Mitglieder einer Trierer Dombaukommission. 
Mitten in der zehnjährigen Domrenovierungszeit war ein Jahr zuvor die altersschwache Weigle-Orgel abgerissen worden. Daß man eine neue Orgel brauchte, stand fest; um ihren Standort jedoch wurde lange gerungen, weil Orgelbauer, Architekten, Musiker und Liturgiker sich nicht einig werden konnten. Die einen plädierten für den Westchor, andere für das nördliche Querhaus oder die beiden Emporen links und rechts vom Kapitelchor. Auch zugunsten eines „Schwalbennestes“, also einer hängenden Konstruktion, wurde argumentiert.

Drei Firmen und zwölf Modelle

In die engere Wahl kamen schließlich der Westchor und das Schwalbennest. Drei Orgelbaufirmen hatten unzählige Zeichnungen und 13 Modelle vorgestellt. Flöten, Trompeten und Oboen hatte man von verschiedenen Stellen des Domes aus blasen lassen, um die akustisch beste Stelle für eine Orgel zu finden. Das Rennen machte schließlich die Bonner Firma Johannes Klais mit dem Vorschlag, eine viermanualige Orgel mit 67 Registern als Schwalbennest zu bauen. Im Juli 1971 wurde der Auftrag erteilt. Die Konstruktion der Orgel enthält bei einer Höhe von 16 Metern ganze fünf „Stockwerke“: unten das Rückpositiv, dann das Spieltischniveau, dann nacheinander Brustwerk, Schwellwerk und Hauptwerk. Die Pfeifen des Pedals sind links und rechts vom Hauptorgelkörper in zwei hohen Türmen untergebracht. 
 

Avantgardistische Experimente

Das optische Erscheinungsbild verdankt die Orgel den beiden Bildhauern Hillebrand und Heiermann, die auf die Idee kamen, die einzelnen Pfeifenfelder als runde Türme anzuordnen und bei den verzierten Gehäuseteilen so ungewöhnliche Baustoffe wie Aluminiumguß einzusetzen. Doch nicht nur metallene „Flower-Power“- Reminiszenzen weisen auf die frühen Siebziger hin; auch avantgardistische Zutaten wie etwa eine Tastenfessel oder Drosselventile, mit denen man die Windversorgung nach und nach zusammenbrechen lassen kann, erinnern an wilde Orgelzeiten. Eine weitere Neuheit, die 1972 in einer Sinziger Orgel gebaut worden war, die sogenannte  „Registermomentsteuerung“, hätte Orgelbauer Klais gerne in der Trierer Domorgel untergebracht; allein das Veto von Domorganist Wolfgang Oehms verhinderte diesen Plan. Auf barocke und sogar mittelalterliche Vorbilder gehen zwei Spezialitäten der Trierer Domorgel zurück: die Röhrenglocken und der Hirtengott Pan. Diese Figur kann vom Organisten mittels eines großen Hebels aus dem Orgelgehäuse geklappt und zum Flötespielen bewegt werden. Aber auch eine schlimmere Erklärung des Flötenspielers ist möglich: Der Teufel wird vom Orgelbauer gezwungen, im Dom Musik zur Ehre Gottes zu machen und rächt sich seinerseits durch fürchterlich verstimmte Pfeifen.

Zeitverzug

Der Countdown für Domrenovierung und Orgelbau lief. Für den 1. Mai 1974 war die feierliche Domeröffnung samt Orgelweihe geplant. Im Herbst 1973 sollten die Handwerker fertig sein, damit die Orgelbauer ohne Lärm und Staub mit der Montage beginnen könnten. Jedoch war die Renovierung so in Verzug geraten, daß die Arbeit der Orgelbauer lautstark von Steinmetzen und Fußbodenlegern begleitet wurde. Die Lage spitzte sich noch zu, als im März 1974 der Intonateur der Orgel durch einen Arbeitsunfall für einige Wochen ausfiel. Zur Domeröffnung war die Orgel zwar spielbar und wurde auch eingeweiht; ganz fertiggeworden war sie aber nicht. Das für den Abend dieses Festtages vorgesehene Orgelkonzert mit der Uraufführung von Hermann Schroeders für diesen Anlaß komponiertem „Tedeum trevirense“ mußte auf den 12. Mai verlegt werden. Die Vollendung der Trierer Domorgel wurde in vielen Zeitschriften und Zeitungen mit begeisterten Artikeln gefeiert. 

Die neue Chororgel

Daß die Hauptorgel wegen der zu großen Entfernung nicht zur Begleitung des Domchors eingesetzt werden kann, war schon 1974 klar gewesen. Überlegungen zum Bau einer Chororgel gab es daher bereits damals. Konkrete Planungen begannen aber erst 1992.
Die Hauptaufgabe der Chororgel ist das begleitende und konzertierende Musizieren mit dem Domchor. Aber auch bei der Begleitung von Solisten bewährt sie sich. Da die Chororgel in keiner Hinsicht eine Konkurrenz zur großen Orgel darstellen durfte, wurde ihre Größe auf 24 Register und zwei Manuale samt Pedal festgelegt.

Wie schon 1970 wurde auch bei der  Chororgel lange über den Standort diskutiert. Realisiert wurde schließlich die Plazierung an der Südwand des Ostchors und auf der dahinter liegenden Empore. Wie die Hauptorgel wurde auch die Chororgel als Schwalbennest gebaut.
In dem architektonisch sensiblen Bereich neben dem Hochaltar und der barocken Treppenanlage konnte eine Orgel, die weit in den Raum ragt, aus denkmalpflegerischen Gründen nicht in Frage kommen. Das vom Kirchenraum aus sichtbare Orgelgehäuse nimmt daher lediglich die acht Register des Hauptwerks und den mechanischen Spieltisch auf, insgesamt also etwa ein Drittel des Instruments. Die fünf Pedalregister und das Schwellwerk mit seinen elf Registern steht dahinter auf der Empore. Gespielt werden kann die Orgel entweder am mechanischen Spieltisch auf dem Schwalbennest oder am elektrischen Spieltisch, der im Hochchor in unmittelbarer Nähe zum Dirigenten des Chors steht. Für ein präzises Zusammenspiel zwischen Chor und Orgel ist dieser direkte Kontakt unerläßlich. Die Registertraktur ist elektrisch; mit Hilfe von 96 „Setzerkombinationen“ können verschiedenste Klangkombinationen  vorprogrammiert und auf Knopfdruck abgerufen werden. 
Die farbliche Fassung des Gehäuses besorgte die Trierer Domschreinerei.

Quellen:

Gustav Bereths: Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik; Wolfgang Oehms: Die neue Orgel im Dom zu Trier; in: Franz Ronig (Red.): Der Trierer Dom, 1980; Hans Gerd Klais: Beiträge z. Geschichte u. Ästhetik d. Orgel. Archivalien des Orgelbaureferates im Generalvikariat, Trier.

Josef Still



Besuchen Sie unsere Sponsoren: Musikhaus Kessler Bischöfliche Weingüter


Orgelpunkt Online Shop

Themen:

MITMACHEN IM ORGELPUNKT
Nennen Sie uns Ihren Lieblings-Interpreten | Präsentieren Sie Ihre Lieblings-CD | Ihr schönstes Orgel- / Spieltischfoto | Verweisen Sie mit einem Link auf "Ihre" Orgel | Berichten Sie über ein Orgelkonzert | Geben Sie eine kostenlose private Kleinanzeige auf |

DIE AM HÄUFIGSTEN GELESENEN ORGELPUNKT - SEITEN
Trierer Dom | Konstantin-Basilika | 7 Goldene Regeln des Orgelübens | Trierer Kirchen | Kalender | Orgelpunkt - Leser wählen die besten Orgel - CDs | Trier Panorama | CD-Empfehlungen vom Webmaster | Die großen Orgelzyklen | Impressionen | WWW-Links | Orgelpunkt Online Shop

TRIERER KIRCHEN UND ORGELN
Trierer Dom:
Dom | Kunstgeschichte | Domorgeln | Domorganist | Orgelhistorisches | Frühere Domorganisten und -kapellmeister | UNESCO-Weltkulturerbe | Moderne Fresken im Dom | Dombaumeister Wilhelm Peter Schmitz | Niederländische Orgelbaumeister am Trierer Dom | Fotogalerie Trierer Domorgel |
Konstantin-Basilika:
Basilika | Kunstgeschichte | Orgeln | Organist | Orgelhistorisches | Bachchor | Caspar-Olevian-Chor | Ev. Kinderchor | UNESCO-Weltkulturerbe | Panoramafotos Probe Bachchor |
Weitere Kirchen:
St. Matthias | Herz Jesu | Welschnonnenkirche | St. Antonius | St. Paulin | St. Martin | St. Irminen | Jesuitenkirche | Pfarrkirche Heiligkreuz | Stiftskirche Pfalzel | St. Helena, Euren | Liebfrauen-Kirche | St. Gangolf |

ORGELHISTORISCHES IM TRIERER RAUM
Trierer Orgeln 1900 - 1945:
Dom, St. Gangolf, St. Antonius und Treviris | Liebfrauenkirche | Kloster der Ewigen Anbetung, Hausorgel von Domkapellmeister Stockhausen, Orgel des Max-Planck-Gymnasiums | St. Paulus, Heiligkreuz | Kirche der Barmherzigen Brüder, Kirche der Weissen Väter, St. Helena (Euren) und Herz Jesu | St. Martin, St. Bonifatius (Kürenz) und St. Paulin | Pfalzel, Ruwer und Zewen |
Frühere Trierer Domorganisten und -kapellmeister:
Peter Joseph Pletz | Georg Schmitt | Michael Hermesdorff | Heinrich Pauli | Jodocus Kehrer | Ludwig Boslet | Hermann Schroeder | Dr. Paul Schuh | Wolfgang Oehms | Joseph Torner | Wilhelm Stockhausen |
Geschichte der Domorgeln:
Turbulente Orgelzeiten von 1307 bis 1830 | Die Breidenfeld-Orgel von 1837 | Hochdruckorgel, Elektrizität und ein Konkurs | Schwalbennester aus Bonn und ein flötespielendes Teufelchen |
Frühere Orgelbauer:
Wilhelm Breidenfeld | Nikolaus Franzen | Eduard Sebald | Gebrüder Stumm | Orgelbauanstalt Mamert Hock | Anton und Heinrich Turk, Klausen | Heinrich Voltmann, Klausen | Orgelbau Claus |
Historische Orgelnachrichten:
Frühe Orgelnachrichten aus Kurtrier | Neue Erkenntnisse zur Orgelgeschichte des Bistums Trier | Einweihung der Bambusorgel von Las Pinas durch W. Oehms | Niederländische Orgelbaumeister am Trierer Dom |

BETRIEB UND WARTUNG VON ORGELN
Zur Bedeutung von Orgelwartungsverträgen | Sicherung von Orgeln bei Bau- und Malerarbeiten | Merkblatt zum richtigen Heizen und Lüften | Muster-Orgelwartungsvertrag | Mustersatzung Orgelbauverein | Zur Qualität von Orgelaufnahmen |

ORGELÜBEN
7 Goldene Regeln des Orgelübens | Aspekte des "schlauen" Fingersatzes |

IMPRESSIONEN
2009 | 2008| 2007 |2006 | 2005 | 2004 | 2003 (A) | 2003 (B) | 2002 | 2001 |

ORGELZYKLEN IN TRIER UND HIMMEROD
Orgelzyklen 2009 | Orgelzyklen 2008 |Orgelzyklen 2007 | Orgelzyklen 2006 | Orgelzyklen 2005 | Orgelzyklen 2004 | Orgelzyklen 2003 |

ORGELPUNKT-LESER WÄHLEN DIE BESTEN ORGEL-CDs
April 2009 Januar 2009 Juni 2008 April 2008 Februar 2008 Dezember 2007 Oktober 2007 August 2007 Juli 2007 Mai 2007

TRIERER MUSIKGESCHICHTE
Zwischen Tradition und Fortschritt - Der Trierer Domkapellmeister Wilhelm Stockhausen (PDF) | Bachrezeption in Trier | Zum Cäcilianismus in Trier | Ein altes Palliener Weihnachtslied | Bischof Marx: "Kein Tach ohne Bach" |

BUCHBESPRECHUNGEN
Lexikon Orgelbau | Lexikon der Orgel | Orgelführer Deutschland | Handbuch Orgelmusik | Orgellandschaft Ostfriesland | Die Arp Schnitger-Orgel der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg | Repertorium Orgelmusik | Orgeln in Niedersachsen | Organistenbüchlein | Die Orgel Gottfried Silbermanns | Orgeln in Lothringen | Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins | Orgeln der Neuapostolischen Kirche |

VERSTEIGERUNGEN BEI EBAY

BESTELLMÖGLICHKEITEN UND INTERPRETEN-SUCHE
Bestellmöglichkeit für CDs, Bücher, Noten:
Orgelpunkt Online Shop | Abteiorgel Online Shop | Trier Online Shop | Organisten-Suche bei JPC und Amazon | Links zum Amazon-Musikversand: Französische Orgelmusik | Präludien & Toccaten | Deutsche Barockorgel | Choralvorspiele | Orgelkonzerte |

Orgeln im Trierer Dom, Teil 4

Zum Seitenanfang
Diese Seite drucken