Orgeln im Trierer Dom, Teil 3 - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:37

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Orgeln im Trierer Dom, Teil 3
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Hochdruckorgel, Elektrizität und ein Konkurs
Die schwäbische Firma Weigle baut von 1899 bis 1908 an einer Doppelorgel

Die legendäre Wiener Weltausstellung im Jahr 1873 hatte den Besuchern zahlreiche Attraktionen zu bieten. Eine davon war eine „Elektromagnetische Orgel“ des Stuttgarter Orgelbauers Weigle. Natürlich wurde bei ihr der Ton wie bisher durch Orgelpfeifen erzeugt; die Betätigung der einzelnen Ventile aber geschah erstmals durch 845 kleine Elektromagnete und nicht mehr durch herkömmliche Mechaniken aus Holzstäbchen, Wippen und Winkeln. Die neue Erfindung machte es möglich, Orgelspieltische weit entfernt von der eigentlichen Orgel aufzustellen. Zur Verbindung genügte ein Kabelstrang. 

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Die in Wien vielbestaunte Orgel ist insofern erwähnenswert, als sich dieses neue System im Orgelbau erst fünfzig Jahre später durchzusetzen begann. Die meisten Orgelbauer hatten sich um 1890 herum auf pneumatische Orgeln verlegt und wagten sich erst in den zwanziger Jahren an die Elektrik.

Schwäbischer Tüftler

Das Trierer Domkapitel schloß 1899 mit eben diesem Carl G. Weigle einen Vertrag zum Neubau einer Orgel. Weigle war ein exzellenter Orgelbauer, der damals schon Instrumente bis nach Amerika, Afrika und Asien geliefert hatte. Der schwäbische Tüftler konnte eine ganze Reihe von Erfindungen vorweisen, die er auch auf den Briefbögen seiner Firma angab; bis auf den „Registerschweller“ sind seine Patente jedoch allesamt wieder aus dem Orgelbau verschwunden. Neuheiten in der Trierer Domorgel sollten das elektro-pneumatische System, ein elektrisches Orgelgebläse und als besondere Sensation eine Hochdruckorgel sein. Die Pfeifen dieses Teilwerkes bekamen viermal soviel Winddruck wie die herkömmlichen Pfeifen; ihre Lautstärke soll etwa doppelt so groß gewesen sein. Das linke Gehäuse enthielt ausschließlich solche Hochdruckpfeifen, insgesamt zwölf Register. Auf der rechten Empore stand die „Normal-Orgel“ mit 43 Registern. Auch der Spieltisch, von dem aus beide Orgeln gespielt werden konnten, stand rechts. 

Baustop

Der Vertrag vom Februar 1899 sah eine Fertigstellung der ganzen Orgel innerhalb von nur acht Monaten vor. In der Tat war die Normal-Orgel im Dezember fertig, konnte aber nicht aufgestellt werden, da die Gehäusegestaltung noch unklar war. Sogar ein Jahr später, als an der Jahreswende 1900/1901 die Orgel aufgebaut wurde, wurde aus gleichem Grund anstelle des Orgelgehäuses ein provisorischer Verschlag um das Werk gezimmert.
Wie aus heiterem Himmel muß Anfang 1902 die Nachricht gekommen sein, Weigle könne die Orgel nicht vollenden, da ein Konkursverfahren gegen ihn eingeleitet sei. Mehrere Firmen boten an, die Orgel weiterzubauen; das Domkapitel beauftragte schließlich Friedrich Weigle, den Bruder des Firmenchefs, unter der Auflage, die Orgel bis Oktober 1903 fertigzustellen. Weil sich aber die Dombaukommission immer noch nicht über die Gehäuseform einigen konnte und außerdem der zu kleine elektrische Gebläsemotor Mühe hatte, den Wind für die Hochdruckorgel zustande zu bringen, kam Friedrich Weigle in Terminnot. 1904 übernahm ein weiterer Bruder die Bauleitung und vollendete ein Jahr später die Hochdruckorgel. Richtig funktioniert hat sie aber erst 1907 , als das schwache Gebläse durch ein größeres ersetzt worden war. Geliefert hatte es nach langen Verhandlungen das Bayerische Elektricitätswerk München/Landshut. Mittlerweile waren auch die beiden Orgelgehäuse fertiggeworden. Nachdem aber wiederum eine gesetzte Frist zur Vollendung der Orgel nicht eingehalten worden war, wurde es dem Domkapitel zu bunt, und es beauftragte die Firma Klais in Bonn mit der Fertigstellung. Im Mai 1908 wurde der Vertrag mit Klais gemacht; im September war die Orgel fertig. 

Domorganist Boslet jubiliert

Noch vor seiner offiziellen Ernennung zum Domorganisten schrieb Ludwig Boslet im Jahr 1909 an Friedrich Weigle: „ ... wenn dann der Domchor in herrlicher Harmonie erklingt und die Domorgel in brausender Großartigkeit den weiten Raum erbeben läßt, so möchte man wirklich jubilieren. Das große akustische Innere des Domes beläßt Ihren Hochdruckregistern eine überaus glanzvolle Wirkung. Das Plenum berauscht förmlich. Eine solche edle Tongewalt hörte ich noch niemals über die Köpfe der Kirchenbesucher dahinrauschen. Fürwahr! Man wird des Hörens nicht satt.“
Die Firma Weigle hat sich offenbar vom Konkurs und seinen Folgen schnell erholt: Allein in Trier baute sie in den folgenden Jahren zwei prächtige Orgeln, 1910 in der Liebfrauenkirche und 1913 in der evangelischen Konstantin-Basilika. Ebenfalls 1913 entstand eine große, weitgehend noch erhaltene Weigle-Orgel in Altenkessel bei Saarbrücken.

Das Ende

Die Orgeln in Liebfrauen und in der Konstantin-Basilika fielen den Kriegszerstörungen zum Opfer und auch die Domorgel überstand den zweiten Weltkrieg nicht unversehrt. Ein Bombentreffer im August 1944 verursachte so schwere Beschädigungen der Hochdruckorgel, daß man sich nicht entschließen konnte, sie wieder reparieren zu lassen. Die „Normal-Orgel“ mußte fortan ohne die Hilfe der Hochdruckpartnerin auskommen. Ihren letzten großen Einsatz hatte die Weigle-Orgel bei der Heilig-Rock-Wallfahrt 1959. Fünf Jahre später, im März 1964, wurde der Dom geschlossen und die Renovierung begann. Die Orgel hatte ausgedient; 1969 baute man sie ab. 

Quellen:

Gustav Bereths: Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik. Mainz 1974; Franz Ronig (Red.): Der Trierer Dom, 1980; Hermann Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister; Werbeprospekt Weigle ca. 1913; Archivalien des Bistumsarchivs, Trier (Abt. 91/278)

Josef Still



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