![]() |
![]() |
![]() |
|
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
|
Orgelpunkt durchsuchen:
|
 
Turbulente Orgelzeiten von 1307 bis 1830 | Die Breidenfeld-Orgel von 1837 | Hochdruckorgel, Elektrizität und ein Konkurs | Schwalbennester aus Bonn und ein flötespielendes Teufelchen |
Hochdruckorgel,
Elektrizität und ein Konkurs
Die legendäre Wiener
Weltausstellung im Jahr 1873 hatte den Besuchern zahlreiche Attraktionen
zu bieten. Eine davon war eine „Elektromagnetische Orgel“ des Stuttgarter
Orgelbauers Weigle. Natürlich wurde bei ihr der Ton wie bisher durch
Orgelpfeifen erzeugt; die Betätigung der einzelnen Ventile aber geschah
erstmals durch 845 kleine Elektromagnete und nicht mehr durch herkömmliche
Mechaniken aus Holzstäbchen, Wippen und Winkeln. Die neue Erfindung
machte es möglich, Orgelspieltische weit entfernt von der eigentlichen
Orgel aufzustellen. Zur Verbindung genügte ein Kabelstrang.
Die in Wien vielbestaunte
Orgel ist insofern erwähnenswert, als sich dieses neue System im Orgelbau
erst fünfzig Jahre später durchzusetzen begann. Die meisten Orgelbauer
hatten sich um 1890 herum auf pneumatische Orgeln verlegt und wagten sich
erst in den zwanziger Jahren an die Elektrik.
Schwäbischer Tüftler
Das Trierer Domkapitel schloß
1899 mit eben diesem Carl G. Weigle einen Vertrag zum Neubau einer Orgel.
Weigle war ein exzellenter Orgelbauer, der damals schon Instrumente bis
nach Amerika, Afrika und Asien geliefert hatte. Der schwäbische Tüftler
konnte eine ganze Reihe von Erfindungen vorweisen, die er auch auf den
Briefbögen seiner Firma angab; bis auf den „Registerschweller“ sind
seine Patente jedoch allesamt wieder aus dem Orgelbau verschwunden. Neuheiten
in der Trierer Domorgel sollten das elektro-pneumatische System, ein elektrisches
Orgelgebläse und als besondere Sensation eine Hochdruckorgel sein.
Die Pfeifen dieses Teilwerkes bekamen viermal soviel Winddruck wie die
herkömmlichen Pfeifen; ihre Lautstärke soll etwa doppelt so groß
gewesen sein. Das linke Gehäuse enthielt ausschließlich solche
Hochdruckpfeifen, insgesamt zwölf Register. Auf der rechten Empore
stand die „Normal-Orgel“ mit 43 Registern. Auch der Spieltisch, von dem
aus beide Orgeln gespielt werden konnten, stand rechts.
Baustop
Der Vertrag vom Februar 1899
sah eine Fertigstellung der ganzen Orgel innerhalb von nur acht Monaten
vor. In der Tat war die Normal-Orgel im Dezember fertig, konnte aber nicht
aufgestellt werden, da die Gehäusegestaltung noch unklar war. Sogar
ein Jahr später, als an der Jahreswende 1900/1901 die Orgel aufgebaut
wurde, wurde aus gleichem Grund anstelle des Orgelgehäuses ein provisorischer
Verschlag um das Werk gezimmert.
Domorganist Boslet jubiliert
Noch vor seiner offiziellen
Ernennung zum Domorganisten schrieb Ludwig Boslet im Jahr 1909 an Friedrich
Weigle: „ ... wenn dann der Domchor in herrlicher Harmonie erklingt und
die Domorgel in brausender Großartigkeit den weiten Raum erbeben
läßt, so möchte man wirklich jubilieren. Das große
akustische Innere des Domes beläßt Ihren Hochdruckregistern
eine überaus glanzvolle Wirkung. Das Plenum berauscht förmlich.
Eine solche edle Tongewalt hörte ich noch niemals über die Köpfe
der Kirchenbesucher dahinrauschen. Fürwahr! Man wird des Hörens
nicht satt.“
Das Ende
Die Orgeln in Liebfrauen
und in der Konstantin-Basilika fielen den Kriegszerstörungen zum Opfer
und auch die Domorgel überstand den zweiten Weltkrieg nicht unversehrt.
Ein Bombentreffer im August 1944 verursachte so schwere Beschädigungen
der Hochdruckorgel, daß man sich nicht entschließen konnte,
sie wieder reparieren zu lassen. Die „Normal-Orgel“ mußte fortan
ohne die Hilfe der Hochdruckpartnerin auskommen. Ihren letzten großen
Einsatz hatte die Weigle-Orgel bei der Heilig-Rock-Wallfahrt 1959. Fünf
Jahre später, im März 1964, wurde der Dom geschlossen und die
Renovierung begann. Die Orgel hatte ausgedient; 1969 baute man sie ab.
Quellen:
Gustav Bereths: Beiträge
zur Geschichte der Trierer Dommusik. Mainz 1974; Franz Ronig (Red.): Der
Trierer Dom, 1980; Hermann Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister;
Werbeprospekt Weigle ca. 1913; Archivalien des Bistumsarchivs, Trier (Abt.
91/278)
Josef Still
Besuchen Sie unsere Sponsoren: Musikhaus Kessler
Bischöfliche Weingüter
|
|
Orgeln im Trierer Dom, Teil 3
. |
Zum Seitenanfang Diese Seite drucken |
|
|