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Orgelpunkt durchsuchen:
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Turbulente Orgelzeiten von 1307 bis 1830 | Die Breidenfeld-Orgel von 1837 | Hochdruckorgel, Elektrizität und ein Konkurs | Schwalbennester aus Bonn und ein flötespielendes Teufelchen |
Die
Breidenfeld-Orgel von 1837
Erst hatten die Franzosen
zusammen mit einheimischem Pöbel 1794 den Dom geplündert und
dabei auch die beiden Orgeln zerstört. Vier Jahre später machten
sie dann dem Trierer Kurstaat ein Ende. Als auch Napoleons politisches
Ende besiegelt war, kam Trier 1815 zu Preußen und wurde vom fernen
Berlin aus regiert. Die französische Revolution hatte also einen gewaltigen
Mechanismus in Gang gesetzt, zu dem auch die Säkularisation gehörte.
Nicht auf das Konto der Revolution
ging allerdings eine andere Verwüstung im Dom: Um 1810 herum war überlegt
worden, einen großen Haupteingang mitten durch die Westapsis zu brechen.
Zwar wurde dieser Plan nicht verwirklicht, doch hatte man in der ersten
Begeisterung den Westchor leergeräumt und dabei den wertvollen barocken
Nikolausaltar zerstört. Dieser Doppelaltar stand am östlichen
Ende des damals noch größeren Westchors, dicht bei dem großen
Marmorbecken. Er hatte zwei Schauseiten: eine zum Westchor hin und eine
zum Dom.
Geschenk aus Wetzlar
Als der von Napoleon eingesetzte
Bischof Mannay 1802 sein Amt antrat, war im Dom nur die kleine Chororgel
aus dem Agnetenkloster spielbar. Der Einbau der Himmeroder Orgel im Jahr
1807 erwies sich als Fehler, wie im letzten Beitrag geschildert wurde.
Um so vorsichtiger ging man zu Werke, als der preußische König
dem Trierer Bischof von Hommer 1830 die Stumm-Orgel des Franziskanerklosters
in Wetzlar schenkte. Die Orgel mit 30 Registern auf zwei Manualen und Pedal
war von Domorganist Schmitt geprüft und für geeignet befunden
worden. Die Orgelbauer Stumm aus Rhaunen-Sulzbach sollten die Orgel in
Trier aufbauen und sie dabei um ein paar Register vergrößern.
Sie schlugen vor, das Instrument nicht mehr in das Schwalbennestgehäuse,
sondern auf eine Empore im Westchor zu stellen. Dieser Platz, der zwanzig
Jahre zuvor durch die voreilige Zerstörung des Nikolaus-Altars freigeworden
war, fand allseits Zustimmung. Bewegung kam in das Orgelprojekt, als der
tatkräftige Dompropst Auer die Sache in die Hand nahm. Überraschend
wurden die Verhandlungen mit Stumm abgebrochen; das Domkapitel stieß
sich an seiner Lieferzeit von vier Jahren. Die Firma Breidenfeld aus Münster
hingegen hatte zugesagt, die Orgel in zwei Jahren fertigstellen zu können.
Heinrich Wilhelm Breidenfeld
(1798-1875) begann 1826 in Münster als selbständiger Orgelbauer.
Der gelungene Umbau der Domorgel in Münster 1830 vermehrte sein Ansehen
so sehr, daß das Trierer Domkapitel ihm drei Jahre später den
Auftrag zum Bau der Orgel im Westchor erteilte. Kurz nach deren Fertigstellung
siedelte Breidenfeld mit seinem Betrieb nach Trier über. Nach 1875
führten seine Söhne die Werkstatt unter dem Namen „Gebr. Breidenfeld“
weiter. Insgesamt lieferte die Orgelbauerfamilie etwa 60 neue Orgeln, die
meisten in das Bistum Trier, einige auch in die Bistümer Münster
und Luxemburg. Nach der Jahrhundertwende kam die Firma mehr und mehr in
Schwierigkeiten und gab schließlich den Betrieb auf. 1912 wird sie
im Trierer Adreßbuch nicht mehr genannt.
Berliner Vorschriften
Breidenfeld brauchte aber
auch vier Jahre. Schuld an der Verzögerung war allerdings nicht der
Orgelbauer, sondern eine schier endlose Diskussion mit der Kgl. Oberbaudeputation
in Berlin über die Gestaltung des Orgelgehäuses. Die Orgelempore,
auf der auch noch ein Chor Platz hatte, war schon 1832 gebaut worden; entworfen
hatte sie der Trierer kgl. Bauinspektor Wolff. Karl Friedrich Schinkel,
der berühmte Berliner Architekt und preußische Oberbaudirektor,
hatte 1833 die Empore - noch ohne Orgel darauf - gesehen und sie recht
gelobt: „Die ganze Anordnung trägt zum Schmucke dieser alten Kirche
bei, vorausgesetzt, daß das Orgelwerk selbst, wie es so häufig
geschieht, durch willkürliche Abweichung von einem guten Entwurf nicht
durch Geschmacklosigkeit seiner äußeren Form, das Innere der
Kirche entstellt.“ Der „gute Entwurf“ stammte natürlich aus Berlin
und sah zwei einzelne Gehäuse vor, zwischen denen das Licht der Apsisfenster
in den Dom fallen konnte. Außerdem waren zwei kleine Rückpositive
an der Emporenbrüstung eingezeichnet. Der Vorschlag der „Ober Bau
Deputation“ und vermutlich die ganze Berliner Bevormundung mißfielen
dem Bischof, dem Domkapitel und dem Orgelbauer, der seinerseits eine neue
Zeichnung nach eigenen Vorstellungen anfertigte. Breidenfeld störte
es besonders, daß man von ihm verlangte, in der Schauseite der Orgel
nur stumme Pfeifen als Attrappen einzubauen. Da aber Assessor Busse, ein
Mitarbeiter Schinkels, die Arbeiten genau überwachte und darüber
regelmäßig nach Berlin Bericht erstattete, konnte nur ein Kompromiß
den Konflikt entschärfen: Die verlangten zwei Gehäuse wurden
gebaut, aber durch einen niedrigeren Mittelteil miteinander verbunden.
Die Rückpositive wurden weggelassen. Von den 307 neuen Prospektpfeifen
waren lediglich 64 klingend, alle übrigen waren stumm. Der Vertrag
mit Breidenfeld aus dem Jahr 1833 sah vor, daß von den 30 Wetzlarer
Registern 21 wiederverwendet werden; 29 neue sollten hinzukommen. Nach
den schlechten Erfahrungen, die man mit der Himmeroder Orgel gemacht hatte,
untersuchte man die alten Orgelteile aber um so genauer und übernahm
schließlich nur elf ganze Register in die neue Orgel. Die übrigen
Teile baute Breidenfeld neu und spendierte sogar noch zwei Register aus
eigener Tasche. Die 1837 vollendete Orgel hatte somit eine Größe
von 52 Registern.
Begeisterung und Kritik
Zeitgenössische Quellen
loben die Klarheit und Verständlichkeit des neuen Instruments. Als
Kind der Romantik verfügte sie über einen dunklen, fülligen
Klang; der Klang der höheren Register war bewußt nicht
scharf und schneidend. Die Trierische Zeitung begeisterte sich am 17.Juli
1837: „Mächtig rollen die Bässe durch die weiten Hallen und erfüllen
sie mit Ton voll Kraft und Würde. Die höheren Stimmen schließen
sich ihnen gut an, und edel und abgerundet, sanft und lieblich tönend
durcheilen sie die großen Räume, und sind klar und verständlich
am fernsten Punkt der Kirche zu vernehmen, selbst in den Aeolsharfen gleich
klingenden Chorregistern.“
Über sechzig Jahre lang
tat die so gelobte Orgel Dienst. Einzelne Stimmen protestierten von Anfang
an gegen das Orgelgehäuse; ein Leserbriefschreiber der Trierer Zeitung
fragte 1846, ob man die Orgel wegen „offener Abgeschmacktheiten“ nicht
an die im Umbau befindliche evangelische Konstantinsbasilika „lucrativ
abgeben könne.“ Widerstand gegen die Orgel formierte sich aber ab
1890 auch im Dom selbst, wo vor allem Domkapellmeister Lenz die Aufstellung
im Westchor kritisierte. Der Abstand zu den Choralsängern und zu dem
wohl auch im Ostchor singenden Chor sei viel zu groß; Meßkompositionen
mit Orgelbegleitung seien unmöglich und von einer Unterstützung
des Gesangs durch die Orgel könne keine Rede sein.
Kaiserliches Machtwort
Während allmählich
die Planung für eine neue Orgel in der Nähe des Altares begann,
stellte sich die Frage, was mit Breidenfelds Orgel und der Empore geschehen
solle. Unter Mißbilligung der preußischen Baubehörde wurde
die Orgel 1905 schließlich abgerissen. Die Empore blieb vorerst stehen
und sollte nach Meinung einiger Denkmalpfleger erhalten bleiben. Weil in
dieser Frage aber keine Einigkeit herrschte, half zum Schluß nur
ein allerhöchstes Machtwort: Kaiser Wilhelm II. ließ sich kurz
über den Streit informieren und geruhte dann zu entscheiden, die Empore
solle abgebrochen und dafür ein Lettner errichtet werden. 1906 entfernte
man die Empore; ein Lettner aber wurde nie gebaut.
Quellen:
Gustav Bereths: Beiträge
zur Geschichte der Trierer Dommusik; Franz Bösken: Zur Geschichte
der Trierer Domorgeln nach 1794; Franz Ronig (Red.): Der Trierer Dom, 1980;
Hermann Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister; Christine Rohles:
Das Orgelbauergeschlecht Breidenfeld; Frdl. Mitteilungen von Prof. Dr.
F. Ronig, Trier, und R. Schneck, Wittlich. Archivalien des Bistumsarchivs,
Trier.
Josef Still
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Orgeln im Trierer Dom, Teil 2
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