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Orgeln im Trierer Dom, Teil 1
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Turbulente Orgelzeiten von 1307 bis 1830 | Die Breidenfeld-Orgel von 1837 | Hochdruckorgel, Elektrizität und ein Konkurs | Schwalbennester aus Bonn und ein flötespielendes Teufelchen |
In vier Beiträgen fasste
Domorganist Josef Still 1996 im Bistumsblatt PAULINUS die Geschichte der
Domorgeln zusammen.
Turbulente
Orgelzeiten von 1307 bis 1830
Blasende
Engel, Trommeln und drei Orgeln aus zweiter Hand
Zum Glück hat das Trierer
Domkapitel stets gewissenhaft Buch geführt über seine Einnahmen
und Ausgaben: Sonst wüßten wir wenig über die ersten Orgeln
im Trierer Dom. Eine Rechnung aus dem Jahr 1381, der man lange Zeit die
erste Erwähnung einer Trierer Domorgel zugeschrieben hat, berichtet
über eine Reparatur an einer Orgel mit zwei Bälgen. Ein Benediktiner
aus Maria Laach fand 1965 in einer Londoner Bibliothek einen noch älteren
Beleg, als er einen „Liber ordinarius“ (ein Meßordnungs-Buch) des
Trierer Doms aus den Jahren 1305/1307 untersuchte. Darin fand er die Vorschrift,
daß bei der Vesper am Vorabend des Domweihefestes „Orgel und Chöre
abwechselnd“ einen Hymnus und das Magnificat vortragen sollten. Wer diese
Orgel gebaut hatte und welche Klänge sie von sich gab, liegt völlig
im Dunkeln. Daß sie - wie die heutige Hauptorgel - als sogenanntes
„Schwalbennest“ an der Nordwand über der Kanzel hing, wird als sicher
angenommen, da diese Konstruktion damals allgemein üblich war. Genaueste
Berichte in lateinischer Sprache verwahrt das Staatsarchiv in Koblenz zu
einer Orgelerweiterung in den Jahren 1387 und 1388: Die vorhandene Orgel
wurde aufgestockt und bekam ein Oberwerk mit dem schönen Namen „Angelus“.
Gleichzeitig kamen zwei zusätzliche Bälge, eiserne Registerzüge,
große bemalte Flügeltüren aus Holz und Leinwand und eine
weitere Tastenreihe dazu. Zum letzten Mal wurde diese Orgel 1464 erweitert.
Sie verfügte nun über acht Bälge, die über einen raffinierten
Mechanismus von einem einzigen Balgtreter bedient werden konnten und über
14 Registerzüge.
„Durchdryngendt unnd woellgestimpt“
1537 schloß das Domkapitel
mit dem aus Saffig bei Koblenz stammenden Peter Bryssiger einen Vertrag
über den Neubau einer Orgel. Bryssiger, der in den Niederlanden gearbeitet
hatte, war drei Jahre zuvor durch einen großen, gelungenen Orgelumbau
in der Koblenzer Florinkirche aufgefallen. Der Trierer Vertrag - in deutsch
abgefaßt - und eine dazugehörige originale Registrieranweisung
sind für die Musikwissenschaft von großem Wert, da sie neben
den Registernamen auch eine komplizierte Mechanik zur Kombination der verschiedenen
Klangfarben beschreiben. So geben sie nicht nur Aufschluß über
die hohe Orgelbaukunst des 16. Jahrhunderts, sondern auch über das
Orgelspiel und die Aufführungspraxis der Musik dieser Zeit. Wir wissen,
daß die Orgel 18 Register auf zwei Manualen und Pedal hatte, einen
„Vogelgesang“ und außerdem eine „Querpfeife mit der Trommel“. Dazu
im Vertrag: „Item eyn durchdryngendt, werkmessig throm, zu trompeten, schalmeyen,swegeln
oder zwerchpieffen dynstbaer unnd woellgestimpt“. Wir wissen, wieviel Tasten
die einzelnen Klaviaturen hatten und sogar, in welcher Reihenfolge die
Registerzüge angeordnet waren.
Neue Orgelwünsche
Im Kölner Dom war 1573
eine Orgel fertig geworden, die drei Manuale und eine ganze Reihe Register
mehr besaß als die Trierer Bryssiger-Orgel. Man ließ den Orgelbauer,
einen Niederländer namens Arndt von Lampeler, und kurz darauf den
Kölner Domorganisten nach Trier kommen und studierte eifrig den Kölner
Vertrag. Bald war ein Neubaukonzept entwickelt und auch beschlossen. Weil
man sich aber nicht über die Zahlung eines Vorschusses einigen konnte
und der Orgelbauer mittlerweile den Auftrag zu einer noch größeren
Orgel im Dom zu Münster bekommen hatte, verlor dieser zunehmend das
Interesse an Trier. Zu dem Neubau kam es vorerst nicht.
Erst im Jahr 1590 machte
das Domkapitel einen neuen Vorstoß und erteilte dem Orgelbauer Florentius
Hocque aus Brabant den Auftrag zu einem Orgelneubau. Hocque hatte lange
in Köln gearbeitet und kannte die dortige Domorgel, die es den Trierern
so angetan hatte, natürlich gut. So wundert es nicht, daß die
1593 vollendete Orgel mit 25 Registern auf drei Manualen und Pedal dem
Kölner Vorbild recht nahe kam. Auch über diese neue Orgel wissen
wir gut Bescheid, nicht zuletzt wegen eines recht anschaulichen Mängelberichts
von 1617. Sie hatte so luxuriöse Zutaten wie etwa zwei Tremulanten,
„Vogelgeschrei, Nachtengall und Brumer (Trommel)“, außerdem zwei
Zimbelsterne. Ob man den „zwei blasenden Engeln“ wirklich Töne entlocken
konnte, oder ob sie nur Zierrat waren, läßt sich allerdings
nicht mehr feststellen. Hocque konnte beim Bau „die Pfeifen und andere
Materialia in die itzigen alten Orgel, welche so gut als neu sein“, wiederverwenden.
Die Bryssiger-Orgel war ja erst gut fünfzig Jahre alt gewesen.
Der Brand 1717
Die Orgel von Hocque stand
- oder besser: hing - 130 Jahre im Dom und wäre vielleicht noch länger
im Gebrauch geblieben, hätte nicht 1717 ein Brand großen Schaden
am Dom angerichtet.

Zwar wurde weder die Hauptorgel,
noch die Chororgel direkt von den Flammen ergriffen; die Beschädigungen
waren doch so groß, daß der Trierer Orgelbauer Jean Nollet
mit einem Neubau beauftragt wurde. Nollet disponierte die Orgel im französischen
Barockstil und ließ ihren Umfang auf 35 Register anwachsen. Im Zuge
des Orgelbaus wurde auch das Orgelgehäuse samt dem „Laubwerk“, außerdem
„alle Engels Undt flügelwerk“ neu angestrichen, vergoldet und versilbert.
Ein orgelspielender Trierer Karmeliterpater, der 1727 die Abnahme vornahm,
ließ allerdings kaum ein gutes Haar an dem Instrument: viele Pfeifen
darin seien „zusahmen geflickt“, auch seien „vielle pfeifen“ gefunden worden,
die „ihren rechten lauth nit hatten“.
Zerstörung, Plünderung
und eine Orgel aus Himmerod
Im Gefolge der Revolution
wurde auch der Dom beim Einmarsch der französischen Armee 1794 im
Innern schwer beschädigt. Den Plünderungen fielen Haupt- und
Chororgel zum Opfer, da so gut wie alle Metallpfeifen verloren gingen.
Vom ganzen Nollet-Werk sollen nur 11 oder 12 ganze Pfeifen und 14 Schallbecher
der einstigen Posaune übriggeblieben sein. Das Gehäuse allerdings
scheint den Sturm unversehrt überstanden zu haben.
Ende 1802 bat der neu eingesetzte
Bischof Mannay den Präfekten des Saar-Departements um die große
Orgel des aufgehobenen Klosters Himmerod. Bereits einen Tag später
stimmte dieser zu und kurz darauf wurde das Instrument übergeben.
Mit fast dreißig Fuhrwerken wurde die Orgel im Juni 1803 abgeholt;
das Bistumsarchiv weiß zu berichten, daß man nebenbei auch
noch die „abgebrochenen überaus schönen Altarblätter“ mit
auflud. Die Kostenaufstellung für die Überführung weist
noch drei Zentner Stroh zur Verpackung der Orgelteile aus, sowie ein Honorar
und einen Krug Wein für zwei Gendarmen, die die Fuhrwerke in Himmerod
nach der Beladung bewacht haben. In Trier lagerte man die Teile zunächst
einmal ein und beauftragte erst 1807 den Cochemer Orgelbauer Kemp, die
Orgel in das alte Schwalbennestgehäuse einzubauen.
Es zeigte sich jedoch, daß
durch den vermutlich unsachgemäßen Abbau der Orgel und die lange
Lagerung wichtige Teile Schaden genommen hatten. Obwohl daher einiges ersetzt
werden mußte und zusätzliche Bälge aus der Orgel der ebenfalls
säkularisierten
und später abgebrochenen Trierer Dominikanerkirche eingebaut worden
waren, scheint schließlich mit dem Ergebnis niemand glücklich
gewesen zu sein. Als die bekannten Orgelbauer Stumm aus Rhaunen im Hunsrück
1812 um ein Gutachten gebeten wurden, kamen sie zu dem niederschmetternden
Urteil, daß „von dem
Werk nichts als das Gehäuse
stehen bleiben könne“ und die Orgel neu gebaut werden müsse.
Gleichzeitig legten sie ein Angebot zum Neubau vor. So schnell allerdings
wurde daraus nichts.
Achtzehn Jahre später,
im Jahr 1830, schenkte der preußische König dem Trierer Bischof
von Hommer die 30 Register große Stumm-Orgel des ebenfalls aufgehobenen
Franziskanerklosters in Wetzlar. Damit entstand eine neue Situation, auch
was den Standort anging. Stimmen wurden laut, die Orgel in den Westchor
zu stellen. Ein Ende des Schwalbennestes zeichnete sich ab.
Der neue Platz im Westchor
ist das Thema des nächsten Kapitels.
„Die Chororgeln“ oder
„Noch eine geschenkte Klosterorgel“
Bei der 1996 fertiggestellten
Orgel handelt es sich keineswegs um die erste Chororgel des Doms. Mindestens
drei Vorgängerinstrumente können belegt oder vermutet werden:
So ist 1512 von „einer eigenen Orgel bei dem Altar“ die Rede. Erst knapp
dreihundert Jahre später, nämlich 1794, wird wieder von einer
kleinen Orgel berichtet, die nach dem Einzug der französischen Armee
„von den Franzosen fortgenommen“ worden ist. Da diese als „encore tout
neuve“ („noch ganz neu“) bezeichnet wurde, kann es sich wohl nicht um die
1512 erwähnte handeln. Ob die Orgel tatsächlich ganz verschleppt
wurde oder nur die Metallpfeifen wie bei der großen, ist zweifelhaft:
1807 nämlich weiß das Bistumsarchiv von einem Verkauf der Reste
„der zerstörten sogenannten kleinen Orgel“. Für 26 Taler kaufte
der Domorganist Pletz Gehäuse, Windlade und zwei Bälge.
1802 schließlich wurde
die Orgel des säkularisierten Trierer Agnetenklosters in den Dom gebracht.
Man stellte sie auf die linke
Empore oberhalb des Kapitelchors. Wer sie ursprünglich gebaut hat,
ist nicht bekannt; vermutet wird Johann Michael Stumm. Die zweimanualige
Orgel hatte 14 Register und wurde höchstwahrscheinlich von der Seite
aus gespielt. 1905 wurde ihr Platz für die neue Hauptorgel gebraucht.
Die schöne Barockorgel verkaufte man daher nach Völklingen-Wehrden.
Dort schmückt zumindest ihr Gehäuse noch heute die Pfarrkirche
St. Josef.
Wahrscheinliche Disposition der Chororgel im Trierer Dom seit 1802
(aus Trierer Agnetenkloster)
Johann Michael Stumm
Baujahr zwischen 1719 und 1748. Eine Quelle nennt 1729.
Disposition ist nicht überliefert.
Gemäß Quellen zu Reparaturen und Umbauten ist denkbar:
Hauptwerk
1. Hohlpfeif (Gedackt) 8‘
2. Viol di Gamb 8‘
3. Flaut travers 8‘ (nur Diskant)
4. Octav 4‘
5. Flauto douce 4‘
6. Quint 3‘
7. Octav 2‘
8. Cornett 4f. (nur Diskant)
9. Mixtur
10. Trompete 8‘ Bass-Diskant-Teilung
Unterwerk
11. Bourdon 8‘
12. Rohrflöth 4‘
13. Salicional (Bass 2‘, ab c1 4‘) typisch Stumm!
14. Quint 1 1/2‘
15. Octav 2‘
16. Vox humana 8‘
17. Vox angelica 2‘ (nur Bass; Breidenfeld schreibt von „Trompete 2‘“)
Pedal
drei oder vier Register (kam wohl erst 1812 hinzu, bis dahin „angehängt“)
Quellen:
Gustav Bereths: Beiträge
zur Geschichte der Trierer Dommusik; Franz Bösken: Zur Geschichte
der Trierer Domorgeln nach 1794; Franz Bösken: Die Orgelbauerfamilie
Stumm; Hans Klotz: Über die Orgelkunst der Gotik, der Rennaissance
und des Barock; Adalbert Kurzeja OSB: Der älteste Liber ordinarius
der Trierer Domkirche (Diss. Trier 1966). Archivalien des Bistumsarchivs,
Trier.
Josef Still
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ORGELHISTORISCHES IM TRIERER RAUM
Trierer Orgeln 1900 - 1945:
Dom, St. Gangolf, St. Antonius und Treviris |
Liebfrauenkirche |
Kloster der Ewigen Anbetung, Hausorgel von Domkapellmeister Stockhausen, Orgel des Max-Planck-Gymnasiums |
St. Paulus, Heiligkreuz |
Kirche der Barmherzigen Brüder, Kirche der Weissen Väter, St. Helena (Euren) und Herz Jesu |
St. Martin, St. Bonifatius (Kürenz) und St. Paulin |
Pfalzel, Ruwer und Zewen |
Trierer Domorganisten und -kapellmeister:
Peter Joseph Pletz |
Joseph Torner |
Georg Schmitt |
Michael Hermesdorff |
Heinrich Pauli |
Jodocus Kehrer |
Ludwig Boslet |
Johannes Klassen |
Dr. Paul Schuh |
Wilhelm Stockhausen |
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Wolfgang Oehms |
Klaus Fischbach |
Josef Still |
Stephan Rommelspacher |
Geschichte der Domorgeln:
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Frühere Orgelbauer:
Wilhelm Breidenfeld | Nikolaus
Franzen | Eduard Sebald | Gebrüder
Stumm | Orgelbauanstalt Mamert Hock | Anton und Heinrich Turk, Klausen |
Heinrich Voltmann, Klausen | Orgelbau Claus |
Historische Orgelnachrichten:
Frühe Orgelnachrichten aus Kurtrier | Neue Erkenntnisse zur Orgelgeschichte des Bistums Trier | Einweihung der Bambusorgel von Las Pinas durch W. Oehms | Niederländische Orgelbaumeister am Trierer Dom |
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