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Daniel Roth am 23.08.2000
in der Konstantin-Basilika
Aus diesem Anlass finden
Sie hier Informationen zum kompositorischen Schaffen Daniel Roths und ein
aktuelles Werkverzeichnis.
Daniel Roth, der im Jahr
2000 auch ein Konzert in der Konstantin-Basilika gespielt hat, ist als
Titularorganist an St. Sulpice in Paris einer der Nachfolger von Marcel
Dupré. Er ist ein gefragter Konzertorganist, Improvisator, Pädagoge,
Autor und kann eine Vielzahl von Kompositionen aufweisen.
Französische Orgelkunst
in Vergangenheit und Gegenwart
Die französische Orgelliteratur
der Gegenwart (Naji Hakim, Thierry Escaich, Daniel Roth etc.) zeichnet
sich neben allen harmonischen, rhythmischen und satztechnischen Errungenschaften
des 20. Jahrhunderts vielfach nicht zuletzt dadurch aus, daß sie
einer kompositorischen Tradition verpflichtet bleibt, die mit der Gründung
einer französischen Orgelschule durch Charles-Marie Widor (1844 –
1937) und Alexandre Guilmant (1837 – 1911) ihren Anfang nahm. Neben formaler
Strenge und den in klanglicher wie architektonischer Hinsicht oft „symphonisch“
genannten Proportionen sind es vor allen Dingen die Instrumente Aristide
Cavaillé-Colls (1811 – 1899), die als Bindeglied zwischen Vergangenheit
und Gegenwart fungieren. Widor beschreibt die Integrität des französisch-symphonischen
Orgelstils sehr treffend: „Das Werk, das unsere Schule hervorgebracht hat,
ist ohne jeden Vorbehalt dem besonderen Klangzauber seiner Instrumente
zu verdanken.“
Tradition der französischen
Orgelschule
Eine Linie der Lehrer-Schüler-Nachfolge,
deren kompositorische Inspiration eng mit dem dem Werk Cavaillé-Colls
verbunden ist, führt über Widor, seinen Schüler Louis Vierne
(1870 – 1937) und dessen Schüler Maurice Duruflé (1902 – 1986)
zum 1942 im elsässischen Mulhouse geborenen Daniel Roth. Duruflé
unterrichtete ihn am Pariser Konservatorium in Harmonielehre. Über
Marcel Dupré (1886 – 1971), den wohl berühmtesten Schüler
Widors und Guilmants, und dessen Schülerin Rolande Falcinelli (*1920)
gelangt man wiederum zu Daniel Roth, diesmal im Zusammenhang mit Orgelinterpretation
und –improvisation. Somit können zwei wesentliche Charakteristika
französischer Orgelkunst als prägende Einflüsse in Daniel
Roths musikalischer Ausbildung genannt werden: in kompositorischer und
improvisatorischer Hinsicht die äußerst differenzierte impressionistische
Klanglichkeit der Werke Duruflés, in organistischer Hinsicht die
technische und gestalterische Souveränität Duprés, die
sich – wie jede Meisterschaft – besonderer Disziplin und Hingabe verdankt.
Das geistige und künstlerische Fundament, auf dem diese musikalischen
Einflüsse Eigenständigkeit entwickeln konnten, bilden für
Daniel Roth seine Verehrung Albert Schweitzers, Johann Sebastian Bachs
und in letzter Instanz seine tiefe Verwurzelung im katholischen Glauben,
der durch die Vorbilder Schweitzer und Bach immer auch ökumenisch
ausgerichtet ist.
Der Werdegang Daniel Roths
Am „Conservatoire National
de Région“ in Mulhouse erhält Daniel Roth eine grundlegende
Ausbildung in Klavier, Harmonielehre und Gehörbildung. Mit 13 Jahren
beginnt er seine Orgelstudien. Sein im Jahre 1960 am Pariser „Conservatoire“
begonnenes Studium schließt er mit fünf „Premiers Prix“ in den
wichtigsten Fächern ab: Orgelinterpretation und –improvisation (bei
Rolande Falcinelli), Klavierbegleitung (bei Henri Puig-Roget), Kontrapunkt
und Fuge (bei Marcel Bitsch) und Harmonielehre (bei Maurice Duruflé).
Es schließen sich weitere Studien in Alter Musik bei Marie-Claire
Alain an. 1962 wird Roth zunächst Organist der Cavaillé-Coll-Orgel
des Pariser „Collège Fénelon“ und bereits 1963 Stellvertreter
seiner Lehrerin Rolande Falcinelli an der Cavaillé-Coll-Orgel der
Pariser Basilika Sacré-Coeur. In den folgenden Jahren wird er Preisträger
der Orgelwettbewerbe in Arnheim, München, Aosta und gewinnt den „Prix
de haute exécution et d´improvisation des Amis de l´Orgue-Paris“.
1971 schließlich gewinnt Roth den bedeutenden Orgelwettbewerb in
Chartres in beiden Disziplinen (Interpretation und Improvisation). Zwei
Jahre später wird er Nachfolger Rolande Falcinellis als Titularorganist
an Sacré-Coeur. Im gleichen Jahr 1973 wird er zum Professor am „Conservatoire
Nationale de Région“ in Marseille berufen und wird im darauffolgenden
Jahr Leiter der Orgelklasse an der Katholischen Universität Washington,
wo er als „Artist-in-Residence“ auch die Orgel der National-Shrine-Cathedral
spielt. Von 1979 bis 1988 versieht Daniel Roth eine Orgelprofessur am „Conservatoire
National de Région“ in Strasbourg. In diesen Zeitraum fällt
auch die wohl ehrenvollste Berufung seiner Karriere: im Jahre 1985 wird
Roth Titularorganist an der berühmten Cavaillé-Coll-Orgel der
Pariser Pfarrkirche Saint-Sulpice und somit Nachfolger einiger der bedeutendsten
Musiker der französischen Orgelkultur: Clérambault, Séjan,
Lefébure-Wély, Widor, Dupré und Grunenwald. 1988 wird
Roth Professor an der Musikhochschule des Saarlandes in Saarbrücken,
und seit 1995 unterrichtet er an der Hochschule für Musik und Darstellende
Kunst in Frankfurt am Main (als Nachfolger von Helmut Walcha und Edgar
Krapp).
Der Komponist Daniel Roth
Neben dem Organisten, Improvisator,
Pädagogen und Autor ist es besonders der Komponist Daniel Roth, um
den es in dieser Betrachtung gehen soll. Roths über den Impressionismus
hinausweisende Musik spiegelt vor allem in harmonischer Hinsicht den Einfluß
seines Lehrers Maurice Duruflé wider, zeigt gleichzeitig aber auch
einen sehr ausgeprägten Personalstil, der den Kompositionen ein individuelles
Profil verleiht. Das kompositorische Vermächtnis der Vokalpolyphonie
der Renaissance wird z.B. in der „Messe brève“ aus dem Jahre 1999
kunstvoll integriert und auf subtile Weise transformiert zu einer persönlichen
Tonsprache, die ganz eigene Wege beschreitet. Die Tatsache, daß sich
Roths Musik bewußt nicht auf einer experimentellen Ebene bewegt und
etwa die Naturgesetze der Tonalität negiert, verleiht ihr emotionale
Tiefe und eine ästhetische Dimension, die im Einklang steht mit den
Elementen, die für Daniel Roths Kunst prägend sind: die Musik
Bachs, die Ethik Schweitzers, das klangliche Universum Cavaillé-Colls,
die weiträumige Akustik romanischer und gotischer Architektur und
die über sich selbst hinausweisende Verkündigung theologischer
Inhalte durch Musik.
Nachfolgend sind alle bereits
erschienenen bzw. zur Veröffentlichung vorgesehenen Kompositionen
Daniel Roths aufgeführt (Stand: April 2001):
A) Orgelwerke:
Évocation de la Pentecôte
(1979)
Final „Te Deum“ (1981)
Hommage à César
Franck (1990)
Introduction et Canzona (1992)
Pour la nuit de Noel (1993)
Triptyque – Hommage à
Pierre Cochereau (1995)
Joie, Douleur et Glorie de
Marie
Après une Lecture…
Artizarra
Petite Rhapsodie sur une
chanson alsacienne
Livre d´orgue pour
le Magnificat
Cinq versets sur «Veni
Creator»
B) Transkriptionen für
Orgel:
Interlude symphonique de
«Rédemption» de César Franck
Scherzo pour harmonium et
piano de Camille Saint-Saëns
C) Werke für Soloinstrumente:
Ain Karim
Légende
Vokalmusik:
Ave Maria
In manus tuas Domine (2000)
O Salutaris
Regina Caeli
Reine du Ciel
Notre Père
Messe brève (1999)
Dignare me o Jesu
Gebt Zeugnis von eurer Hoffnung
Am 21. Januar 1999 fand in
der Kirche La Madelaine in Paris ein Konzert statt, das gänzlich Daniel
Roths Werken gewidmet war (zur Aufführung gelangten u.a. „Ave Maria“,
„Dignare me“ und die „Messe brève“), und im November 1999 verlieh
ihm die „Académie des Beaux-Arts de l´Institut de France“
den Kompositionspreis „Florent Schmitt“ für seine „Messe brève“
für gemischten Chor und Orgel, die – neben der Fantasie für Flöte
und Orgel „Ain Karim“ – im Konzert des Trierer Bachchores am
Weitere Informationen zum
Leben und Werk Daniel Roths finden Sie unter „www.danielrothsaintsulpice.org“.
Martin Bambauer
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Zum kompositorischen Schaffen Daniel Roths
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