Claus – Orgelbauer in Cochem, Lieser und Graach
Eine über mehrere Generationen hin tätige Orgelbauerfamilie sind die
Orgelbauer Claus. Dass diese Orgelbauer kaum bekannt sind, liegt wohl an der
geringen Zahl der noch vorhandenen Orgeln. Außerdem führten diese in vier
Generationen tätige Orgelbauer meist nur Reparatur- und Umbauarbeiten aus. So
sind zur Zeit nur drei mögliche Orgelneubauten nachweisbar. Im Jahre 1751 baute
Theodor Claus aus Cochem eine neue Orgel für die Wallfahrtskirche Mater Dolorosa
in Driesch.
Nach mehreren Umbauten hat diese Orgel heute 10 Register mit
angehängtem Pedal.
1756 baute er ein Orgelwerk für die Jesuitenkirche in Hadamar/Westerwald. Das
barocke Gehäuse wurde von einem ortsansässigen Schreiner gefertigt und ist noch
erhalten. Eine dritte Claus-Orgel stand ab 1760 in Mehren, Kreis Daun. Das
barocke Gehäuse ist hier ebenfalls erhalten.
Die Arbeiten des Theodor Claus werden mehrmals mit Orgeln des Balthasar König
in Verbindung gebracht. Eine andere Querverbindung besteht zur Werkstatt Stumm,
wo Claus als Mitarbeiter oder gar als Schüler genannt wird. Allerdings handelt
es sich immer nur um Angaben in Sekundärquellen, weshalb auch die weitere,
intensivere Erforschung der Quellen notwendig wäre.
Der allererste Hinweis auf diesen Johann Theodor ist fällt in das Jahr 1730,
als seine Frau Maria Marci einen Sohn namens Franz Anton in Cochem zur Welt
bringt. Die beiden bekommen noch mindestens sieben weitere Kinder, die aber
meist früh sterben. 1763 heiratet Theodor Claus ein zweites Mal. Seine Frau
Wilhelmine Wirz stammt aus Driesch. Nach deren Tod findet 1772 eine dritte
Hochzeit des "Organisten und Cochemer Bürgers Theodor Claus" mit der "ehrbaren
Jungfrau" Elisabeth Berning aus Cöln statt. Vermutlich um 1777 stirbt Theodor
Claus. Sein ältester Sohn Franz Anton heiratet Margarethe Thiesen, und wird wie
sein Vater in den Kirchenbüchern meist als Organist oder Orgelspieler
bezeichnet. Der Orgelbau war also eine Art Zweitbeschäftigung, vielleicht sogar
nur eine Nebenbeschäftigung. Um 1759 bis 1761 lebt Franz Claus in Alflen, wo
sein Vater Theodor 1750 oder schon 1743 die Orgel umbaute. Zwischen 1765 und
1774 erscheint er mehrmals im Taufregister des Stiftes Karden als Pate und wird
dort als Organist in Karden angegeben. Die dortige Stummorgel von 1728 war von
ihm bereits 1763 um zwei Zungenregister erweitertet worden.
Weitere Umbauarbeiten von Theodor und Franz Claus:
- 1749/1769 König Orgel in Wollmerath
- 1751 Driesch (Schüler und Mitarbeiter bei Stumm, vermutlich Neubau oder
Umbau einer älteren König-Orgel)
- 1754/1761 Enkirch (Mitarbeit bei Stumm)
- 1756 Hadamar/Westerwald (Übertragung eines älteren Werkes von Orgelbauer
Riss, Boppard aus ULF Koblenz oder Neubau?)
- 1780 Dockweiler (möglicherweise Neubau)
Zunächst enden hier die Nachweise über die Orgelbautätigkeit der Familie. Der
älteste Sohn von Franz Anton stirbt 1834 als Bettler. Dessen Sohn Peter Josef
(geb. 26.2.1794) ist mit großer Wahrscheinlichkeit der spätere Orgelbauer Peter
Josef Claus in Lieser, der wiederum zusammen mit seinem Sohn Johann Josef Claus
/ Klaus (1815-1863) ausschließlich Umbauten und Reparaturen durchführt:
- 1834 Wittlich (Erwähnung: "...schenke man dem Orgelmacher aus Lieser nicht
Zutrauen genug ...")
- 1841 Piesport ("...beinahe ganz neu...")
- 1847 Kleinich: Reparatur der Balganlage und Reinigung
- 1880 Quintin – Notre Dame (? / Bretagne)
Die Orgel in der Basilika zu Quintin kam 1880 in diese französische
Kleinstadt in der Bretagne. Sie hatte zuvor im Ursulinenkloster in Trier
gestanden, das in der Zeit des Kulturkampfes aufgelöst wurde. Die Kirche der
Ursulinen war ursprünglich die des Bantusseminars, wo die Sänger und Scholaren
des Doms ausgebildet wurden.
Reinhold Schneck