Aktuelle Pressestimmen 03.04.01
Gewinn fürs Repertoire 

Von DR. MARTIN MÖLLER

Triosonaten von Adolf Kern in einem Orgelkonzert 

TRIER. (mö) Dreistimmiges Musizieren auf zwei Manualen und Pedal, kurz Triospiel, zählt zwar zur hohen Schule der Orgelkunst. Aber das Repertoire dafür ist vergleichsweise schmal. Die Triosonaten von Adolf Kern könnten es bereichern.

Ein normales Orgelkonzert zur Passion, mit solider Interpretation, aber sonst nicht größeren Aufhebens wert? Nicht ganz. Denn Klauspeter Bungert spielte in der Trierer Pfarrkirche St. Antonius César Francks "Trois Pièces" endlich einmal im Zusammenhang – in der Regel erklingt nur das dritte Stück "Pièce heroique". Und er bot eine Neuentdeckung: Zwei der sechs Triosonaten, die der süddeutsche Komponist Adolf Kern (1906-1976) gegen Ende seines Lebens schrieb.

Adolf Kern, Professor für Musikpädagogik in Schwäbisch Gmünd, hat mit diesen Kompositionen ein Resümee seiner künstlerischen Arbeit gezogen und zugleich Bach gewürdigt, der mit seinen sechs Triosonaten die Gattung begründete. Die Sonate Nr. 1 in c-Moll nimmt sich denn auch aus wie ein Barockwerk mit vielen zusätzlichen Vorzeichen. Aber die chromatisch getrübte Melodik vermittelt dem Satz doch eine erstaunliche Spannung. Und die Behandlung der Dissonanzen, die häufig gegen jede klassische Kontrapunktregel verstößt, verleiht den Stimmen eine erstaunliche Unabhängigkeit.

Adolf Kern ist weder ein nostalgischer Spätest-Romantiker, noch ein Anhänger pädagogischer Spielmusik. Seine Kompositionen haben Farbe und Kontur zugleich, und die dritte Sonate mit ihrem pastoralen Tonfall und ihrem kirchentonal (phrygisch) gefärbten Schluss entwickelt sich zu zarter, unklischierter Schönheit.

Klauspeter Bungert musizierte beide Kompositionen technisch sicher, ruhig und sorgfältig. Bachs sogenannte Dorische Toccata und Fuge (BWV 538) erhielt durch geschickte Klangregie Vielfalt und Würde zugleich. Die komplexen Strukturen der Franck-Trilogie leuchtete der Organist mit analytischer Schärfe aus, ohne die orchestralen, fülligen Elemente zu vernachlässigen. Ein nachhaltiger Eindruck für die Zuhörer. Und ein Gewinn fürs Konzertorganisten-Repertoire.

Die Triosonaten von Adolf Kern sind im aka-Musikverlag, Karlsruhe erschienen und im Musikalienhandel erhältlich.

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