| Gewinn
fürs Repertoire
Von DR. MARTIN MÖLLER
Triosonaten von Adolf Kern
in einem Orgelkonzert
TRIER. (mö) Dreistimmiges
Musizieren auf zwei Manualen und Pedal, kurz Triospiel, zählt zwar
zur hohen Schule der Orgelkunst. Aber das Repertoire dafür ist vergleichsweise
schmal. Die Triosonaten von Adolf Kern könnten es bereichern.
Ein normales Orgelkonzert
zur Passion, mit solider Interpretation, aber sonst nicht größeren
Aufhebens wert? Nicht ganz. Denn Klauspeter Bungert spielte in der Trierer
Pfarrkirche St. Antonius César Francks "Trois Pièces" endlich
einmal im Zusammenhang – in der Regel erklingt nur das dritte Stück
"Pièce heroique". Und er bot eine Neuentdeckung: Zwei der sechs
Triosonaten, die der süddeutsche Komponist Adolf Kern (1906-1976)
gegen Ende seines Lebens schrieb.
Adolf Kern, Professor für
Musikpädagogik in Schwäbisch Gmünd, hat mit diesen Kompositionen
ein Resümee seiner künstlerischen Arbeit gezogen und zugleich
Bach gewürdigt, der mit seinen sechs Triosonaten die Gattung begründete.
Die Sonate Nr. 1 in c-Moll nimmt sich denn auch aus wie ein Barockwerk
mit vielen zusätzlichen Vorzeichen. Aber die chromatisch getrübte
Melodik vermittelt dem Satz doch eine erstaunliche Spannung. Und die Behandlung
der Dissonanzen, die häufig gegen jede klassische Kontrapunktregel
verstößt, verleiht den Stimmen eine erstaunliche Unabhängigkeit.
Adolf Kern ist weder ein
nostalgischer Spätest-Romantiker, noch ein Anhänger pädagogischer
Spielmusik. Seine Kompositionen haben Farbe und Kontur zugleich, und die
dritte Sonate mit ihrem pastoralen Tonfall und ihrem kirchentonal (phrygisch)
gefärbten Schluss entwickelt sich zu zarter, unklischierter Schönheit.
Klauspeter Bungert musizierte
beide Kompositionen technisch sicher, ruhig und sorgfältig. Bachs
sogenannte Dorische Toccata und Fuge (BWV 538) erhielt durch geschickte
Klangregie Vielfalt und Würde zugleich. Die komplexen Strukturen der
Franck-Trilogie leuchtete der Organist mit analytischer Schärfe aus,
ohne die orchestralen, fülligen Elemente zu vernachlässigen.
Ein nachhaltiger Eindruck für die Zuhörer. Und ein Gewinn fürs
Konzertorganisten-Repertoire.
Die Triosonaten von Adolf
Kern sind im aka-Musikverlag, Karlsruhe erschienen und im Musikalienhandel
erhältlich. |