Aktuelle Pressestimmen 21.05.01
Musik als Ökumene 

Trierer Bach-Chor in der Konstantin-Basilika 

Von unserer Mitarbeiterin
EVA LEONARDY

TRIER. Für das Konzert des Trierer Bach-Chores in der Konstantin-Basilika wählte Dirigent Martin Bambauer Chorwerke aus fünf Jahrhunderten aus. Das Konzert wurde zu einem Abend der Ökumene.

Bedeutende Stellvertreter der evangelischen und katholischen Musikgeschichte, gesungen von einem interkonfessionellen Chor: Lebendiger kann Ökumene nicht gezeigt werden. So stand die Bedeutung des Wortes besonders im Vordergrund.

In der Motette "Herr, auf dich traue ich" von Heinrich Schütz gelang Bambauer eine sehr durchsichtige und klar durchstrukturierte Interpretation, ganz im Stile der alten Motetten.

Auch in der doppelchörigen Motette "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" wurde durch den Einsatz von kleinem Chor und Überchor eine abwechselnde Stilistik deutlich. Der Chor zeigte hier hohe Konzentration und guten Zusammenklang. Die wortbetonte Interpretation stand aber der Brahmsschen Motette "Schaffe in mir Gott ein rein Herz" weniger gut. Hier hätte man sich intensivere Melodiebögen gewünscht. Bambauer lockt seinen Chor nicht über ein forte hinaus, das Wort bleibt im Vordergrund. Generell fehlt dem Chor aber dann ein körperlicherer Klang. So wird der freudige Geist keine überschäumende Freunde, sondern ein geführtes Fröhlichsein.

Die beiden Werke aus der "Messe de la Pentecôte" von Olivier Messiaen waren gut gewählt, um die Vielschichtigkeit von Messiaens Schaffen zu zeigen. Einerseits die Vogelstimmen, die munter polyphon ihre Eigenmelodien pfeifen, aber auch andererseits die schwebend wallenden Akkordteppiche der typischen französischen Harmonik. Ulrich Pakusch interpretierte an der Orgel sehr durchsichtig und überlegt, doch manchmal hätte mehr Agogik noch mehr an Ausdruck gebracht.

Der noch lebende französische Komponist Daniel Roth schreibt wunderbar eingängige Musik, die sich beim ersten Hören schon dem Publikum erschließt, und auch der Chor musizierte freier. So entstand ein freies Musizieren beim Gloria, dem Höhepunkt des Konzerts. Den fröhlichen Reigen als Sanctus und auch das zarte, schmerzvolle Agnus Dei meisterte der Chor glanzvoll.

Eine zarte Flöte gegen die machtvolle Orgel, "Ain Karim" für Flöte und Orgel – auch ein Werk von Roth – ist ein Kleinod an kompositorischen Gedanken, sehr gut musiziert von Christoph Dürichen (Flöte) und Pakusch an der Orgel. Dagegen verlor bei "Jesus und Nikodemus" von Ernst Pepping der Chor an Überzeugungskraft. Das ohnehin spröde Stück setzte mit seinen schwierigen Akkordrückungen die Grenzen des Chores ans Licht. In der sprechbetonten Interpretation verlor sich der Chorklang, den er erst wieder bei den letzten Werken aus den "Sacrae Cantiones" von Gesualdo wiederfand.  

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