| Musik
als Ökumene
Trierer Bach-Chor in der
Konstantin-Basilika
Von unserer Mitarbeiterin
EVA LEONARDY
TRIER. Für das Konzert
des Trierer Bach-Chores in der Konstantin-Basilika wählte Dirigent
Martin Bambauer Chorwerke aus fünf Jahrhunderten aus. Das Konzert
wurde zu einem Abend der Ökumene.
Bedeutende Stellvertreter
der evangelischen und katholischen Musikgeschichte, gesungen von einem
interkonfessionellen Chor: Lebendiger kann Ökumene nicht gezeigt werden.
So stand die Bedeutung des Wortes besonders im Vordergrund.
In der Motette "Herr, auf
dich traue ich" von Heinrich Schütz gelang Bambauer eine sehr durchsichtige
und klar durchstrukturierte Interpretation, ganz im Stile der alten Motetten.
Auch in der doppelchörigen
Motette "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" wurde durch den Einsatz
von kleinem Chor und Überchor eine abwechselnde Stilistik deutlich.
Der Chor zeigte hier hohe Konzentration und guten Zusammenklang. Die wortbetonte
Interpretation stand aber der Brahmsschen Motette "Schaffe in mir Gott
ein rein Herz" weniger gut. Hier hätte man sich intensivere Melodiebögen
gewünscht. Bambauer lockt seinen Chor nicht über ein forte hinaus,
das Wort bleibt im Vordergrund. Generell fehlt dem Chor aber dann ein körperlicherer
Klang. So wird der freudige Geist keine überschäumende Freunde,
sondern ein geführtes Fröhlichsein.
Die beiden Werke aus der
"Messe de la Pentecôte" von Olivier Messiaen waren gut gewählt,
um die Vielschichtigkeit von Messiaens Schaffen zu zeigen. Einerseits die
Vogelstimmen, die munter polyphon ihre Eigenmelodien pfeifen, aber auch
andererseits die schwebend wallenden Akkordteppiche der typischen französischen
Harmonik. Ulrich Pakusch interpretierte an der Orgel sehr durchsichtig
und überlegt, doch manchmal hätte mehr Agogik noch mehr an Ausdruck
gebracht.
Der noch lebende französische
Komponist Daniel Roth schreibt wunderbar eingängige Musik, die sich
beim ersten Hören schon dem Publikum erschließt, und auch der
Chor musizierte freier. So entstand ein freies Musizieren beim Gloria,
dem Höhepunkt des Konzerts. Den fröhlichen Reigen als Sanctus
und auch das zarte, schmerzvolle Agnus Dei meisterte der Chor glanzvoll.
Eine zarte Flöte gegen
die machtvolle Orgel, "Ain Karim" für Flöte und Orgel – auch
ein Werk von Roth – ist ein Kleinod an kompositorischen Gedanken, sehr
gut musiziert von Christoph Dürichen (Flöte) und Pakusch an der
Orgel. Dagegen verlor bei "Jesus und Nikodemus" von Ernst Pepping der Chor
an Überzeugungskraft. Das ohnehin spröde Stück setzte mit
seinen schwierigen Akkordrückungen die Grenzen des Chores ans Licht.
In der sprechbetonten Interpretation verlor sich der Chorklang, den er
erst wieder bei den letzten Werken aus den "Sacrae Cantiones" von Gesualdo
wiederfand. |