Aktuelle Pressestimmen 13.07.01
Der Geist kam in Feuerblitzen 

Trierer Basilika-Organist improvisiert in Himmerod  

Von Gerhard W. Kluth

Himmerod. Werke des Barock, der Romantik, des Impressionismus und eine freie Improvisation standen auf dem Programm des zweiten Orgelkonzerts in der Abteikirche Himmerod. Solist war der Kantor der Konstantinbasilika in Trier, Martin Bambauer. 
Johann Sebastian Bach und Sigfrid Karg-Elert, Nicolas de Grigny und Maurice Duruflé, Robert Schumann und eine freie Improvisation  das waren die Programmstationen, mit denen Martin Bambauer sein Konzert in der Abteikirche Himmerod gestaltete. Der 31-jährige Bambauer ist seit zwei Jahren Kantor der Konstantinbasilika in Trier. 
Hauptwerke seines Programms waren Bachs Präludium und Fuge a-moll (BWV 543), Maurice Duruflés "Prélude et Fugue sur le nom d'Alain" und eine große, vierteilig angelegte Improvisation zum Pfingstfest. Dazu gab es die Pfingstsuite über den Choral "Veni creator spiritus" von Grigny, die Schumannsche Fuge Nr. 4 über den Namen BACH und Karg-Elerts erste sinfonische Kanzone. 
Bambauer erwies sich als Musiker, der in allen Stilrichtungen zuhause ist, ohne die Konturen der einzelnen Stile zu verwischen. Dazu verleiht er seinen Interpretationen noch einen eigenen Charakter. Das Ergebnis ist dann ein Bach, der für den Zuhörer eine helle Freude ist. Mit Witz und Charme gespielt, technisch ausgefeilt und sehr gehaltvoll. Das Tempo nahm er, vor allem in der Fuge sehr lebhaft, ohne das es ihm technisch irgendwelche Schwierigkeiten machte. 
Duruflés Hommage an seinen Kollegen, den großen Jehan Alain, war eine Werkwahl, wie sie besser nicht hätte sein können. Das Klangbild der Klais-Orgel und der Charakter des Werkes passen einfach hervorragend zusammen. Bambauer, grundsolide vorbereitet, tat ein übriges, um diese Komposition zu einem Höhepunkt seines Konzerts werden zu lassen. Scheinbar mühelos spielte er auf und mit dem großen Instrument und verlieh dem Werk, das inhaltlich zu den Schwergewichten der Orgelliteratur zählt, eine wunderbare Leichtigkeit. 

Der Organist als Theologe 

In seiner abschließenden Improvisation erwies Bambauer sich auch als Theologe. In allen vier Teilen tauchte immer wieder, teils offenkundig, teils versteckt, der Choral "Komm, Schöpfer Geist" in seinen unterschiedlichen Variationen auf. Der zweite Teil, mit "Feuerzungen" überschrieben, hatte nichts mit der sonst üblichen Darstellung des sanften Wehens des Geistes zu tun. Bambauer ließ den Geist in wahren Feuerblitzen auf die Menschheit niedergehen.

http://www.trierer-orgelpunkt.de