| Der
Geist kam in Feuerblitzen
Trierer Basilika-Organist
improvisiert in Himmerod
Von Gerhard W. Kluth
Himmerod. Werke des Barock,
der Romantik, des Impressionismus und eine freie Improvisation standen
auf dem Programm des zweiten Orgelkonzerts in der Abteikirche Himmerod.
Solist war der Kantor der Konstantinbasilika in Trier, Martin Bambauer.
Johann Sebastian Bach und
Sigfrid Karg-Elert, Nicolas de Grigny und Maurice Duruflé, Robert
Schumann und eine freie Improvisation das waren die Programmstationen,
mit denen Martin Bambauer sein Konzert in der Abteikirche Himmerod gestaltete.
Der 31-jährige Bambauer ist seit zwei Jahren Kantor der Konstantinbasilika
in Trier.
Hauptwerke seines Programms
waren Bachs Präludium und Fuge a-moll (BWV 543), Maurice Duruflés
"Prélude et Fugue sur le nom d'Alain" und eine große, vierteilig
angelegte Improvisation zum Pfingstfest. Dazu gab es die Pfingstsuite über
den Choral "Veni creator spiritus" von Grigny, die Schumannsche Fuge Nr.
4 über den Namen BACH und Karg-Elerts erste sinfonische Kanzone.
Bambauer erwies sich als
Musiker, der in allen Stilrichtungen zuhause ist, ohne die Konturen der
einzelnen Stile zu verwischen. Dazu verleiht er seinen Interpretationen
noch einen eigenen Charakter. Das Ergebnis ist dann ein Bach, der für
den Zuhörer eine helle Freude ist. Mit Witz und Charme gespielt, technisch
ausgefeilt und sehr gehaltvoll. Das Tempo nahm er, vor allem in der Fuge
sehr lebhaft, ohne das es ihm technisch irgendwelche Schwierigkeiten machte.
Duruflés Hommage
an seinen Kollegen, den großen Jehan Alain, war eine Werkwahl, wie
sie besser nicht hätte sein können. Das Klangbild der Klais-Orgel
und der Charakter des Werkes passen einfach hervorragend zusammen. Bambauer,
grundsolide vorbereitet, tat ein übriges, um diese Komposition zu
einem Höhepunkt seines Konzerts werden zu lassen. Scheinbar mühelos
spielte er auf und mit dem großen Instrument und verlieh dem Werk,
das inhaltlich zu den Schwergewichten der Orgelliteratur zählt, eine
wunderbare Leichtigkeit.
Der Organist als Theologe
In seiner abschließenden
Improvisation erwies Bambauer sich auch als Theologe. In allen vier Teilen
tauchte immer wieder, teils offenkundig, teils versteckt, der Choral "Komm,
Schöpfer Geist" in seinen unterschiedlichen Variationen auf. Der zweite
Teil, mit "Feuerzungen" überschrieben, hatte nichts mit der sonst
üblichen Darstellung des sanften Wehens des Geistes zu tun. Bambauer
ließ den Geist in wahren Feuerblitzen auf die Menschheit niedergehen. |