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Orgel mit Charakter
Martin Bambauer eröffnet Konzertreihe in der Basilika
TRIER. (gkl) Mit der diesjährigen Reihe der Orgelkonzerte in der Trierer Konstantinbasilika feiert die evangelische Kirchengemeinde den 40. Geburtstag ihrer Orgel.
Die Schuke-Orgel in der Konstantinbasilika wird 40 Jahre alt. Aber viel mehr als einen dezenten Hin- weis im Programmheft der Konzertreihe, die jetzt mit Basilikakantor Martin Bambauer an den Start ging, erfuhr man davon nicht.
Vielleicht entspricht diese bescheidene Art aber auch am ehesten dem Wesen des Instrumentes, mit dem 1962 der Berliner Orgelbauer Karl Schuke einen Spagat gewagt hat. Eigentlich hätte der gewaltige Raum ein großes Instrument benötigt. Dem stand aber die Denkmalpflege im Weg. Die ausgewählte Lösung in der vorderen Fensternische bot nicht annähernd den Platz, den eine adäquate Orgel für sich beanspruchen musste. Schuke stand also vor der Aufgabe, mit einem minimalen einen maximalen Raum zu füllen.
Er belegte den alten Lehrsatz der Orgelbauer: "Ein großes Instrument kann jeder bauen. Erst bei einem kleinen beweist sich die Kunst." Man kann die Basilikaorgel als zu groß geratene Chororgel bezeichnen. Man kann immer noch eine große Lösung fordern. Eines kann man dem Instrument nicht absprechen: Diese Orgel hat Charakter. Schuke hat unter den gegebenen Voraussetzungen die optimale Lösung gefunden.
Martin Bambauer lamentiert nicht über die Beschränkungen, sondern lotet die Möglichkeiten aus. Bester Beweis dafür war das Programm, mit dem er die Konzertreihe eröffnete. Abgesehen von Arvo Pärt (Annum per annum) und Marcel Dupré (Präludium und Fuge H-Dur) dürften die übrigen Komponisten den meisten Besuchern unbekannt gewesen sein.
Wann hat man schon einmal etwas von Gerald Hendrie (Toccata und Fuge fis-moll), Herbert Howells (Master Tallis's Testament) oder Alexis Chauvet (Offertoire D-Dur) gehört? Natürlich kann man sagen, ein Werk, das für eine so große Orgel wie die von St. Sulpice in Paris geschrieben ist (Dupré), lässt sich hier nicht darstellen. Bambauer aber wagt es und gewinnt auf ganzer Linie. Er zwingt seinem Instrument nichts auf, sondern korrespondiert mit ihm und tastet sich an dessen Grenzen heran, ohne sie zu überschreiten.
Der Abschluss des Konzertes war für den 32jährigen Niederrheiner nach der Pflicht eine Kür. Bambauer, der seit jüngstem einen Lehrauftrag für Orgelimprovisation an der staatlichen Hochschule für Musik in Köln hat, improvisierte über den Namen Schuke. Sie geriet zu einer tiefen Verneigung vor dem Berliner Orgelbauer, der in der Nachkriegszeit die deutsche Orgellandschaft so entscheidend mit geprägt hat. Der Kantor ließ seinen technischen und den klanglichen Möglichkeiten seiner Partnerin freien Lauf und begeisterte sein Publikum.
Gerhard Kluth
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