Mit freundlicher Genehmigung aus dem Trierischen Volksfreund: - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:54

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30.12.02

Wenn Himmel und Erde sich berühren

Trier erlebt die Gesamtaufführung des Weihnachtsoratoriums

Trier. Es gibt Gelegenheiten, da meint man, es berühren sich Himmel und Erde. Dann ist man von etwas gefangen, das man nicht beschreiben kann. Man weiß nur, dass es etwas ganz besonderes war, was man erlebt hat. Im Trierer Dom und in der Konstantinbasilika gab es für eine große Anzahl Konzertbesucher solch eine Gelegenheit. In einer ökumenischen Kraftanstrengung hatten sich die Chöre der beiden Hauptkirchen des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach angenommen.

Zunächst erklangen die ersten drei Teile in der Kathedrale, am darauf folgenden Tag die Teile vier bis sechs in der Konstantin-Basilika. Das hier etwas besonderes geschah, zeigte schon die große Zahl der Besucher, die sich in die Gotteshäuser drängten. Beide waren bis auf den letzten Platz gefüllt, als im Dom das "Jauchzet, frohlocket" und in der Erlöserkirche der Choral "Fallt mit Danken" erklangen. Während mit dem aus München kommenden Barockorchester "L'arpa festante" und Siri C. Thornhill (Sopran), Ruth Sandhoff (Alt), dem Tenor Hans Jörg Mammel und dem Bassisten Klaus Mertens auch die Solisten an beiden Tagen gleich blieben, fiel der chorische Part und die Leitung der einzelnen Teile den jeweiligen Kirchenmusiker Domkapellmeister Stephan Rommelspacher und Kantor Martin Bambauer zu.

"Das Wort ,ehrlich' spielt bei der Interpretation von Bachscher Musik eine wesentliche und zentrale Rolle", hatte Mertens im TV-Gespräch vor der Aufführung des Weihnachtsoratoriums in Trier gesagt. Schlanke, ungeschminkte Ehrlichkeit muss man beiden Aufführungen dann auch in vollem Umfang bescheinigen. Wer auf der Suche war nach monumentalen, pompösen Klangkaskaden, war in Trier fehl am Platze. Hier wurde musikalisch ein Weihnachtsfest gefeiert, bei dem Lametta und Rauschgoldengel nichts zu suchen hatten.

Für manch einen Besucher mag das ein hartes Brot gewesen sein, wenn man sich die ach so geliebten Interpretationen, in denen die Orchester und auch die Chöre nicht groß genug sein konnten und vor lauter Pathetik die Musik kaum noch zum Atmen kam, in Erinnerung ruft. Hier waren sich Rommelspacher und Bambauer offensichtlich einig und ließen dem Bachschen Gestus so viel freien Lauf, dass der innere Glanz der sechs Kantaten nicht nur leuchten sondern erstrahlen konnte. Die Weichen für diese Art des Musizierens waren schon weit im Vorfeld durch die Wahl des Orchesters und der Solisten gestellt worden. Der Münchener Klangkörper rückte in minimaler Besetzung mit historischem Instrumentarium in der Moselmetropole an. Da musste sich manches lautstärkeverwöhntes Ohr erst neu einjustieren, bevor es den richtigen Level gefunden hatte.

Auch bei den Gesangssolisten war keine andere als die gehörte Art des Musizierens zu erwarten. Neben Mertens, als dem vielleicht bekanntesten Bachinterpreten haben sich auch Thornhill, Sandhoff und Mammel im Laufe ihrer Karriere eine große Reputation als Barocksänger erworben. Oberstes Gebot war, die gestalterischen Freiheiten, die der Notentext ließ, in vollem Rahmen ausschöpfen ohne die vom Komponisten gesteckten Grenzen zu überschreiten. Das größte Kompliment für diese Aufführung muss man aber Bambauer und Rommelspacher gleichermaßen für ihre Chöre aussprechen. Trotz der nicht unbeachtlichen Anzahl der Sänger schafften sie es, das Klangliche Ergebnis sehr schlank zu halten. An keiner Stelle wurde dick aufgetragen, beide Chöre passten problemlos in das von Orchester und Solisten vorgegebene Konzept.

Es würde der oben erwähnten Vorgabe von Mertens zuwiderlaufen, wenn hier nur von Lobenswertem die rede wäre. natürlich gab es, das lässt sich bei so einem großen Werk gar nicht vermeiden, auch Punkte der Kritik. Ursache hierfür war in erster Linie die überaus schwierige Akustik an beiden Aufführungsorten. So schaffte es Thornhill nicht, die Räume zu füllen. Bei allen Qualitäten, die sie vorzuweisen hat, war ihre Stimme zu klein und konnte kaum über die achte Zuhörerreihe hinweg tragen. Natürlich wackelte auch bei den Chören hier und da einmal ein Einsatz, waren Bambauer und Rommelspacher manchmal gefordert, die Stimmen wieder zusammen zu führen. Gleiches galt auch für das Orchester, bei dem auch die natürlichen Grenzen des historischen Instrumentariums hörbar wurden. Naturtrompeten klingen nun einmal anders als moderne Ventilinstrumente.

Für jeden aber, der nicht mit CD-verwöhnten Vorstellungen in diese Aufführungen kam, waren die beiden Konzerte ein Erlebnis, wie es nur selten zu haben ist.

Gerhard Kluth



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