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Über die Festschrift zur Wiedereinweihung der Hamburger Jacobiorgel
In diesem Jahr ist jährt es sich zum zehnten Mal, dass eine der bedeutendsten Barockorgeln im deutschen Sprachgebiet wieder in ihrer (soweit das möglich ist) alten Form zum Lob Gottes erklingt. Die Rede ist von der Arp Schnitger Orgel in der Hamburger St. Jacobi Kirche. Schon 1995 erschien im Hamburger Christians Verlag eine ausführliche Monografie dieses gewaltigen Instrumentes, herausgegeben von Prof. Dr. Heimo Reinitzer, in der er die Geschichte des Instrumentes von sechs berufenen Autoren erläutern lässt.
1693 war das Jahr, in dem die größte, bis in unsere Zeit erhaltene Orgel des Hamburger Meisters Arp Schnitger, fertig gestellt wurde und von da an die Welt der Orgelfreunde begeisterte. Erbaut hatte er sie für die Hamburger Hauptkirche St. Jacobi, der so genannten Kaufmannskirche. Welche Bedeutung auch auf kirchenmusikalischem Gebiet dieses Gotteshaus hatte, zeigen die Namen der dort tätigen Organisten. So findet man etwa Jacob und Hieronymus Praetorius oder Matthias Weckmann bis hin zu Heinz Wunderlich, der dort von 1958 - 1982 seinen Dienst versah. Auch Johann Sebastian Bach hatte sich 1720 als Nachfolger von Heinrich Frese um den Posten beworben. Angezogen wurde er zum einen von dem herrlichen Instrument, zum anderen von Erdmann Neumeister, einem der Hauptpastoren der Kirche. Neumeister war Bach sehr freundschaftlich verbunden und lieferte ihm etliche Textgrundlagen zu seinen Kantaten. Eine, für unsere Tage etwas absonderliche Regelung sorgte allerdings dafür, dass Bach in seinem Sachsen bleiben musste und ein (musikalisch gesehen) wohl nur mittelmäßiger Handwerkssohn den Posten bekam.
Um die Kirchenkasse aufzubessern, erwarteten die Gemeinden seinerzeit von Bewerbern um führende Posten ein so genanntes Gratial, eine finanzielle Zuwendung, die den Vergabevorgang positiv beeinflussen sollte. Bach hatte von seinem Können her durchaus die besten Aussichten, Organist an St. Jacobi zu werden, zog aber seine Bewerbung kurz vor der entscheidenden Sitzung des Kirchenkollegiums zurück, da er nicht in der Lage war, die erwarteten 4000 Mark zu zahlen. Also erhielt Johann Joachim Heitmann den Zuschlag, von dem Neumeister sagte, dass dieser "besser mit den Thalern denn mit den Fingern prädulieren konnte". Von Neumeister ist auch überliefert, dass er in der ersten Weihnachtspredigt nach der Wahl von der Kanzel heruntersagte: "er glaube ganz gewiss, wenn auch einer von den Bethlehemitischen Engel vom Himmel käme, der göttlich spielte, und wollte Organist zu St. Jacobi werden, hätte aber kein Geld, so mögte er nur wieder davon fliegen." Der reich bebilderte Band gibt dem Leser einen tiefen Einblick in die Geschichte der Kirchenmusik allgemein und natürlich in die der Orgel im Besonderen. Hauptteil bilden die Kapitel "Am Rande der Erkenntnis" von Ulrich Bitz und Jürgen Ahrends Bericht über die Restaurierung. Der Literaturwissenschaftler Bitz befasst sich ausführlich mit den Erkenntnissen, die Hans Henny Jahnn schon vor dem ersten Weltkrieg bei seinen umfassenden Untersuchungen an der Schnitgerorgel gewonnen hatte. Letztendlich war er es, der die Welt auf die Bedeutung dieses Instruments aufmerksam machte. Maßgeblich war er an Umbaumaßnahmen der Jacobikirche Ende der 1920er Jahre beteiligt, die auch vor der Orgelbühne nicht halt machten. Ihm ist es auch zu verdanken, dass dieses Instrument zu einem Wegweiser in der Orgelbewegung wurde.
Jürgen Ahrend berichtet in seinem Beitrag minutiös über die Restaurierungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen, die von seiner Werkstatt durchgeführt wurden. Er muss fast schon als spannend bezeichnet werden. Gespickt ist der Bericht mit sehr vielen technischen Details, einer reichhaltigen Bebilderung und etlichen Kopien originaler Dokumente aus der Entstehungszeit. Ebenso werden etwa die technischen Gegebenheiten des Pfeifenwerks vor und nach der Restaurierung gegenübergestellt, wodurch zumindest der orgeltechnisch etwas versierte Leser sich ein sehr genaues Bild davon machen kann, wie Umfangreich Ahrends Tätigkeit bei dieser Orgel waren. Co-Autoren dieses letzten Kapitels waren der sachverständige Günter Lade, der Ahrends Restaurierungsbericht redaktionell aufgearbeitet hat und der niederländische (heute in der Schweiz ansässigen) Orgelbauer und Fachmann für Schnitgerorgeln Cor Edskes.
So wertvoll und lesenswert, wie dieses Buch ist, es beinhaltet auch einen nicht ganz nachvollziehbaren Wermutstropfen. Im Gegensatz zu etlichen anderen Orgeln des großen Hamburger Meisters sind wesentliche Teile des Jacobiinstruments nicht dem zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen und konnte nach bestem Wissen und Gewissen durch die Lübecker Firma Kemper wieder aufgebaut werden. Natürlich wurden nach unserem heutigen Wissen beim Wiederaufbau große Fehler gemacht, die aus heutiger Sicht in den Bereich des Unverständlichen gehören. Was aber nicht vergessen werden darf, vor allem nicht bei einer Publikation wie der Vorliegenden, ist die Tatsache, dass die damaligen Orgelbauer es einfach nicht besser gewusst haben. Froh und dankbar können wir sein, dass dieses großartige Orgelwerk, für dessen durch und durch gelungenen Rekonstruktion man Ahrend nur gratulieren kann, überhaupt noch steht. Dieser Dank aber ist weder einem Cor Edskes noch einem Jürgen Ahrend abzustatten, sondern einer Anzahl von Personen, die sich damals um diese Orgel bemüht haben, allen voran Hans Henny Jahnn und der Orgelbaufirma Kemper.
Ein wertvolles Buch, das hochinteressante Einblicke in die, je nach geschmacklicher Ausrichtung, vielleicht großartigste erhaltene Barockorgel in Deutschland gewährt und dazu mit jeder Menge Information aus dem Umfeld des Instrumentes aufwarten kann. Sehr empfehlenswert.
Heimo Reinitzer (Hrsg)
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Über die Festschrift zur Wiedereinweihung der Hamburger Jacobiorgel
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